Antonius Tappehorn und Wilhelm Wolf

Antonius Tappehorn und Wilhelm Wolf

- die „geistigen“ Väter des Kirchbaus in Gellenbeck

Johannes Brand

Nach einer engagierten und kontroversen Debatte beschloss der Gemeinderat in seiner Sitzung am 22. Juni 1995 die beiden Straßen in dem Baugebiet östlich der Görsmannstraße nach Antonius Tappehorn und Wilhelm Wolf zu benennen. In einer Schlagzeile der Neuen Osnabrücker Zeitung wurden die beiden Namensgeber als „Kirchengründer“ bezeichnet, was sicherlich nicht in allem der Bedeutung dieser beiden gerecht wird und auch unzulässig die Gründung einer Kirchengemeinde auf zwei Personen reduziert. Aber dieses Wort benennt doch die Schnittfläche der beiden Biographien und ihre Bedeutung für die Entwicklung der Niedermark und damit der ganzen Gemeinde Hagen a.T.W.
Wurde in der Gemeinderatssitzung einerseits geklagt, dass doch kaum noch jemand diese Namen kenne und sie deswegen für die Benennung von Straßen ungeeignet seien, so wurde andererseits betont, dass es sehr sinnvoll sein könne, vergessene Namen wieder aus dem Dunkel herauszuholen und die Bedeutung ihrer Träger für die Geschichte Hagens neu zu prüfen und zu würdigen. Dieses soll im Folgenden in aller Kürze und ohne Anspruch auf Vollständigkeit und endgültiges Urteil versucht werden.

Wilhelm Wolf
wurde 1871 in Barsum bei Hildesheim geboren und erhielt seine Ausbildung im Lehrerseminar in Hildesheim. Nach ersten Anstellungen in Nortrup und Rühlertwist kam er zum Schuljahresbeginn 1906 nach Gellenbeck und übernahm hier die Stelle des so genannten „ersten Lehrers“. Die Schule in Gellenbeck umfasste bis dahin drei Klassen, in denen die Schüler aus acht Jahrgängen von zwei Lehrpersonen unterrichtet wurden. 1906 wurde eine dritte Lehrerstelle eingerichtet und es wurden vier Klassen gebildet. (Bei 230 Schülerinnen und Schüler bedeutete das immer noch Klassenstärken von 50 bis 70 Kindern!) Da damals neben der ersten auch die zweite Lehrerstelle neu und die dritte erstmals zu besetzen war, gab es an der Schule ein komplett neues Kollegium. Offensichtlich ging                           das junge Team des W. Wolf mit Schwung an die Arbeit.
Die Schulchronik verzeichnet bereits im ersten Jahr die Einrichtung einer Schülerbibliothek. Bis dahin hatte man eine solche nicht für notwendig gehalten und die Schüler auf die „Bibliothek des Vereins vom hl Karl Borromäus“ in Hagen, also die Pfarrbücherei, verwiesen.
Bis 1908 gab es im Kirchspiel Hagen noch eine gemeinsame Trägerschaft für alle katholischen Schulen. „Zum 1. April 1908 wurde die Samtschulgemeinde in zwei Schulverbände zerlegt ...“, wie es Wolf in seiner Schulchronik formulierte. Sicher ist das auch gleichzeitig ein wichtiges Datum in der Auseinandersetzung von Ober- und Niedermark, denn neben den Kirchen waren die Schulen längst zu bedeutenden kulturellen und identitätsstiftenden Einrichtungen in den Dörfern geworden. Die Regierung berief in den Schulvorstand der „Schulgemeinde Natrup-Hagen, Gellenbeck, Sudenfeld“, zu der die katholischen Schulen in Gellenbeck und die evangelische Schule in Natrup-Hagen gehörten, neben den drei Ortsvorstehern Witte-Tiemann aus Natrup, Rhotert aus Gellenbeck und Kriege aus Sudenfeld auch den Hagener Pfarrer und der evangelischen Pastor Meyer aus Hasbergen als die zuständigen Lokalschulinspektoren und den Gellenbecker ersten Lehrer Wolf. Für den Letzteren war das ganz sicher ein wesentlicher Schritt: Er war hier einer der tonangebenden Honoratioren der Niedermark und in diesem Gremium gleichzeitig auch der Fachmann für alle Schulfragen. Im Schulvorstand übernahm er das Amt des „Rechnungsführers und Kassenverwalters“ Bereits im selben Jahr folgte der Schulvorstand einer Anfrage der Regierung  auf Einrichtung einer Hauptlehrerstelle und „sprach den Wunsch aus, königl. Regierung möge dem ersten Lehrer Wolf die Leitungsbefugnisse eines Hauptlehrers übertragen“, und beschloss auch gleichzeitig die Höhe der Amtszulage, wie es in der Schulchronik nachzulesen ist. Das zeigt noch einmal die Anerkennung, die sich Wolf in den zwei Jahren in Gellenbeck bereits erworben hatte. Nach dem ersten Weltkrieg und weiterem Wachsen der Schule wurde er dann 1920 zum Rektor ernannt.


