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Wilhelm-Wolf-Straße

Vorkämpfer für eine eigenständige (Kirchen-)Gemeinde
Wilhelm-Wolf-Straße ehrt verdienten Gellenbecker Lehrer
Eine Straße im Neubaugebiet östlich der Görsmannstraße trägt den Namen Wilhelm Wolf. 1906 kam er mit 35 Jahren als sogenannter „Erster“ Lehrer nach Gellenbeck. In seiner Schule wurden damals 230 Schüler von drei Lehrern unterrichtet. Bereits nach drei Jahren hatte er sich in der Niedermark einen ausgezeichneten Ruf erworben. Besonders seine Einstellung, dass Schule und Kirche eine Einheit sein sollten, imponierte den Gellenbeckern. In kurzer Zeit wurde er zum Sprecher seiner Gemeinde, wurde in den Schulvorstand gewählt und forcierte die Gründung einer eigenständigen, von der Obermark unabhängigen Kirchengemeinde. Wohlwissend dass vor allem die Obermärker gegen eine „Abspaltung“ Sturm laufen würden.     
Neutralisierten sich anfangs Befürworter und Gegner eines Kirchneubaus auf Gellenbecker Boden, sorgte Wilhelm Wolf bald für Bewegung in dieser heiklen Angelegenheit. Der Hagener Pfarrer Antonius Tappehorn, 1909  von Wolf auf die Gellenbecker Kirchbaupläne angesprochen, hatte offensichtlich seinen anfänglichen Widerstand aufgegeben. „Wenn Sie ...einen Platz und eine entsprechende Summe Geldes in Aussicht stellen können, wäre darüber zu reden“, soll er laut den Recherchen von Johannes Brand vom Hagener Heimatverein geantwortet haben. Diese unter Umständen unbedachte Äußerung stimulierte die Gellenecker: Ein Landwirt stellte einen Bauplatz zur Verfügung, ein anderer verpflichtete sich, für die nötigen Steine zu sorgen. Als Startkapital konnten 2000 Mark gesammelt werden.
Wenige Tage später begab sich Wolf mit allen Unterlagen zum Generalvikariat nach Osnabrück. Dort erhielt er grünes Licht für den Bau einer Kirche. Damit verbunden war gleichzeitig die Gründung einer eigenen Kirchengemeinde. Engagiert wurden in der Folgezeit Grundstücksverhandlungen geführt, ein Sammelverein gegründet, Verhandlungen mit dem Hagener Kirchevorstand zum Abschluss gebracht und die Baupläne des Architekten diskutiert.
Bereits 1915 konnte die neue Kirche eingeweiht werden. Dieser Erfolg war in den Augen der Gellenbecker zum nicht geringen Teil Wilhelm Wolf zu verdanken. In der Folgezeit konnte er sich verstärkt anderen Dingen zuwenden, die ihm gleichfalls viel bedeuteten: Er gründete den Männergesangverein „Cäcilia“ und prägte als Mitglied des Kirchenvorstandes das Gesicht der jungen Gemeinde.
1933 erlag er überraschend einem Herzschlag. In der Schulchronik wurde festgehalten: „Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Todesnachricht durch das Dorf. In der Schule waren Bestürzung und Aufregung. An der Beerdigung nahmen etwa 1200 Menschen teil.“ In einem Nachruf war zu lesen: „Besonders trauert die Gemeinde Gellenbeck, deren Interessen er als Gemeindevertreter ein warmherziger Förderer war.“

Werner Barthel

Mühlenweg

Sie brachte Hagen den ersten Strom

Nur die Bezeichnung „Mühlenweg“ erinnert an eine Mühle fast im Zentrum Hagens

bar Hagen Dass Hagen vom 18. bis Mitte des 20. Jahrhunderts die meisten Mühlen im weiten Umkreis besaß, ist unbestritten. Zwischen 1920 und 1930 klapperten sogar zehn Mühlen gleichzeitig, neun davon waren Wasser getrieben. Der „Mühlenweg“, die Parallelstraße zur Osnabrücker Straße, erinnert an eine Mühle, die hier im erweiterten Zentrum Hagens lag.

