Pater Lambert Wilhelm Rethmann

Pater Lambert Wilhelm Rethmann,

der "Apostel der Auswanderer"

Eugen Kotte

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts verließen viele unserer Vorfahren aus Westfalen und dem Osnabrücker Land ihre Heimat, um auf dem Hawaii¬schen Inseln das Glück zu machen. Die dort damals aufblühende Zucker¬industrie versprach Arbeit und guten Lohn. Zur geistlichen Betreuung der Aussiedler, aber auch zur Missionierung der Eingeborenen zogen auch Geistliche aus unserer Heimat nach Hawaii. In diesen Kreis gehört auch Pater Lambert Rethmann aus Hagen, der in einer Geschichte des Ordens der "Apostel der Auswanderer" genannt wird.

Fünf Silbergroschen hatte der 14jährige Wilhelm Rethmann in der Ta¬sche, als er von Hagen in Richtung Münster wanderte, um hier Priester zu werden. Ganz selbstverständlich glaubte er, der liebe Gott werde ihm schon helfen. Doch er hatte nicht nur einen beschwerlichen, mehr als 10 Stunden dauernden Fußweg hinter sich zu bringen, sondern merkte bald, daß er als Unbekannter in Münster kaum das Nötigste zum Leben bekam. Er mußte froh sein, daß sich ein Student seiner annahm und ihn bei sich wohnen ließ.

Ein Kaplan kümmerte sich um den aufgeweckten Jungen, gab ihm Nach-hilfeunterricht und brachte ihn aufs Gymnasium.

Und jetzt ging es schnell, obwohl Wilhelm das Studium der Theologie nicht leicht fiel: 1846 wurde er in den Orden der "Picpus-Väter" aufgenommen, 1852 zum Priester geweiht, und noch im gleichen Jahr finden wir ihn als Auswanderer-Priester in Le Havre.

Die damalige Zeit war in Deutschland voll politischer Spannungen. Des¬wegen verließen viele die Heimat, fielen jedoch häufig schon vor der Ein¬schiffung betrügerischen Agenten oder Wirten in die Hände. So wurde die ohnedies vorhandene Not noch vergrößert. Das Aneinandergepferchtsein in den oft nur notdürftig für Personenbeförderung eingerichteten Schif¬fen, die nicht selten mehr als drei Monate unterwegs waren, machte das Leben zur Hölle. Hier war Zuspruch nötig, und das war die Aufgabe von Pater Lambert Rethmann. Und er schaffte sie: Sogar eine kleine Kirche konnte er in Le Havre erbauen lassen, die "deutsche Kapelle". Später wur¬den seine Hilfsmaßnahmen (seelsorgerische und finanzielle) im St.-Raphaels-Verein zusammengefaßt, der bis in die Gegenwart Auswanderern hilft. Pater Lambert Rethmann verstarb am 24. Juli 1908.
Anmerkungen:
Dieser Beitrag ist neben vielen anderen in unserem Buch „Hagener Geschichten“ enthalten.

Johann Wilhelm Rethmann wurde am 10. April 1824 in Natrup-Hagen als Sohn des Heuerlings Friedrich-Wilhelm Rethmann und seine Ehefrau Katharina Maria, geb. Franksmann geboren. Die Familie lebte in einem Kotten des Bauern Meyer zu Natrup. (Mitteilung von Alexander Himmermann)

Picpus-Gesellschaft: Die Ordensgemeinschaft führt eigentlich den Namen „Kongregation von den heiligsten Herzen Jesu und Mariä“ und wurde im Jahre 1800 gegründet. Der Name Picpus-Gesellschaft leitet sich her von dem früheren Hauptsitz der Gesellschaft in Paris an der Rue de Picpus. Die Gesellschaft hatte sich als Aufgabe anfangs auch die Missionierung in der Südsee gestellt, dann aber auch die seelsorgerliche Betreuung der europäischen Einwanderer dort und schließlich auch die Sorge für die Auswanderer in den Auswandererhäfen Frankreichs. Mit dieser Aufgabe kam Pater Lambert – so sein Ordensname – nach Le Havre.  [ nach: www.orden-online.de/ Arnsteiner Patres (Picpus-Gesellschaft)]
In „ Notburga. Zeitschrift für Dienstboten“  vom 3. Juni 1880 heißt es:
„ Für Auswanderer. Die vom Comité zum Schutze der katholischen Auswanderer ernannten Vertrauensmänner sind: ...7. in Hâvre ist der Deutsche Geistliche, Herr P. Lambert Rethmann und jeder Zeit in der speciell für die katholischen Auswanderer erbauten Deutschen Kirche (chapelle allemande, rue J. B. Eyriés), oder in seiner neben der Kirche gelegenen Wohnung (rue Doubet), zu sprechen. Auch gibt derselbe auf briefliche Anfragen bereitwilligst Auskunft, kann aber unter den bestehenden Verhältnissen die weiteren unten angegebenen Dienste nicht leisten.“ (http://transoceanic-emigration.net) 

Raphaels-Verein: Der Limburger Kaufmann Peter Paul Cahensly hatte die Not auswanderwilliger Menschen betroffen gemacht. Er sah, dass sie unbedingt in den Auswandererhäfen Schutz vor ausbeuterischen Agenten, während der Überfahrt Sicherheit auf den Schiffen und im Zielland Hilfe bei der Eingliederung brauchten. Für diese Aufgaben wurde auf sein Betreiben 1871 auf dem Katholikentag in Mainz der St.-Raphaels-Verein gegründet.  Nach dem Tode von Pater Lambert Rethmann beschrieb er in einem Aufsatz dessen bedeutende Rolle für die Gründung des Vereins. (Peter Paul Cahensly, Präsident des St. Raphaels-Vereins: Der Auswandererapostel Pater Lambert Rethmann und die Anfänge des St. Raphaels-Vereins. Sonderdruck aus dem Jahrbuch des Caritasverbandes für 1909/10. Freiburg i. Br. 1909) Darin beschrieb er auch den anrührenden und mitreißenden Auftritt des greisen Pater Lambert auf dem Katholikentag in Osnabrück am 28.August 1901.