Bernhard Gewers

Bernhard Gewers

Johannes Brand
Am 18. Februar des Jahres 2012 verstarb kurz vor Vollendung seines 85. Lebensjahres der Bildhauer Bernhard Gewers. Seit 50 Jahren war er Bürger unserer Gemeinde und wie kein anderer Künstler hat er das öffentliche Bild unserer Gemeinde mitgeprägt. Das mag vielen Mitbürgern gar nicht bewusst sein und deswegen sollen in dieser Würdigung von Person und Werk vor allem seine Hagener Werke im Mittelpunkt stehen.
Bernhard Gewers wurde 1927 im münsterländischen Vreden geboren. Nach dem Abitur durchlief er zunächst eine Holz- und Steinbildhauerlehre, an die sich ein Studium an der Werkkunstschule Münster und an der Kunstakademie Stuttgart anschloss. Anschließend studierte er in Darmstadt Architektur. Während des Studiums legte er auch noch seine Meisterprüfung ab. So war er als Holz- und Steinbildhauermeister und Diplomingenieur bestens gerüstet für seine künstlerische Tätigkeit, die folgerichtig auch zum großen Teil mit der Gestaltung von Gebäudekomplexen und öffentlichen Plätzen zu tun hatte. Einen umfassenden Rückblick auf das Werk von Bernhard Gewers hat Werner Ueffing 1996 im Heimatjahrbuch Osnabrücker Land veröffentlicht. Dieser Aufsatz wurde auch jüngst in das Buch „Hagener Geschichten“ übernommen.

Bernhard Gewers (rechts) bei der Einsegnung des Muttergottes-Bildstocks zwischen Gellenbecker Friedhof und Stern am 26. März 2000 neben Pastor Wolfgang Langemann und Jürgen Leonhard (KuL)

 

Das Werk von Bernhard Gewers ist sehr vielfältig. So schuf er filigrane Brunnen, für deren Formen er sich von pflanzlichen Formen inspirieren ließ, aber auch großformatige Plastiken auf öffentlichen Plätzen mit einer stärker geometrischen Formensprache. Neben abstrakten Werken stehen fein naturalistisch herausgearbeitete Bewegungsstudien. Auch allegorisch oder symbolisch zu deutende Figuren gehörten zu seinem Repertoire. Die Ambivalenz von gegenständlichen und abstrakten Werken erklärte er im Vorwort seines Katalogs von 1992 so: „ Für die abstrakte Kunst engagierte ich mich sehr, aber es regten sich Zweifel an der Möglichkeit der gegenstandslosen Arbeitsweise, über viele wesentliche Äußerungen menschlichen Seins noch Aussagen machen zu können.“

Auffällig ist der große Anteil, den religiöse Werke an seinem Gesamtwerk haben. Er hat zahlreiche Werke zur Ausstattung von Kirchen geschaffen wie Portale, Altäre, Ambos, Tabernakel, Taufbrunnen. So gab er auch dem Innenraum der Hagener Martinuskirche ein Gesicht. Nicht in erster Linie kirchlichen Auftraggebern ist aber die Fülle von Werken mit religiöser Sprache zu verdanken, sondern vor allem seiner tiefreligiösen Grundhaltung. So finden sich schon früh in seinem Oeuvre Darstellungen von Engeln, Kalvarienbergen, Osterszenen oder der Muttergottes.
Der stets bescheidene Bernhard Gewers war immer sehr zurückhaltend, wenn es um die Interpretation seiner Werke ging. Aber in einem Gespräch mit Werner Ueffing sagte er einmal „Die heute gängige Beliebigkeit und Indifferenz der Aussage liegt mir nicht. Ich will keine Bilderrätsel schaffen, sondern Arbeiten, die vom Betrachter begriffen und nachvollzogen werden können und keiner Erklärung oder Gebrauchsanweisung bedürfen“. (Hagener Geschichten S. 245). Dennoch war er sich der Tiefe seiner künstlerischen Aussagen bewusst, wenn er im bereits erwähnten Vorwort schreibt: „Somit wird der Betrachter ... eine gewisse Vielschichtigkeit in meinem Werk bemerken – die aber – so hoffe ich, - nicht beliebig ist und auch nicht beliebig ausdeutbar.“
Nach der Heirat mit  Ilse Strauss im Jahre 1959  und der Geburt der Söhne, zog die junge Familie 1963 nach Hagen a.T.W. Am Borgberg richtete sich Bernhard Gewers nun ein Atelier ein, in dem er bis in sein hohes Alter hinein noch tätig war. Im Februar des Jahres 2012 ist er gestorben und wurde auf dem Gellenbecker Friedhof neben seiner 2010 verstorbenen Frau  beigesetzt.