Es war eine Mühle, für die ein Sonderstatus  beansprucht werden kann: Sie war keine  Naturkraftmühle, die mit Wasser betrieben wurde, sondern eine Handelsmühle mit einem 25 PS starken Kohle befeuerten Sauggasmotor. Hierher kamen die Landwirte aus der näheren Umgebung, um ihr Getreide mahlen zu lassen.

Maurermeister Georg Schönhoff ließ sie 1909 errichten. Die Mühle und das dahinter liegende Wohnhaus wurden aus dem grauen Hüttenstein gebaut. Die Jahreszahl ihrer Betriebnahme hat für Hagen besondere Bedeutung: Die Mühle schrotete und mahlte nicht nur, sie produzierte auch ab September 1909 den ersten Strom- eine Revolution für Hagen. Um die Mühle kümmerte sich zunächst Müller Potthoff, da der Besitzer der Mühle wegen Asthmas fernbleiben musste.

37 Jahre später pachtete sie der Müller Adolf Wiemann aus Oesede. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging sie in seinen Besitz über. Als die Landwirte um 1950 über eigene Diesel- und Elektromotoren verfügten, um ihr Futtergetreide selbst zu schroten, blieb nicht nur in Wiemanns Mühle allmählich die Kundschaft aus. Sie teilte das Schicksal fast aller Hagener Mühlen: Eine nach der anderen stellte den Betrieb ein. 1950 war dann ein absoluter Tiefpunkt erreicht: Nur noch die Natruper Mühle wurde zum gelegentlichen Schroten von Futtergetreide in Stand gehalten.

Als die Mühle am „Mühlenweg“ nicht mehr rentabel war, spezialisierte sich Adolf Wiemann auf Landhandel. Das alte Mühlengebäude diente fortan nur noch als Lagerraum für die angelieferten Waren. Da die Qualität der 1909 verwendeten Hüttensteine zu wünschen übrig ließ, verfiel das Mauerwerk der Mühle allmählich. 2006 wurde es deswegen abgerissen. An dieser Stelle wurden mehrere Garagen erbaut.

Geblieben ist nur die Straßenbezeichnung, die an eine einst stolze Mühle erinnert. Geblieben ist aber auch der schmale Durchgang zur Osnabrücker Straße, der im Volksmund als „Müölenpatt“ bezeichnet wird.

Werner Barthel

Görsmannstraße

Ein geschichtsträchtiger Name

Die Straße, die nach ihm benannt wurde, ging Pfarrer Gustav Görsmann 26 Jahre lang fast jeden Wochentag von der Kirche, wo sie beginnt, bis zur 400 Meter entfernten Schule zum Religionsunterricht. Die Gellenbecker halten ihn aus zwei Gründen bis heute in hohen Ehren: Gustav Görsmann war der erste Geistliche in der Niedermark. Er lebte zudem seinen Glauben bis zum Tod durch die Nationalsozialisten

Es war ein Zusammentreffen der besonderen Art: Als Gellenbecks Kirche St. Marien 1915 feierlich durch Bischof Wilhelm Berning eingeweiht wurde, führte er gleichzeitig Gustav Görsmann als ersten Pastor der neuen Kirchengemeinde ein. Damals war der gebürtige Osnabrücker 42 Jahre alt. Im selben Jahr hat er sich bereits mit dem Weg zur Schule vertraut gemacht.

Dies war allerdings eine der leichteren Aufgaben, die ihn fortan in der jungen Gemeinde erwarteten. Bis 1915 war die Niedermark von den Hagener Geistlichen betreut worden. Jetzt lag die Verantwortung allein auf seinen Schultern. Gottesdienste vorbereiten und halten, Kranke besuchen, Trauungen und Beerdigungen, Gründung und Betreuung kirchlicher Vereine, da war der Gang auf der lange Zeit „Allee“ genannten Straße zur Schule wahrscheinlich die reine Erholung.