Wilhelm Wolf mit seiner Oberklasse im Jahre 1910 (?)

Wie sehr er das Schulleben in Gellenbeck geprägt hat, mögen einige Zitate aus den verschiedenen Nachrufen in der Zeitung nach seinem plötzlichen Tod am 22. Februar 1933 zeigen. Das Kollegium seiner Schule: Mehr als die Hälfte der Gemeinde Gellenbeck und Natrup-Hagen betrauert ihren guten treuen Lehrer. Wir verlieren einen lieben väterlichen Kollegen.“ Der Gesamtschulverband: „...verliert der Schulvorstand ... eine treues Mitglied und einen tüchtigen Sachbearbeiter“. Die Gemeinde Gellenbeck: „Besonders trauert ... die Gemeinde Gellenbeck, deren Interessen er als Gemeindevertreter ein warmherziger Förderer war.“
Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges unterstanden die Schulen kirchlicher Aufsicht. Die Pfarrer waren die örtlichen Schulinspektoren und nahmen zum Schuljahresende jeweils die so genannte „Osterprüfung“ ab, eine Kontrolle des Leistungsstandes der Schule. So kam es auch im Schulischen Bereich zu vielen und engen Kontakten zwischen Schulleiter und Pfarrer.

Antonius Tappehorn

wurde 1855 in Vechta geboren. Nach dem Besuch des dortigen Gymnasiums Antonianum studierte er Theologie und wurde 1880 in Eichstätt zum Priester geweiht. Anschließend war er sieben Jahre  lang als Kooperator (Hilfsgeistlicher oder Kaplan) in Wallenhorst. Gegen Ende dieser Tätigkeit „wurde er als Priester in den Diözesanverband des Bistums Osnabrück aufgenommen, dem er vordem, mit Rücksicht auf seinen Geburtsort [Vechta gehört zum Bistum Münster. J.B.] nicht angehörte“, wie es auf dem Totenzettel heißt. Es folgten Kaplansjahre in Osterkappeln (1887 – 1894) und Meppen (1894 – 1900).