 

Eine Weinranke mit zwei Tauben auf dem Grabstein von Ilse und Bernhard Gewers auf dem Gellen-becker Friedhof

Es ist natürlich naheliegend, dass sich gerade in Hagen, wo Bernhard Gewers fast 50 Jahre lang gelebt hat, besonders viele seiner Werke zu finden sind. Zwar zeigen sie nicht die ganze Breite seines künstlerischen Gesamtwerks, wohl aber eine große Vielfalt an Themen und Formen, vor allem auch mit religiöser und symbolischer Bedeutung. In zwei Rundgängen jeweils in der Niedermark und der Obermark sollen ausgehend von diesen Schwerpunkten die im öffentlichen Raum Hagens befindlichen Werke von Bernhard Gewers vorgestellt werden.

Auf den Spuren von Bernhard Gewers – ein Rundgang in der Niedermark
Beginnen wollen wir unseren Rundgang durch die Niedermark auf dem Gellenbecker Friedhof, auf dem und in dessen Umfeld wir eine ganze Reihe von Werken des Künstlers finden.


•    Friedhof: Grab Gewers
Wenn wir den Friedhof durch das alte Tor an der Natruper Straße betreten, dann finden wir gleich als erstes Grab auf der rechten Seite die Ruhestätte von Ilse und Bernhard Gewers. Auf einem nur leicht gemaserten weißen Marmorblock ist ein Weinstock aus Bronze aufgelegt. Die rechtwinkligen Ranken zeigen die immer wiederkehrende Neigung von Bernhard Gewers zu geometrischen Formen. In den Ranken tummeln sich zwei Tauben. Sie sind zu lesen als die Geschöpfe, die sich an der Schöpfung Gottes, für die der Weinstock steht, freuen. Auf einer anderen Deutungsebene verweist der Weinstock, wie auch in anderen Darstellungen die Ähren, für Bernhard Gewers auf die religiöse Dimension der Eucharistie.


•    Friedhof: Gedenkstein auf dem Grab Wolf
Nur wenige Schritte weiter findet sich das Grab von Wilhelm Wolf, das im Jahre 2000 zu einem Ehrengrab umgestaltet wurde. Die Inschrifttafel auf einer Sandsteinplatte wurde von Bernhard Gewers gestaltet. Neben eine Lyra und dem Turm der Gellenbecker Kirche  steht auf ihr der Text: WILHELM WOLF 1871 – 1933 REKTOR DER GELLENBECKER SCHULE MITBEGRÜNDER DES MGV CÄCILIA GELLENBECK MITINITIATOR DER GRÜNDUNG DER PFARRGEMEINDE MARIÄ HIMMELFAHRT GELLENBECK.


•    Friedhof: „Ostermorgen“
Betritt man den Friedhof durch den neuen Hauptzugang bei der Friedhofskapelle, so fällt der Blick auf ein in die Mauer neben dem Tor eingelassenes Relief mit dem Thema Ostermorgen. Rechts „verharren die Frauen voller Furcht und in gebührendem Abstand vor der überirdischen Erscheinung, die ihnen die trostvolle Botschaft von der Auferstehung verkündet“ (Ueffing, Hagener Geschichten S. 246). Der majestätisch thronende Engel wird von vier Flügeln gerahmt; in der Bibel sind vier Flügel den Cherubim zugeordnet (vgl. Ez 10.20f.)


•    Friedhof hinterer Zugang
Verlassen wir den Friedhof durch das hintere, zweiteilige Tor beim Haupteingang der Friedhofskapelle, so lohnt es sich, noch einmal umzuschauen. In die Pforte und das breite Tor sind fünf kreisrunde Medaillons eingelassen, die in symbolischer Bildsprache die christliche Auferstehungshoffnung thematisieren. Von links nach rechts sind zu sehen:
1.    Zwischen den Worten „Vater unser“ berühren sich die von oben kommende Hand Gottes und eine menschliche Hand.
2.    Die Hand Gottes verweist auf Weintraube und Obst als Symbole für Leben, aber auch Reife und Ernte.
3.    Die Taube mit dem Ölzweig geht zurück auf die Geschichte von der Arche Noah (Gen 8, 11) und wird seitdem verstanden als Symbol des Friedens, insbesondere der Versöhnung zwischen Gott und Menschen.
4.    Ähnlich wie auf dem Grabstein ist diese  Darstellung  als Aufforderung zu verstehen:  Freut euch an der Überfülle des gereiften Lebens.
5. Hängende, volle, reife Ähren sind vor allem auch auf Grabsteinen ein altes Symbol    für ein erfülltes Leben. Für Gewers verweist die Ähre aber auch auf den Bibelvers  „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht“ (Joh 12,24).



