Hans Hasekamp

Hans Hasekamp

Fotograf – Zeichner – Lehrer

Hubertus Wilker

So manches Mal war ich bereits mit der Fotokamera auf den Spuren Hans Hasekamps in Stadt und Landkreis unterwegs, um mit einem 60 oder gar 80 Jahre alten Hasekamp-Foto in der Hand eine entsprechende aktuelle Aufnahme für eine „Gestern-und-Heute-Diareihe“ für den Verleih im Medienzentrum oder für eine Veröffentlichung im Internet zu machen. So konnte ich schon häufiger nachvollziehen, mit welch sicherem Blick er sein Motiv aus der Umgebung ausgewählt, wie er mit Goldenem Schnitt, Tiefenstaffelung, über Vordergrund und Hintergrund Ordnung und Harmonie in seine Fotos gebracht hatte. Immer wieder locken Diagonalen oder auch direkt ins Bild hineinführende Wege, Gräben, Zäune in die Fotos quasi hineinzuspazieren und auch die Pforten und Tore auf den Fotos laden durch die gewährten Durchblicke zum Hindurchgehen ein. Seine Fotos sind auf den ersten Blick also ansprechend, ja einladend zu nennen. Hans Hasekamp war aber nicht nur Fotograf, und das ist etwas, das man bei der Betrachtung seines fotografischen Werkes immer bedenken und einbeziehen sollte. Er war auch Zeichner, Heimatkundiger, in zahlreichen Artikeln auch Heimatschriftsteller, und er war vor allem auch Lehrer und Leiter der Kreisbildstelle, einer Vorgängerorganisation des Medienzentrums Osnabrück, in dessen Auftrag ich heute seine dokumentarische Arbeit fortführe.

Hans Hasekamp, Selbstporträt als Stereoaufnahme

Johannes (Hans) Hasekamp wurde am 23. August 1891 in Sögel geboren. Er war das älteste von sechs Kindern. Sein Vater stammte von einem Hof in Rieste, seine Mutter aus Sögel. Anfang des 20. Jahrhunderts nahm sein Vater eine leitende Stellung in Osnabrück an und die Familie Hasekamp zog in die Stadt, direkt an den historischen Markt im Herzen der Altstadt. Sehr früh entwickelte Hans Hasekamp eine Begeisterung für das Zeichnen. Seine Begabung wurde erkannt und gefördert und sie fand auch öffentliche Bestätigung, zum Beispiel durch einen gewonnenen Wettbewerb, der dem jungen Talent die damals beachtliche Summe von 80 Goldmark bescherte. Weitere musische Anregungen kamen aus der Schule. Er spielte Laute – das war „in“, die Wandervogelbewegung blühte in Osnabrück gerade auf –, bekam Klavierunterricht und entdeckte auch schon früh die Fotografie. Seine erste Kamera baute er sich sogar selbst. Die Wandervogelbewegung war es wohl auch, die seine Liebe zur Natur und zur Schönheit der heimischen Landschaft mit begründete. In zahllosen Wanderungen erkundete diese Jugendbewegung das Umland mit einem stark romantisierenden Impetus. Je wilder, ursprünglicher und unzivilisierter eine Landschaft, umso interessanter erschien sie. Hier wurde Hasekamps Blick für das Alte, historisch Gewachsene, das Volkskundliche geprägt und auf diesen Wanderungen entdeckte er natürlich auch die Motive für seine Zeichnungen, die später dann auch fotografische Motive wurden.

Federzeichnung

Nach einem guten Schulabschluss stand der Entschluss fest, Lehrer zu werden. Nach dem Besuch der Präparandenanstalt und des Königlich-Preußischen Lehrerseminars in Osnabrück – sein Entlassungszeugnis wies im Zeichnen übrigens die Note „sehr gut“ aus – folgten ab 1911 Anstellungen als Lehrer in Malbergen und im Emsland. 1915 wurde er als Richtkanonier eingezogen und erlebte, beziehungsweise erlitt und überlebte den Ersten Weltkrieg in Frankreich. Tagebuch und fotografische Zeugnisse aus dieser Zeit finden sich im Nachlass in Hagen a. T. W.

Nach dem Krieg fand er eine Anstellung an der Marienschule Georgsmarienhütte, zunächst als Volksschullehrer, dann 1949 bis 1956 als Rektor. In dieser ersten Zeit als Volksschullehrer entstanden auch die zahlreichen Federzeichnungen mit heimatlichen Motiven. Sie wurden ab 1919 in vier Bildmappen und mehreren Auflagen herausgegeben und erfreuten sich so großer Beliebtheit, dass viele Motive auch als Postkarten herausgegeben wurden und so eine massenhafte Verbreitung fanden. Darüber hinaus illustrierte er verschiedene Bücher, unter anderem „Dat Blüsenbook“ von Hiärm Grupe.

Seine Zeichnungen erschienen in Kalendern, Tageszeitungen und Zeitschriften, oft verbunden mit eigenen Aufsätzen.

Postkarte Iburg

Nach 1924 widmete er sich verstärkt der Fotografie und diese Fotos traten in seinen Veröffentlichungen nun an die Stelle der Zeichnungen. Auf Wanderungen, Fahrten mit dem Rad und später mit dem PKW wurden immer weitere Bereiche fotografisch erschlossen. Aber nicht nur die Heimat und die nähere Umgebung interessierten Hasekamp, auch in seinen Ferien war er ein begeisterter Reisender. Und den Fotoapparat hatte er immer dabei, in der Regel sogar in einer Stereoversion. Solch eine Stereokamera fertigte gleich zwei räumlich versetzte Fotos an, die dann als Stereo-Dia mit einem entsprechenden Betrachtungsgerät dreidimensional wiedergegeben werden konnten.