Hinzu kam, dass das Gotteshaus innen noch reichlich kahl und nüchtern wirkte: Es fehlten große Teile der Innenausstattung. Hier brachte Pastor Görsmann seine Ideen ein und ging anschließend mit gutem Beispiel voran: Das Gewölbe beim Nordeingang gestaltete er selbst mit Farbtopf und Pinsel. Johannes Brand vom Hagener Heimatverein nennt in seiner Biografie weitere Details: „Auch auf die Gestaltung von Hochaltar, Kanzel, Kreuzweg und die Verglasung der Fenster nahm er erheblichen Einfluss.“

Den Nationalsozialisten war er von Anfang an ein Dorn im Auge, ein Störenfried, der aufrecht seinen Weg ging und auch dann seine Meinung sagte, wenn er damit anecken konnte. Bespitzelt wurde er von Anfang an, so dass es nur eine Frage der Zeit war, wann es zur Konfrontation mit den Vertretern des Regimes kommen würde. Sein vorurteilsfreier Umgang mit den französischen Kriegsgefangenen wurde ihm schließlich zum Verhängnis. Wo immer er sie traf, unterhielt er sich in ihrer Muttersprache mit ihnen. Kein Wunder, dass dieses Verhalten Wachpersonal und örtlichen Parteigrößen missfiel. Das Fass zum Überlaufen brachte schließlich ein Gottesdienst, den er mit den Kriegsgefangenen hielt, bevor dieser überhaupt genehmigt war.

Vier Wochen Gefängnis lautete der Schuldspruch. Fortan blieb er im Focus der Behörden, argwöhnisch wurde nicht nur jede seiner Predigten verfolgt, auch sein Umgang mit seinen Gemeindemitgliedern stand auf dem Prüfstand. 1942 wurde er erneut verhaftet und als Gefahr für die Allgemeinheit in „Schutzhaft“ genommen. Zunächst wurde Pfarrer Görsmann bei Aufräumarbeiten auf Trümmergrundstücken in Osnabrück eingesetzt, bis er schließlich im selben Jahr ins Konzentrationslager Dachau verschleppt wurde. Hier starb er nach einjähriger Leidenszeit an Unterernährung. Johannes Brand: „Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde die Urne mit seiner Asche auf dem Gellenbecker Friedhof beigesetzt.“

Werner Barthel

Konrad-Hinze-Straße

Er nahm kein Blatt vor den Mund
Eine Straße in Hagen erinnert an Konrad Hinze
Sein Engagement für Flüchtlinge und Vertriebene sowie die Sorge um den Fortbestand der eigenständigen evangelischen Konfessionsschule prägten das Leben Konrad Hinzes. Nach ihm ist eine Straße in dem Neubaugebiet westlich des Hagener Freibades benannt.  
Konrad Hinze, 1901 in Schlesien geboren, kam drei Jahre nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs als Lehrer an die gerade gegründete evangelische Volksschule. Die Kinder von Flüchtlinge und Vertriebenen, die in der Kirschgemeinde eine neue Heimat suchten, hatten diese notwendig gemacht. Konrad Hinze war sich bald bewusst, dass sie im katholischen Hagen anfangs nicht geliebt, allenfalls geduldet war. So machte er sich Zeit seines Lebens stark für Respektierung und Gleichstellung „seiner“ Schule wie auch der evangelischen Minderheit im Ort.
Einen ersten kleinen Achtungserfolg durfte er bereits  kurz nach Amtsantritt verbuchen: Eine gelungene Weihnachtsfeier fand einmal Berücksichtigung in der lokalen Presse. Zum anderen durfte er den Bürgermeister, die Geistlichen beider Konfessionen und Vertreter der katholischen Schule bei der Feier begrüßen, was kurz nach dem Krieg nicht selbstverständlich war. Auch die lobenden Worte der Gäste signalisierten, das ein Schritt hin zu mehr Annäherung getan war.
Dass es trotz des verheißungsvollen Auftakts ein langer Weg bis zur  vollständigen Anerkennung von Schule und Konfession werden sollte, hat Johannes Brand vom Hagener Heimatverein aufgezeigt: Als Lehrermangel die Schulbehörde zwang, eine katholische Lehrerin zeitweise an die evangelische Schule abzuordnen, das erste und zweite Schuljahr der evangelischen Kinder überdies in der katholischen Schule untergebracht wurde, führte das zu Unmut und lautstarken Protesten in der Öffentlichkeit. Man verlangte „die konsequente Einhaltung der evangelischen Bekenntnisschule“. Nur die Besonnenheit einzelner und Hinzes kluge Zurückhaltung verhinderten „einen Kulturkampf“.
Als sich die Wogen geglättet hatten, prangerte Hinze die immer noch bestehende Benachteiligung seiner Schule an. Seine Schüler nutzten zwar Räume in der katholischen Schule, trieben Sport in deren Turnhalle und durften auch die dortigen Lehr- und Lernmittel einsetzen, erhielten andererseits keinerlei Zuschuss für eigene Anschaffungen. Vor dem Schulausschuss fand er deutliche Worte: „Nennen Sie mir eine katholische Schule im ganzen Regierungsbezirk, die vier Jahre besteht und kein eigenes Inventar besitzt! Darum auch hier: Gleiches Recht für alle!“
Alles in allem muss er ein mutiger und geschickter Verfechter seiner Interessen gewesen sein: Er wurde nicht nur als Sprecher der Flüchtlinge gesehen, sondern erwarb sich auch Autorität in der Gemeinde. So trug man ihm wie selbstverständlich an, die Ansprache bei der Einweihung des Ehrenmals für die Gefallenen zu halten. Bei dem 1955 gedrehten Heimatfilm sieht man ihn im Gespräch mit Geistlichen und Ortspolitikern.  Obwohl Hinze seine neue Heimat erst mit 47 Jahren kennen und lieben gelernt hat, hinderte ihn das nicht, Hagener Heimatforschung  zu betreiben. Er starb nach langer schwerer Krankheit mit fast 80 Jahren.

