Die Künstlerfamilie Röhrig

Die Künstlerfamilie Röhrig

Helmut Tecklenburg

In „Nachrichten aktuell  Hagen a.T.W." wurde mitgeteilt, dass die Gemeinde Hagen a.T.W. beabsichtigt, eine Fotosammlung von den Bildern der Kunstmaler Röhrig anzulegen, weil diese Bilder nicht nur einen künstlerischen, sondern auch einen zeitgeschichtlichen Wert haben. Viele Hagener Familien, die im Besitz von Röhrig-Bildern sind, haben sich bereit erklärt, diese Bilder fotografieren zu lassen. Das ist ein Zeichen dafür, dass die „Hagener Nachrichten" als interessant emp¬funden und gelesen werden.

Inzwischen sind über 40 Ölgemälde für die Dokumentation erfasst. Bei diesen Ölgemälden handelt es sich um Landschaftsbilder aus der Niedermark, aus dem Teufelsmoor und der Nordheide, aus Bayern und dem Schwarzwald, es handelt sich um Architekturbilder, um Por¬träts und Blumenbilder, die in der Zeit von 1910 bis 1970 entstanden sind. Die Künstler versuchten mit naturgetreuen Darstellungsformen die gegebenen Vorbilder so getreu wie möglich abzubilden.

Der Kunstmaler Carl Röhrig (geb. 1864, gest. 1956) stammte aus Koblenz am Rhein. Nach seinem Studium ging er um 1900 als Kunst- und Kirchenmaler nach Osnabrück. Wiederholt war er im Dom und in anderen Kirchen des Osnabrücker Raumes tätig. Im Ersten Weltkrieg kam er als Kunstmaler an das Osnabrücker Stadttheater und war dort bis zur Zerstörung des Theaters im Jahre 1944 beschäftigt.

Vier Söhne waren ebenfalls Kunstmaler. Die Söhne Franz und Peter arbeite¬ten am Stadttheater. Peter Röhrig wurde im Zweiten Weltkrieg Soldat und gilt seit 1943 in Stalingrad als vermisst. Carl Röhrig (jun.) war als Theatermaler in Lübeck. Der jüngste Sohn Hermann blieb nach seinem Studium an der Kunstakademie in München als Kunstmaler und Bildhauer. Er hat viele Al¬penbilder, Brunnen und Skulpturen geschaffen.

Zur Niedermark hatte Carl Röhrig besondere Beziehungen. Sein Sohn Franz hatte in Gellenbeck eine Familie gegründet und ein Haus mit Atelier an der Natruper Straße gebaut. Er hat als Kunstmaler das Werk seines Vater bis zu seinem Tod im Jahre 1970 erfolgreich fortgesetzt.

Der Kunstmaler Carl Röhrig (junior) war als Kunstmaler am Stadttheater in Lübeck tätig. Von seinem Vater und seinen Brüdern Franz und Peter bekam er oft Besuch. Gemeinsam fuhren sie dann an der Lübecker Bucht und in den malerischen Fischerort Gotmund an der Trave mit seinen reetgedeckten Häusern und seinen Fischkuttern.

In der beschaulichen Ruhe dieses Ortes fanden sie Motive, die sie in ihren Ölgemälden festhielten.
Von Hermann Röhrig, dem jüngsten Spross der Künstlerfamilie, der nach dem Studium an der Kunstakademie in München als freischaf¬fender Kunstmaler und Bildhauer in Bayern lebte, wurden die Osna¬brücker Carl, Franz und Peter öfter nach Bayern eingeladen. Auf ihren Fahrten und Wanderungen in das oberbayerische Alpengebiet und auch in den Schwarzwald lernten sie viele Naturschönheiten und prächtige Naturdenkmäler kennen. Viele Motive von stillen Bergseen, hohen Berggipfeln, Dorfansichten, Kirchen und alten Bürgerhäusern hielten sie in ihren Skizzenbüchern fest. Im häuslichen Atelier ent¬standen dann nach diesen Skizzen auf der Leinwand prächtige Ölgemälde, die man heute noch in einigen Wohnstuben bewundern kann.

Hof Meyer zu Gellenbeck



Natruper Mühle


Abschließend sei hier noch erwähnt, dass Franz Röhrig in Gellenbeck nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu seinem Tode im Jahre 1970 für das Karus¬sellunternehmen Telsemeyer die großen Bilder an der oberen Außen¬verkleidung des Karussells gemalt hat. Auch die „temperamentvol¬len" Karussellpferde, an die sich ältere Leser noch gern erinnern, er¬hielten ihre ausdrucksstarke Bemalung von Franz Röhrig.

Anmerkung:
Dieser Beitrag ist neben vielen anderen in unserem Buch „Hagener Geschichten“ enthalten.