Die Glocken der Kirche Mariä Himmelfahrt in Gellenbeck


Das gewaltige Kriegsgeschehen stand wohl Pate bei der Auswahl der Inschrift, die lautete:

"Sancta Maria, Regina pacis, ora pro nobis!
Bella pelle, para pacem, A.D. 1915"

Deutsch: "Heilige Maria, Königin des Friedens, bitte für uns!
Verbanne die Kriege, erflehe den Frieden".

Die kirchliche Weihe fand am 3. Juli statt. Die Weiherede stand ganz unter dem Eindruck des Vormarsches in Russland, und so kam der vaterländische Gedanke nicht zu kurz. Im August war der Glockenstuhl fertiggestellt, und am 26. des Monats erscholl das erste "Angelus-Läuten". Am Abend erklang ein einstündiges Siegesläuten anlässlich der Erstürmung der russischen Festung Brest-Litowsk.

Das Jahr 1917 brachte für alle Kirchengemeinden eine bittere Enttäuschung. Der Krieg forderte ein weiteres Opfer vom Kircheneigentum. Behördlicherseits wurden Glocken beschlagnahmt. Es sollte den Kirchen eine Glocke, und zwar die kleinste als Läuteglocke vorläufig belassen werden. Wenn nicht der Konservator in Hannover besondere Kunstwerke oder einen historischen Wert feststellte, mussten alle übrigen abgegeben werden. Unsere eine Glocke fiel demnach nicht unter die Verordnung. Bis zum Jahre 1960 rief diese Glocke die Gläubigen zum Gottesdienst und Gebet.

"Dank der Gebefreudigkeit der Gemeindemitglieder konnte der Kirchenvorstand die Beschaffung eines Geläutes beschließen. Er übertrug die Lieferung der Firma Petit & Gebrüder Edelbrock in Gescher (Westf.). Eine Vertretung des Kirchenvorstandes war zugegen, als die Glocken gegossen wurden. Am Freitag, dem 12. August, trafen die vier Bronzeglocken festlich geschmückt ein. Ihre Weihe war der Mittelpunkt eines Pfarrfestes. Zu der Weihestunde vor der Kirche, wo die vier Glocken aufgestellt waren, hatten sich die Gläubigen zahlreich eingefunden. Mit dem Spielmannzug Natrup-Hagen vorauf, waren die Vereine mit ihren Fahnen heran marschiert. In stiller Andacht und im Gebet verharrte die große Menge, als Pfarrer Kirchner, unterstützt von Kaplan Fipp, die Weihezeremonien vollzog. Zur würdigen Gestaltung trug auch die Gemeinschaft der Gesangvereine der Niedermark mit dem Chorlied "Die Himmel rühmen . . ." bei. In einer kurzen Glockenpredigt deutete Pfarrer Kirchner Sinn und Aufgabe als Rufer, Mahner und Tröster, die das ganze Leben der Christen begleiten sollen".

Soweit ein Bericht der O.T. vom 15. August 1960.
Am folgenden Sonntag, am Patronatsfest der Kirche, ließen die Glocken zum ersten mal ihre ehernen Klänge ertönen. Die alte Glocke musste ihren Platz räumen, da ihre Lager für eine elektrische Läutevorrichtung ungeeignet waren. Sie wurde zum Preise von 2888,- DM verkauft und eingeschmolzen. Das neue Kirchengeläut einschließlich aller Nebenarbeiten erforderte eine Ausgabe von 28279,97 DM.

Nachstehend nähere Angaben über die einzelnen Glocken:

1. Totenglocke: Tonhöhe d, Durchmesser 1,37 m, Gewicht 1500 kg, Inschrift:
Sancte Michael, repraesenta animas nostras in luzem sanctum A.D. I960 / Heiliger Michael, führe unsere Seelen in das heilige Licht!

2. Sakramentsglocke: Tonhöhe e, Durchmesser 1,21 m, Gewicht 1050 kg, Inschrift:  
Sursum corda. Adorate Deum. A.D. 1960 / Empor die Herzen! Betet Gott an!

3. Marienglocke: Tonhöhe g, Durchmesser 1,00 m, Gewicht 570 kg, Inschrift:
Sancta Maria - Regina pacis - ora pro nobis A.D. 1960 / Heilige Maria, Königin des  
Friedens, bitte für uns!
Zum Andenken an die bisherige Marienglocke trägt sie nun am unteren Rande deren   
Inschrift (siehe oben).

4. Kinderglocke: Tonhöhe a. Durchmesser 0,89 m, Gewicht 400 kg, Inschrift:
Date pueri Dominum - Laudate nomen Domini. A.D. 1960 / Lobet ihr Kinder den 
Herrn - Lobet den Namen des Herrn


Anmerkung:
Dieser Beitrag ist neben vielen anderen in unserem Buch „Hagener Geschichten“ enthalten.


Die Kirchenchronik wurde im Jahr 1965 von Hermann Weßels verfasst.