•    „Maria Mutter der Glaubenden“

An dem Weg vom Friedhof zum Wäldchen „Im Stern“ steht ein Bildstock, in den eine halbplastische Bronzefigur der Muttergottes eingefügt ist. Die in sich gekehrte Mutter hält das Jesuskind auf ihrem Schoß, das, eine Weltkugel in der linken Hand, aufgerichtet und  wach sich der Welt zuwendet. Der ausgestreckte rechte Arm bildet eine Gegenbewegung zum rechten Arm der Mutter. Der Bildstock wurde im Jahre 2000 vom Verein „Kultur und Leben“ (KuL) gestiftet.

 



•    Hofkreuz Meyer to Bergte

Am Sportplatz Im Stern vorbei führt uns der weitere Weg zum Hof Meyer to Bergte, wo an der Straße Zum Butterberg seit 2006 ein Hofkreuz von Bernhard Gewers steht. Der im Vergleich zu anderen Weg- und Hofkreuzen kleine Korpus schwebt vor dem Sandsteingabelkreuz. Die straffe Körperhaltung und der nach oben gerichtet Kopf zeigen laut Gewers „den nicht mehr im Tod befindlichen, sondern im Übergang zu Auferstehung begriffenen Jesus“ (Hagener Geschichten S. 192).

•    „Erntedank“

Auf dem sogenannten Dorfplatz schräg gegenüber der Gellenbecker Kirche an der Natruper Straße steht seit 1996 als Spende der Volksbank eine allegorische Frauenfigur, die Gewers „Schürzenbinderin“ oder „Erntedank“ nennt. Das Motiv der Schürzenbinderin hat der Künstler später noch häufiger aufgegriffen. Offensichtlich hat ihn die Bewegungsstudie gereizt, bei der der nach vorne sich neigende Oberkörper und die nach hinten schwingenden Arme eine spannungsreiche Gegenbewegung bilden. In der geöffneten Schürze werden die Früchte des Herbstes präsentiert. Sie erinnert an antike Darstellungen  des Füllhorns, ein mythologisches Symbol für Fruchtbarkeit, Reichtum und Überfluss.

 



•    „Hirte – Freund – Zeuge“
An der Görsmannstraße vor der Schule errichtete die Gemeinde Hagen 1990  zu Ehren des 1942 im KZ Dachau verstorbenen Pfarrers Gustav Görsmann ein Denkmal. Bernhard Gewers wählte als Material einen Granitfindling. Dieses Material lässt eine feine Modellierung nicht zu. „Der Bildhauer hat deshalb eine große elementare Komposition geschaffen, die durch Ihre Silhouette wirkt: Sie symbolisiert Vertrauen, Zuneigung und Nächstenliebe.“ (NOZ vom 17.09.1990) Die Inschrift fasst programmatisch das Leben Görsmanns zusammen: PASTOR GUSTAV GÖRSMANN HIRTE FREUND ZEUGE *29. SEPT. 1873 OSNABRÜCK †15. SEPT.1942 KZ DACHAU

•    „Drei Hände – Familie“ (1991)


Im Windfang des Bürgerhauses in Natrup-Hagen befindet sich ein Relief mit dem Titel „Familie“. Dazu schreibt Werner Ueffing: „Es sind lediglich drei Hände dargestellt. Eine kleine nach oben gestreckte, offene Kinderhand wird von zwei elterlichen Händen gehalten und beschützt. Durch die Reduzierung des Bildthemas einzig und allein auf die Sprache der drei Hände bekommt das Relief vermehrt Symbolcharakter und dadurch nachhaltige Aussagekraft.“ (Hagener Geschichten S. 250)

•     „Vier Hände – Frieden und Toleranz“

Hände sind auch das Symbol auf unserer letzten Station des Rundgangs in der Niedermark: Auf dem Gelände der Niedermark-Apotheke steht seit dem Jahr 2002 eine ebenfalls vom Verein KuL gestiftete Skulptur zum Thema „Frieden und Toleranz“. In einem quadratischen Sandsteinrahmen gehen aus vier Richtungen Hände aufeinander zu und werben so für Verständnis und Ausgleich zwischen den verschiedenen Menschen, Gruppen und Völkern.