1899 bewarb er sich dann um eine Pfarrstelle, wobei er zunächst an die freien Stellen in Bersenbrück und Belm dachte. Die Dringlichkeit seiner Bewerbung begründete er damit, dass nach sechs Jahren das Pfarrerexamen, das er bereits 1893 abgelegt hatte, an Gültigkeit verliere. Ein katholischer Priester wurde damals nicht unbedingt irgendwann auch Pfarrer! Nun, die Stelle in Belm wurde mit dem Hagener Pfarrer Beenken besetzt, und er selbst erhielt vom Bischof die Pfarrstelle an der St.-Martinus-Kirche in Hagen. Den feierlichen Empfang am 10. Mai 1900 durch seine Gemeinde beschreibt Wilhelm Larmann in der Gellenbecker Schulchronik so: „Von etwa 30 – 40 Reitern und 21 Wagen begleitet, traf Hochwürden nachmittags in die festlich geschmückte Gemeinde Hagen ein. Durch eine Ansprache seitens des Herrn Vikars Osthues in Empfang genommen, begab sich  Herr Pastor Tappehorn unter Geleite der fast vollzählig erschienenen Gemeinde in die Kirche, woselbst das Te Deum angestimmt wurde. Unter Vorantritt einer Musikkapelle wurde abends ein Fackelzug dargebracht, großartiges Feuerwerk wurde abgebrannt, der ganze Ort war prächtig illuminiert.“
In welch gewaltigem Kontrast zu diesem prachtvollen Empfang steht dann der Abschied von Hagen 15 Jahre später, den Wilhelm Wolf in derselben Schulchronik so festhält: „Am 5. September verließ der hochw. Herr Pfarrer Tappehorn die Pfarrgemeinde Hagen, um die ihm übertragene Pfarrstelle in Beesten, Kreis Lingen zu übernehmen. Seinem bescheidenen Sinn entsprechend wurde seitens der Gemeinde auf jede äußere Ehrung des langjährigen Pfarrers verzichtet.“
Ein Abschied, der keiner war: Die Gemeinde verzichtete auf jede „äußere Ehre“. So verabschiedete man damals und heute keinen Pfarrer! Es ist offensichtlich, dass sich hinter diesen knappen Worten ein Drama verbirgt. Und doch müssen wir zunächst einmal feststellen, dass für Tappehorns  seelsorgerliche Arbeit in Hagen gewiss gilt, was darüber auf dem Totenzettel zu lesen ist: „15 Jahre hat er dort als Pfarrer eifrig und segensreich gewirkt.“ Aus seiner Gesamtbiografie lässt sich nichts anderes erschließen. Aber warum dann ein solcher Abschied?

Die Gründung der Kirchengemeinde Gellenbeck
Umstritten ist Pfarrer Tappehorn wegen seines Mitwirkens bei der Teilung seiner Kirchengemeinde durch den Bau der Kirche in Gellenbeck in den Jahren 1909 - 1915. Wenn wir dem nun nachgehen, dann müssen wir dabei auch Wilhelm Wolf sehen; denn Hermann Herkenhoff bewertet die Rolle dieser beiden Männer so: „Nun trat Hauptlehrer Wolf als Initiator einen neuen Kirchenbaubewegung auf. Er und Pfarrer Tappehorn wurden die geistigen Väter des Kirchenbauprojektes.“
Die entscheidenden Begegnungen zwischen Pfarrer und Hauptlehrer erzählt uns Hermann Weßels in seiner 1965 erstellten handschriftlichen Chronik der Kirchengemeinde Gellenbeck so: „Am 4. April 1909 begleitete der damalige Hauptlehrer Wolf nach einer Schulvorstandssitzung bei Herkenhoff den Pfarrer Tappehorn ein Stück des Weges. Im Laufe des Gespräches kam auch die Rede auf eine eigene Kapelle in Gellenbeck. Dabei gebrauchte Pfarrer Tappehorn die Worte: ‚Wenn Sie ... einen Platz und eine entsprechende Summe Geldes in Aussicht stellen können, wäre darüber zu reden.‘ Diese Bemerkung ließ einen Gesinnungswandel erkennen, da er noch 1905 gegen ein Gotteshaus in Gellenbeck gewesen war. Diese Meinungsänderung war sicherlich dadurch beeinflußt worden, weil das Generalvikariat gegen einen geplanten Kirchenneubau in Hagen eingestellt war. Für die über 5000 zählende Seelenzahl war die Kirche nämlich zu klein...Die übergroße Gemeinde erschien aber der Behörde für eine intensiv ausgerichtete seelsorgerliche Betreuung als wenig geeignet. Dieser Umstand sollte dem Gellenbecker Plan förderlich sein. Als Hauptlehrer W. zurückkehrte, fand er die Mitglieder des Schulvorstandes noch bei Herkenhoff anwesend. Sein Bericht über das Gespräch mit Pfarrer Tappehorn fand aufmerksame Zuhörer. Kolon Johannes Meyer to Bergte, Gellenbeck, stellte spontan einen Bauplatz zur Verfügung ... Kolon Witte-Tiemann in Natrup erklärte sich bereit, die notwendigen Steine aus seinem Steinbruch im Hohlen Berge unentgeltlich abzugeben. Eine sofortige Geldzeichnung ergab den Betrag von rund 2000 Mk. Mit diesen Unterlagen begab sich Hauptlehrer Wolf gegen Ende der gleichen Woche zum Generalvikar Harling in Osnabrück. Dieser sprach seine Freude darüber aus, daß die Angelegenheit von Gellenbeck aus angeregt würde, daß er in Hauptlehrer Wolf eine Person fände, mit der er weiterverhandeln könne, denn die kirchlichen Verhältnisse in der großen Pfarrgemeinde müßten anders geregelt werden. Generalvikar Harling verwarf dabei die Errichtung einer Kapelle und wünschte die Einrichtung einer Kuratiegemeinde ... Am Tage nach dieser Unterredung erstattete Hauptlehrer Wolf dem Pfarrer Tappehorn Bericht über die Verhandlungen mit dem Generalvikar. Pfarrer T. war überrascht und schien mit sich selber zu kämpfen; denn die Trennung von der Pfarrkirche in Hagen hatte er nicht erwartet. Nach geraumer Zeit sprach er darauf: ‚Herr Hauptlehrer, dann ist es Gottes Wille. Ich werde mit Ihnen arbeiten zur Ehre Gottes und spreche Ihnen zu Ihrem Erfolge meinen Glückwunsch aus.!‘“
Diesem Bericht können wir die wesentlichen Faktoren für die Gründung einer eigenständigen Kirchengemeinde in der Niedermark und Hinweise auf die Bedeutung der wichtigsten Beteiligten entnehmen:

1.  Die Bevölkerung der Niedermark war schon seit Anfang des 19. Jahrhunderts immer wieder bestrebt, einen eigenen Gottesdienstraum zu bekommen, um die z. T. langen Wege zur Kirche zu verkürzen. Das erklärt auch die spontane Spendenbereitschaft.

2.  Das Generalvikariat in Osnabrück trifft die eigentliche Entscheidung zwischen den beiden Alternativen – Neubau der St.- Martinus-Kirche und/oder Kapellenbau in Gellenbeck – zugunsten einer selbstständigen Kirchengemeinde in der Niedermark.

3.  Antonius Tappehorns „Gesinnungswechsel“ dürfte durch die seelsorgerlichen Vorstellungen des Bischofs beeinflusst worden sein. Wenn er sich bereit erklärt, am Aufbau einer neuen Kirchengemeinde und der Teilung seiner Pfarrgemeinde mitzuwirken, entscheidet er sich, und das ist eigentlich normal für einen katholischen Priester, für die Durchsetzung der Ziele seines Bischofs.

4.  Wilhelm Wolf ist, obwohl er erst drei Jahre in Gellenbeck wohnt, offensichtlich der unbestrittene Sprecher der Niedermärker und vielleicht wirklich der „Initiator einer neuen Kirchenbaubewegung“.

In einer öffentlichen Versammlung am Pfingstmontag 1909 stimmten alle Anwesenden dem Kirchbauprojekt zu und wählten ein provisorisches Komitee  aus angesehenen Bauern und Bürgern aus den drei Gemeinden, unter ihnen auch Wilhelm Wolf und Pfarrer Tappehorn. Zum 1. November wurde daraus eine in öffentlicher Wahl ordnungsgemäß gewählte Kommission, in der Wolf zum Vorsitzenden gewählt wurde. Mit viel Elan machte man sich an die Arbeit: Grundstücksverhandlungen, Gründung eines Sammelvereins, Verhandlungen mit dem Generalvikariat und dem Kirchenvorstand der Martinusgemeinde, Planungen mit dem Architekten ...