Werner Barthel

An der Dallmühle

Im 14. Jahrhundert erstmals erwähnt
Ihren heutigen Namen erhielt die „Dallmühle“ erst 1925
Erst vor wenigen Jahren erhielt die kleine Straße in unmittelbarer Nähe zur Mühle ihren Namen: „An der Dallmühle“. Ein kleines Neubaugebiet zwischen Mühlenteich und Mühle mit wenigen Häusern hatten eine entsprechende Zuführung nötig gemacht und für eine Anbindung an die Bergstraße gesorgt.
Die Dallmühle ist die von insgesamt vier Hagener Mühlen die zweitälteste. Sie wird im Jahr 1341 erstmals als Niemanns Mühle beziehungsweise als  „Nyermolen“ urkundlich erwähnt. Da sie ausgesprochen günstig zwischen dem Dorf Hagen und der Siedlung Beckerode am Borgberg liegt, hatte sie von Beginn an wesentlich mehr Zulauf als zum Beispiel die Gellenbecker Mühle. Dank ihrer Auslastung wurde die Hagener Einrichtung von Anfang an von einer Müllerfamilie betrieben, die übrigens bereits ab dem 16. Jahrhundert den Namen ihres Gewerbes angenommen hatten. Sonst war es üblich, dass der Besitzer einen Knecht mit den anfallenden Arbeiten beauftragte.
Mehrere Funktionen erfüllte die Dallmühle von Anfang an: Hier ließen die Landwirte ihr Getreide mahlen, außerdem nutzte man sie als „Bokemühle“, in der Hanf zerstoßen wurde. Damit entfiel die zeitraubende und kräftezehrende Verarbeitung mit der Hand. Danach konnte aus dem Flachsextrakt Leinen gewonnen werden. Das war eine ganz wichtige Errungenschaft, zählte die Leinenweberei in der Zeit vom 16. bis 19. Jahrhundert doch zu den Haupterwerbszweigen im Osnabrücker Land. 1862 zum Beispiel klapperten noch 317 Webstühle im Kirchspiel Hagen.
Waren in den ersten Jahrhunderten zumeist Adelige im Besitz der Dallmühle, kam sie erst spät in Privatbesitz: Der Hagener Kaufmann Frommeyer erwarb sie 1917 für 65.000 Mark. Acht Jahre später überließ Frommeyer die Mühle seinem Schwiegersohn Theo Dallmüller. Unter dessen Leitung wurden wesentliche Neuerungen eingeführt: Die alte Bokemühle, die bis in den Ersten Weltkrieg in Betrieb war, wurde abgerissen. Auf dem freigewordenen Raum installierte Theo Dallmüller ein Sägewerk. Außerdem erhielt das Hauptgebäude einen Anbau. Das 4,50 Meter hohe und 1,50 breite hölzerne Mühlenrad wurde ab 1939 durch eine Turbine ersetzt. Doch mangels ausreichender Nachfrage stellte Theo Dallmöller junior den Betrieb der Mühle in den 70er Jahren ein.
Mühlengebäude mitsamt Turbinenhäuschen, Mühlenteich und Stauwehr gibt es nicht zuletzt dank einiger Finanzspritzen durch die Gemeinde bis auf den heutigen Tag. Von Zeit zu Zeit sieht man auch Mitglieder des Hagener Mühlenvereins das Sägewerk nutzen.