Auf den Spuren von Bernhard Gewers – ein Rundgang in der Obermark
So wie in der Niedermark der Friedhof ist in der Obermark der Bereich um alte und neue Martinuskirche ein Schwerpunkt mit Werken von Bernhard Gewers. Beginnen wir unseren Rundgang also in der neuen Martinuskirche.


•    Liturgische Orte in der Martinuskirche (Altäre, Ambo, Tabernakel, Taufstein)
Die ersten Hagener Arbeiten von Gewers sind Altäre, Ambo, Taufstein und Tabernakelstele in der 1973 eingeweihten neuen Martinuskirche. Als Material benutzte er einen sehr hellen Euville-Kalkstein, der aus dem Pariser Becken stammt. Nach eigenen Worten hat Gewers hier die geometrische Grundform des Kirchenraumes, „ein gedrungenes zweifach schräg geschnittenes sechskantiges Prisma“ aufgegriffen und kommt so zu Formen, „die an die Welt der Kristalle erinnern“ (St. Martinus Hagen a.T.W., 1973, S. 22). Vor allem beim Ambo und am Altar kann man daraus aber auch stilisierte Falten eines Tischtuches lesen. All das aber war nicht Gewers‘ eigentliche Absicht, ihm ging es ausschließlich darum „den Ort, an dem wir mit dem Übernatürlichen in Berührung kommen, würdig zu gestalten“. So erwähnte er auch gegenüber Pastor Josef Ahrens, „wie ihm in der Gestaltung unseres Kirchenraumes die Bewegungen zwischen Himmel und Erde wichtig gewesen seien. Kirche sei für ihn ein Raum der Begegnung von Erde und Himmel. Wir werden mit der Kunst von Bernhard Gewers über uns hinaus verwiesen.“ (Pfarrbrief/Pfarrspiegel vom 19.02.2012). Darauf verweisen auch die Hinweise im „Werkbericht 1960-2010“: Die „größer und kleiner werden Lisenen sollen das Aufsteigen versinnbildlichen“; die Gestaltung der Aluminium-Tabernakeltür wird als „Kraftstrahlen zwischen Himmel und Erde“ gedeutet.


•    Das Altarkreuz in der Martinuskirche

Es ist reizvoll das Kreuz an der Chorwand der Martinuskirche mit dem Hofkreuz Meyer to Bergte zu vergleichen. Der Körper dieser Aluminiumplastik ist stärker abstrahiert, weniger naturalistisch als der in Gellenbeck. Der entscheidende Unterschied liegt aber in Haltung und Ausdruck des Kopfes: Er ist stärker zur Seite geneigt und nach rechts gedreht, zudem von den langen Haaren wie von einem Kopftuch umhüllt. So erhält das Gesicht den Ausdruck eines Schlafenden, noch im Tod befindlichen. Allein die waagerecht ausgestreckten Arme zeigen ihn als Lebendigen, sie scheinen die ganze Welt umarmen zu wollen.

Foto R. Wöhrmann

•    Zwei Madonnen: Im Treffpunkt und im Sankt-Anna-Stift

Im Treffpunkt unter der Martinuskirche begrüßt die Besucher ein Aluminium-Relief mit der Darstellung einer Madonna. Auf dem Regenbogen thronend hält sie mit beiden Händen ihr Kind und präsentiert dies dem Betrachter. Dieses, eher einem verkleinerten Erwachsenen als einem Kleinkind ähnelnd, blickt wie das Kind der Gellenbecker Madonna aufrecht und wach in die Welt, wobei es sich aber mit seiner rechten Hand an den Haaren seiner Mutter festhält. Auch hier sind die Arme der beiden Personen in auffälliger Weise streng geometrisch geformt und zugeordnet. – Die andere Muttergottes im Sankt-Anna-Stift entspricht ganz der Gellenbecker Madonna.

•    Bronzewappen am Rathaus
Gehen wir nun hinüber zum Kirchhof der ehemaligen Martinuskirche. Nach Umbau und Erweiterung des Rathauses 1995 wurde über dem neuen Südeingang ein Hagener Wappen aus Bronze angebracht. Für Bernhard Gewers war das allerdings eher eine handwerkliche Arbeit.