Auseinandersetzungen
Währenddessen entstand aber auch eine starke Opposition gegen das Kirchbauprojekt. Um die Kirche herum hatte sich seit dem Mittelalter das Kirchdorf mit seinen Geschäften entwickelt, während das übrige Kirchspiel keine geschlossene Bebauung sondern nur Einzelgehöfte aufwies. So war der Kirchbesuch immer auch verbunden mit Einkäufen in den Geschäften und Begegnungen in den Gaststätten. Man musste befürchten, dass sich bei einer neuen Kirche auch ein neues Dorfzentrum entwickeln würde, und dann die Kundschaft den Hagener Geschäftsleuten verlorengehen würde. Für die Wirtsleute war ein sofortiger Verlust abzusehen. So ist zu erklären, dass aus diesen Kreisen dem Kirchbauprojekt Widerstand entgegengesetzt wurde. Auch unter den Katholiken der Niedermark gab es Gegner, die durch den Kirchbau keine nennenswerte Verkürzung des Weges zu erwarten hatten und die hohen Kostenbelastungen fürchteten. So entbrannte im Kirchspiel ein heftiger Kampf, der mit den verschiedensten Mittel geführt wurde: Briefe an das Generalvikariat, Unterschriftensammlungen, Einflussnahme über die kirchlichen Gremien Kirchenvorstand und Gemeindeversammlung, um dadurch den Ablösungsvertrag zu verhindern, leidenschaftlicher Wahlkampf bei den Kirchenvorstandswahlen 1911. Aber neben diesen legitimen Mitteln gab es auch persönliche und anonyme Verunglimpfungen.

Und zwischen den Parteien stand Pfarrer Tappehorn, der dem Kirchenvorstand der Martinusgemeinde und der Gellenbecker Kommission (ab 1913 ebenfalls Kirchenvorstand) angehörte. Er fühlte sich seiner ganzen Gemeinde und dem Projekt der Gemeindeteilung verpflichtet, und das verlangte bei heftigem Widerstand einzelner einflussreicher Leute Unmögliches. Dass der Kirchenbau trotz allem zügig vollendet wurde (Baubeginn Juni 1913, Einweihung am 15.12.1915), ist auch seinem tatkräftigen Engagement zu verdanken. Andererseits konnte es nicht ausbleiben, dass er in den Auseinandersetzungen, die sich schließlich vor Gericht noch bis 1918 hinzogen, zerrieben wurde. Als die Kirche fast fertig war – die Glocke hat er noch am 3. Juli 1915 geweiht – verzichtete der inzwischen Sechzigjährige auf sein Amt. Im Schreiben vom 16. 8.1915 an seinen Bischof, das wohl im Generalvikariat in vorsichtiger Kanzleisprache verfasst wurde, heißt es nur: „Ex causis Vobis non ignotis neque a Vobis reprobatis libere ac sponte ... resigno ...“ (Aus Euch nicht unbekannten und von Euch nicht getadelten Gründen, frei und aus eigenem Antrieb verzichte ich ...  Übers. J.B.). Er verließ seine Gemeinde so schnell und unauffällig, dass nicht einmal die dankbaren Katholiken der Niedermark Gelegenheit hatten, ein Abschiedsgeschenk zu überreichen und „ihm nachträglich das Raffael’sche Bild ‚Disputa‘ großes Format nachgesandt“ haben, wie es in der Schulchronik heißt. In der Gellenbecker Kirche erinnert noch heut das von Franz Hecker gemalte große Altarbild an ihn, aber davon soll in einer der nächsten Ausgaben der „Hagener Nachrichten“ erzählt werden.