Werner Barthel

Schopmeyerstraße

Visionär und Verfechter christlicher Ideale
„Schopmeyerstraße“ ehrt verdienten Hagener
An seinem 30. Todestag erfuhr der gebürtige Hagener Bernhard Schopmeyer eine besondere Ehrung: In einer Feierstunde mit 300 Teilnehmern im Schulzentrum wurde die Sandstraße  ab der Kreuzung  Zum Jägerberg in Schopmeyerstraße umbenannt. Obwohl sie heute als Sackgasse endet, kennt sie jeder Hagener. Führt sie doch zu zwei markanten Orten: dem Friedhof und der Oberschule.
Im Jahr der Jahrhundertwende geboren, war dem engagierten Streiter für die Belange der Arbeiter und politischem Vordenker nur ein kurzes Leben gegönnt: Unbekannte erschossen ihn kurz nach Kriegsende.
Nicht lange hielt es den Zimmermann im erlernten Beruf. Die Epoche der politischen Verunsicherung und wirtschaftlichen Not nach dem Ersten Weltkrieg empfand Schopmeyer als Herausforderung, sich zu engagieren. Richtschnur für seine religiöse, soziale und politische Betätigung wurden die Prinzipien des 1910 gegründeten katholischen Arbeitervereins. Der hatte sich unter anderem „Belehrung der Mitglieder über ihre staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten“ sowie „Schutz und Förderung der wirtschaftlichen Interessen der Arbeiter“ auf seine Fahnen geschrieben. Bereits mit 23 Jahren gehörte er dem vom Vater geleiteten Verein als Schriftführer an.
1926 wurde er Arbeitersekretär im Bistum Osnabrück. Fortan warteteb auf ihn ungewohnte Aufgaben: Er hielt Vorträge zu politischen und sozialen Themen, musste Fortbildungsmaßnahmen organisieren und durchführen und zudem Präsens im sogenannten Volksbüro zeigen, wo Rat, Auskunft und Hilfe gesucht wurden. Sein nimmermüdes Engagement fand öffentliche Anerkennung: Mit 28 Jahren gehörte er bereits dem Osnabrücker Magistrat an. Es folgte die Berufung  als Abgeordneter in den Provinziallandtag in Hannover. Allein die Machtergreifung Hitlers verhinderte die Aufnahme in den Preußischen Landtag als Zentrumsabgeordneter.
Das „neue Zeitalter“ brachte einschneidende Veränderungen für Bernhard Schopmeyer: Alle seine politischen Ämter wurden ihm genommen, die Arbeit im Volksbüro verboten. Sein neues Betätigungsfeld fand er in der Männerseelsorge des Bistums Osnabrück, dessen Diözesansekretär er 1938 wurde.
Christliche Überzeugung und politisches Engagement trieben ihn in den Untergrund. Johannes Brand, Stellvertretender Vorsitzende des Hagener Heimatvereins, dem neben den Biografien vieler verdienter Hagener auch das Portrait Schopmeyers zu verdanken ist, zitiert dessen Frau: „Wenn mein Mann mir Schriftstücke aus der Widerstandsbewegung zum Lesen mitbrachte, dann musste ich immer hören, vorsichtig, ich steh mit einem Bein im KZ.“
Dann überstürzten sich die Ereignisse im Leben Schopmeyers: Kurz vor Kriegsbeginn eingezogen, machte er den Frankreichfeldzug mit, war bei der Besetzung Polens dabei und tat zwischendurch auch in Osnabrück Dienst. Ob es Verbindungen mit den Attentätern des 20. Julis gab, ist nicht überliefert. Es ist lediglich bestätigt, dass Schopmeyers Verhaftung in diesem Zusammenhang mit Müh und Not abgewendet werden konnte.
Am 12. Mai 1945 nahm er seine Arbeit in der Männerseelsorge des Bistums wieder auf. Zugleich betätigte er sich auch wieder politisch. So zählt ihn die CDU Osnabrück zu ihren Gründungsmitgliedern. Die offizielle Parteigründung durfte er allerdings nicht miterleben: Am 23. Juli , mittags zwischen 13 und 14 Uhr, erschossen ihn Unbekannte auf dem Hauptweg im Osnabrücker Bürgerpark. Das Motiv für dieses Verbrechen muss wohl in Schopmeyers politischen Vergangenheit gesucht werden, denn die Täter ließen ihm sämtliche Wertsachen.
Wie sehr sein Blick spätestens zu Kriegstagen in die Zukunft gerichtet war, macht ein Brief deutlich, den er als Soldat einem Freund schrieb: „Es geht...um zwei große Dinge: Politisch um die Neugestaltung Europas (eine Art vereinigte Staaten Europas oder wie man sie nennen will), religiös geht es um die Wiedervereinigung im Glauben.“

