350 Jahre Mentruper Markttrommel


Hagener Ferkelmarkt und Markttrommel gehören untrennbar zusammen. Hierzu ein kurzer geschichtlicher Überblick:
In den Wirren des spanisch-niederländischen Krieges (1568 bis 1618/48) wurden auch das Osnabrücker Land und Hagen von spanischen und niederländischen Truppen immer wieder ausgeplündert. Die Wirtschaft lag für Jahre danieder. Der Pastor, der Vogt und die Vorsteher des Kirchspiels Hagen wurden daher im Sommer 1615 bei der Amtsverwaltung vorstellig und baten um die Erlaubnis, jeweils am Montag nach der traditionellen Hagener Kirmes einen Vieh- und Krammarkt abhalten zu dürfen, weil dem Kirchspiel Hagen durch einen solchen Markt „viell narung und guetes zugefüget würde". Der Osnabrücker Bischof als Landesherr kam der Bitte nach und erteilte dem Kirchspiel Hagen mit Verfügung vom 24.07.1615 das Recht, „jährlichs hinfüro auff negstenn Sontagh [= gemeint ist Montag] nach der Kirchmeß daselbst am Dorffe Hagenn ein offenes Viehemarkt publicierenn und außstellenn zu laßenn... mitt allerhandt wahrenn, pferdenn, küehen, schweinenn und anderenn viehe...".
Das Kirchspiel Hagen war damit nach Glandorf, Iburg und Dissen der vierte Ort im alten Amt Iburg, an dem nicht nur eine Kirmes, sondern auch ein freier Vieh- und Krammarkt abgehalten werden durfte.
Zu den äußeren Insignien des Marktprivileges gehörten seit alters her die Marktfahnen („Fredefahne"), das Zollbrett und das Auftrommeln des Marktes.
Für das Auftrommeln des Marktes benötigt man natürlich eine Trommel. Aus den Ha-gener Kirchspielsrechnungen ist zu erfahren, dass 1615 eine neue Trommel angeschafft wurde: „Führ eine Trummen tho behoeff des Kerspels gegeben 1 Thaier, 2 Schillinge".
1676 wurde abermals „behueff den Kirspelß Hagen eine neuwe Trommellen" gekauft für 1 Taler, 10 Schilling und 6 Denar.
Laut einem Bericht vom Jahre 1787 gab es im Kirchspiel Hagen zwei Trommeln – je eine in der Obermark und eine in der Niedermark, dort an die Hofstelle des Meyer zu Gellenbeck gebunden. Die Trommler mussten nicht nur am Markttag, sondern auch bei Feuersbrunst und Kriegsgefahr trommeln.
Irgendwann Ende des 18. oder Anfang des 19. Jahrhunderts muß die Anzahl der Trommler dann auf die jetzige Zahl von fünf Trommlern erhöht worden sein, die noch heute am Morgen des Hagener Ferkelmarktes auftrommeln. Der Vertreter der sechsten ehemaligen Bauerschaft, nämlich Bauer Niehenke aus Altenhagen trägt die Markt¬fahne.

Eine der fünf Trommeln ist erkennbar wesentlich älter als die übrigen vier Trommeln, nämlich die auf dem Hof Heinrich Vollmer verwahrte Mentruper Markttrommel. Lange Zeit konnte man über das konkrete Alter dieser Trommel nur Spekulationen anstellen. Erst die im Jahre 2003 durch den Iburger Restaurator Werner Godt erfolgte Restaurierung der alten Mentruper Markttrommel brachte überraschende Erkenntnisse. Im Inneren der Trommel befinden sich nämlich eine verzierte Initiale und drei Inschriften folgenden Inhalts: Die erste Inschrift besagt vermutlich, dass die Trommel im Jahre 1656, also vor 350 Jahren durch Thomas Schröder gemacht worden ist. Thomas Schröder wird ein Be¬wohner des im Dorf Hagen gelegenen Markkottens Schröder gewesen sein. Die in der Trommel befindliche Initiale dürfte die von Thomas Schröder sein. Die beiden anderen Inschriften befinden sich jeweils an schadhaften Stellen und sind wahrscheinlich bei deren Reparatur angebracht worden. „Unsanf Roop surte dey Drum" bedeutet wohl nichts anders als: „Bei wildem Raub stürzte die Trommel."
Die alte Mentruper Markttrommel hat also in ihrer langen Geschichte so einiges mitgemacht und weil sie oft auch bei Wind und Regen zum Ferkelmarkt aufgetrommelt hatte, war sie im Laufe der Jahrhunderte „in die Jahre gekommen". Um die historisch wertvolle Trommel auch für nachkommende Generationen zu erhalten und sie auf Dauer auch weiterhin beim Ferkelmarkt nutzen zu können, wurde sie im Jahre 2003 restauriert. Dabei wurden Löcher, Bruchstellen, Risse und Spannschnüre ausgebessert und das Holz behandelt. Der defekte Tragegurt war bereits 1998 durch einen Trageriemen aus Leder ersetzt worden. Ansonsten befindet sich die alte Trommel noch im Originalzustand und vielleicht hält sie nach ihrer Restaurierung und bei weiterhin guter Verwahrung ja nochmals 350 Jahre, also bis zum Jahre 2356. Ob man dann wohl mit ihr auch noch zum „Hagener Ferkelmarkt" auftrommeln wird?!

Anmerkung:
Dieser Beitrag ist neben vielen anderen in unserem Buch „Hagener Geschichten“ enthalten.