Antonius Tappehorn wurde vom Bischof als Pfarrer nach Beesten versetzt, wo er noch 20 Jahre tätig war. Die Anerkennung, die er sich dort erwarb, zeigt sich darin, dass er von 1921 bis 1926 Kamerar und von 1926 bis 1935 Dechant im Dekanat Freren war und 1930 mit der Ernennung zum Päpstlichen Geheimsekretär geehrt wurde. Erst 1935 im Alter von 80 Jahren ging er in den Ruhestand. Die letzten neun Jahre seines Lebens verbrachte er in Ohrbeck, wo er 1944 starb und auf dem dortigen Friedhof beerdigt wurde. Zwar lebte er zuletzt wieder in unmittelbarer Nähe seiner ersten Pfarrgemeinde, aber es wird erzählt, er habe nach dem 5. September 1915 nie wieder einen Fuß in diese Gemeinde gesetzt. Zumindest aber ist er zur Einweihung der Gellenbecker Kirche am 13. Dezember 1915 dabei gewesen. Die Schulchronik Gellenbeck nennt ihn bei den anwesenden Geistlichen.

Wilhelm Wolf war durch seine Verdienste um den Kirchbau zu einer großen Autorität in der Niedermark geworden. Neben seinen Verdiensten als Schulmann und als Kirchenvorstandsmitglied (bis 1929) muss man auch noch den Musiker nennen: 1911 gründete er den Männergesangverein „Cäcilia“ Gellenbeck, und seit der Einweihung der Kirche war er der erste Organist. Aber diese drei Felder seines Lebens und Wirkens lassen sich nicht voneinander trennen: Schule und Kirche gehörten für ihn untrennbar zusammen. Und sowohl die Schulkinder als auch der Männergesangverein bereicherten die Liturgie mit Chorgesang. Hochangesehen starb der seit längerer Zeit kränkelnde Rektor völlig überraschend am 22. Februar 1933 am Herzschlag. In der Schulchronik heißt es: „Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Todesnachricht durch das Dorf. In der Schule war große Bestürzung und Aufregung. Die Anteilnahme war überaus groß. An der Beerdigung nahmen etwa 1200 Menschen teil ... Die Leiche wurde von Lehrern des Kirchspiels Hagen in die Grube gesenkt. Am Grabe sang sein Kirchenchor, Gesangverein Cäcilia.“ Und in einem Artikel einer  Osnabrücker Zeitung, dessen Verfasser sicher in der Niedermark zu Hause war, wird sein Leben so gewürdigt: „Neben seiner erfolgreichen Schularbeit hatte der sehr Verehrte noch Kraft und Zeit, sich öffentlichen Interessen der Gemeinde zu widmen. Hier hat er hervorragende Leistungen vollbracht. Ohne Rektor Wolf wäre Gellenbeck noch keine Kirchengemeinde. Der großartige Kirchenbau ist in der Tat sein schönstes Denkmal geworden.“

 

 

 

Die letzte Ruhestätte von Wilhelm Wolf auf dem Gellenbecker Friedhof wurde vor einigen Jahren als Ehrengrab gewidmet

Antonius Tappehorn und Wilhelm Wolf haben durch ihren Einsatz als „Kirchengründer“ entscheidend dazu beigetragen, dass die Niedermark ihre eigene Identität weiterentwickelte. Und damit haben sie mit anderen zusammen die Weichen für eine Entwicklung gestellt, die dann 1969 zum Zusammenschluss von Gellenbeck, Natrup-Hagen und Sudenfeld zur Gemeinde Niedermark führte. Aber davon kann man auch nicht die Spannungen trennen, die vor allem seit dem Zusammenschluss der Gemeinden in Ober- und Niedermark zur Gemeinde Hagen a.T.W. im Jahre 1972 immer wieder aufbrechen. Solche Spannungen gab es aber auch schon im 19. Jahrhundert! Wie auch immer Menschen in Hagen, in Ober- und Niedermark zu Leben und Werk dieser beiden Männer stehen, unbestreitbar ist, dass sie wesentlich daran beteiligt waren, dass Hagen sich zu dem entwickelt hat, was es heute ist.

Anmerkung:
Dieser Beitrag ist neben vielen anderen in unserem Buch „Hagener Geschichten“ enthalten.