•    Gedenkstein auf dem ehemaligen Friedhof bei der alten Kirche
Jahrhundertelang wurden auf dem Kirchhof bei der Ehemaligen Kirche die Hagener Verstorbenen beerdigt. „Um dem ehemaligen Friedhof ein Stück seiner Würde zu erhalten, wurde auf Anregung des Heimatvereins und auch mit dessen Kostenbeteiligung von der Gemeinde Hagen der Erinnerungsstein errichtet.“ (Hagener Marktbote vom 11.09.2001) Bernhard Gewers gestaltete die kunstvolle Inschrift: „ZUR ERINNERUNG AN DIE VERSTORBENEN DIE AUF DIESEM ALTEN KIRCHHOF BIS ENDE DES 19. JHDTS. BEERDIGT WURDEN“. Den unteren Abschluss der Inschrift bildet eine Taube mit Ölzweig, ein Symbol, das wir bereits vom Gellenbecker Friedhof kennen.

•    Martinusskulptur an der Ostseite der Ehemaligen Kirche

Gehen wir weiter zur Dorfstraße, so finden wir dort an der Ostwand der Ehemaligen Kirche in einer Nische eine 2,90 Meter hohe Plastik aus weißem Marmor, die Bernhard Gewers 1989 geschaffen hat.                                                                                      
Sie stellt die bekannte Mantelteilungsszene aus der Legende von Martinus, dem Patron der Kirchengemeinde Hagen, dar. Herabgestiegen vom hohen Ross beugt sich Martin in einer liebevollen Geste hinunter zum Bettler. Einzig auf diese Zuwendung kam es dem Künstler an. Die Gleichwertigkeit der beiden Personen drückt sich auch im Verzicht auf eine Rüstung bei dem römischen Offizier und in der Ähnlichkeit der fein modellierten Gesichter aus. Und Pastor Ahrens deutet dieses Bild auch auf den verstorbenen Bernhard Gewers hin: „Ihm begegnet Christus nicht auf einem ‚hohen Ross‘, sondern liebevoll in Augenhöhe. Diesen Glauben hat mir Bernhard Gewers mit seiner einmaligen Martinusdarstellung an der Außenwand der Ehemaligen Kirche geschenkt.“ (Pfarrbrief/Pfarrspiegel vom 19.02.2012)

•    Die „Kirschenesserin“
1991 errichtete die Volksbank bei ihrem neuen Gebäude an der Schulstraße eine Bronzefigur von Bernhard Gewers mit einem Urhagener Thema. Besonders beachtenswert ist, wie kunstvoll der Künstler die verschiedenen Körperbewegungen des Mädchens festgehalten hat. Werner Ueffing beschreibt das so: „ Es ist der Augenblick dargestellt, wo das Mädchen sich streckt, um von einem gerade noch erreichbaren Ast einen Kirschzweig zu zupfen. In einer vertikalen Drehbewegung schwingt der jugendliche Körper leicht nach links. Gleichzeitig kommt es durch die standbeinbedingte Beckenverlagerung und den hochgereckten linken Oberarm zu einer Abknickung des Rumpfes nach rechts. Die Wendung des Kopfes nach oben sorgt noch für eine dritte Bewegungskomponente, die Überstreckung des Oberkörpers nach hinten. Aus diesen Richtungskontrasten heraus ist eine spannungsreiche, reizvolle Figur entstanden.“ (Hagener Geschichten S. 250)

•    Kreuzgruppe auf dem Waldfriedhof 1984


Wir gehen nun die Straße Zum Jägerberg hinauf zum neuen Waldfriedhof auf dem alten Schultenhof. Hier errichtete Bernhard Gewers 1984 das zentrale Großkreuz, das zu jedem Friedhof in christlichem Umfeld zu finden ist. „Monumentalität geht von der Kreuzesgruppe … aus. Sie wurde in Bentheimer Sandstein ausgeführt. Ein schlichtes, 4,50 m hohes Kreuz ragt in den Himmel. In seinem Schutze, eng umstellt, drei wesentlich kleinere und unterschiedlich hohe Kreuze, Symbole der Gemeinde Christi. Die gelungenen Proportionen der einzelnen Kreuze, ihre geschickte Zuordnung und die grobe Bossierung der Gesteinsflächen verleihen dem Ensemble einen zeitlosen archaischen Charakter.“ (Werner Ueffing, Hagener Geschichten S. 246 f.)

Für wertvolle Hinweise dankt der Autor den Herren Pfarrer Bernhard Gewers, Johannes Frankenberg und Jürgen Leonhard.
Anmerkung: Die ebenfalls ins Internet eingestellten Aufsätze
Der Friedhof von Gellenbeck + Das Kreuz am Hof Meyer to Bergte + Antonius Tappehorn und Wilhelm Wolf + Gustav Görsmann
enthalten weitere Aufnahmen von Arbeiten des Künstlers.