Kaum ein Fleck in Deutschland, der nicht bereist wurde. Von Spitzbergen bis nach Ägypten erstreckten sich die Reiseziele und vor allem hatten es ihm Italien und die Alpen angetan.

So wie er es in seinen Zeichnungen schnell aufgegeben hatte, die Architekturansichten und Landschaften mit Staffagefiguren zu beleben, verzichtete er auch in seinen Fotografien fast völlig auf die Abbildung von Menschen.

Bauernkotten in Mentrup

Nur in den Straßenansichten ließ sich das Ablichten von Passanten nicht immer vermeiden und auch auf den eher touristischen Urlaubsfotos finden wir häufiger Menschen. So ist denn auch das Stereo-Selbstporträt am Schreibtisch eher eine Rarität im fotografischen Schaffen Hans Hasekamps.

Besonders viele Aufnahmen machte er natürlich in Hagen, sozusagen vor der eigenen Haustür. Die Landschaft rund um seinen Wohnort und die zahlreichen alten Kotten unter blühenden Kirschbäumen, das waren Hans Hasekamps Lieblingsmotive.


Wehlburg bei Badbergen

Bramsche

 

Das Experimentelle und Waghalsige war nicht seine Sache. Die Entwicklungen hin zur Moderne nach dem Ersten Weltkrieg spiegeln sich in seinem Werk kaum wider. Sein sachlicher und kundiger, aber liebevoller Blick galt eher dem Detail des alten verrosteten Dielentürgriffs und dem Katzenloch etwas weiter unten in derselben Dielentür.

1935 wurden mit dem Aufkommen des Unterrichtsfilms amtliche Bildstellen eingerichtet. Hans Hasekamp übernahm die Leitung der neugegründeten Kreisbildstelle in Georgsmarienhütte, die von ihm immer weiter ausgebaut wurde. 1937 stellte er die schönsten Aufnahmen aus seinem reichen Fundus zu zwei Diareihen für die Landesbildstelle in Hannover: »Das Osnabrücker Bergland« und »Das Emsland« zusammen. Zahlreiche Lichtbildserien für den Gebrauch in Schulen folgten und auch die Fotos seiner Reisen

Der Holzschuhmacher (Herkenhoff in Mentrup)

wurden für den Geografieunterricht aufbereitet. Durch die Landesbildstelle initiiert, entstanden auch Fotodokumentationen aussterbender Handwerksberufe, wie des Holzschuhmachers oder Töpfers in kurzen, prägnanten Bildfolgen.

Intensiv arbeitet Hans Hasekamp daran, Osnabrück, den Landkreis und das Umland nahezu systematisch unter den Gesichtspunkten Vorgeschichte und Geschichte, Kunst und Kultur, Brauchtum und Volkskunst abzulichten. Immer wieder besucht er aber auch die gleichen Orte, um eine Aufnahme zu perfektionieren, ihr unter veränderten Lichtbedingungen neue Aspekte abzugewinnen, eine andere Jahreszeit einzufangen oder um sonstige Veränderungen festzuhalten.

Als Chronist des Alltags sehen wir ihn in der Zeit des Nationalsozialismus. Besonders die Kriegsauswirkungen auf die Bevölkerung, auf das Osnabrücker Stadtbild und die umliegenden Ortschaften wurden festgehalten. In diese Zeit fallen ab etwa 1941 auch erste Versuche mit dem damals neuen Farbdiafilm von Agfa im Leica-Kleinbildformat. Neben den üblichen Motiven, die jetzt häufig parallel als Farbdia und 6 mal 6 Schwarzweiß-Negativ aufgenommen wurden, entstehen Farbstudien von Himmelsphänomenen und Sonnenuntergängen, sowie Fotos, die wohl für den Biologieunterricht gedacht waren. Die letzten dramatischen Fotos des vom Krieg zerstörten Osnabrücks entstanden dagegen in Schwarzweiß. Nach dem Krieg erlosch sein Interesse an der Fotografie allmählich. Nur noch sporadisch dokumentierte er den beginnenden Wiederaufbau in Osnabrück oder aktualisierte die Aufnahmen aus dem Landkreis.

Hans Hasekamp trat 1956 in den Ruhestand, um seinen Lebensabend in Hagen a. T. W. zu verbringen. Die Bildstelle betreute er weiter bis ins Jahr 1960. Am 21. Januar 1962 verstarb Hans Hasekamp.

Der Nachlass mit weit über zehntausend Fotografien ging in das Eigentum der Katholischen Kirchengemeinde St. Martinus in Hagen a. T. W. über. Martin Frauenheim betreut die Sammlung, ihm gebührt auch der Dank, sie gesichtet, nach Sachthemen geordnet und erschlossen zu haben.

Hier noch einige Bilder aus dem Hasekamp-Archiv:

Ansichten des Dorfes Hagen vom Glasesch aus                Foto 1937

Blick auf Hagen                                       Federzeichnung

Kirche in Hagen                 Federzeichnung 1925

 

Inneres der Martinuskirche                              Foto 1929

 

Hof Warnsmann in Mentrup                         Federzeichnung

 

Blick vom Borgberg zum Dörenberg                                Foto 1941

 

Töpferei Hehemann                                                      Foto 1936