Werner Barthel

Antonius-Tappehorn-Straße

Zwischen den Fronten zerrieben
Antonius-Tappehorn-Straße
Nicht weit von der St. Marienkirche in Gellenbeck zweigt die Antonius-Tappehorn-Straße von der Natruper Straße ab. Sie ist nach dem katholischen Geistlichen benannt, der fünfzehn Jahre lang als Pfarrer die Geschicke der Martinuskirchengemeinde leitete, zu der zu Beginn seines Schaffens im Jahr 1900 auch die Niedermark gehörte.
Anfang und Ende seiner Zeit als Pfarrer in Hagen konnten kaum extremer ausfallen: Ein prachtvoller Empfang zur Begrüßung und ein lautloser Abschied, der schon fast wie eine Flucht wirkte, 15 Jahre später. Am Einführungstag hatte die Gemeinde alle Register gezogen: Der Ort war prächtig geschmückt, 30 bis 40 Reiter und 21 Wagen eskortierten Pfarrer Antonius Tappehorn zur Kirche. Abends brachte ihm eine Musikkapelle, begleitet von einem Fackelzug, ein Ständchen Ein Feuerwerk war der krönende Abschluss.
Schärfer konnte der Kontrast bei seinem Abschied kaum sein. Er hatte bereits Züge einer Kapitulation. Hin und hergerissen zwischen seiner seelsorgerischen Tätigkeit in Hagen und den Forderungen der Niedermärker nach einer eigenen Kirche siegte wohl letztendlich der Gehorsam, den er seinem Bischof schuldete, der das Niedermärker Modell favorisierte. Hinzu kam ein massiv vorgebrachter Widerstand von Seiten der Kaufleute in der Obermark, die wohl finanzielle Einbußen befürchteten, wenn ein nicht geringer Teil der Einwohner Läden und Wirtschaften rings um die Martinuskirche fernblieben. Hier spielte sonntags die Musik: Man besuchte den Gottesdienst, machte seine Wocheneinkäufe und fand auch noch Zeit für einen Frühschoppen.
Dass die Kirche in Gellenbeck allen Widerständen zum Trotz in nur zwei Jahren fertig gestellt wurde, ist, darin sind sich alle einig, auch ein Verdienst von Tappehorns Engagement. Seine letzte Amtshandlung war die Weihe der neuen Glocke 1915, dann ließ er sich versetzen. Die Auseinandersetzungen, die sich schließlich vor Gericht noch weitere drei Jahre hinzogen, hatten ihn zerrieben, wie Johannes Brand in seiner Biografie Tappehorns bemerkt. So überstürzt muss der Abschied erfolgt sein, dass die dankbaren Niedermärker nicht einmal Gelegenheit fanden, ihm ein Abschiedsgeschenk zu überreichen. Es musste ihm „nachgesandt“ werden. Zwanzig Jahre lang war er anschließend noch erfolgreich als Pfarrer tätig, wurde Dechant und sogar zum Päpstlichen Geheimsekretär ernannt. Mit 80 Jahren ging er in den Ruhestand. Die letzten neun Jahre lebte er in Ohrbeck, also in unmittelbarer Nähe seiner ersten Pfarrstelle. Es wird erzählt, „er habe...nie wieder einen Fuß in diese Gemeinde gesetzt“, die ihm das Leben so schwer gemacht hatte. Antonius Tappehorn starb 1944.

Werner Barthel  

Am Hüttenplatz

Ein eigener Hochofen für die Produktion
Im Hagener Ortsteil Beckerode stand das erste Eisenhüttenwerk
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlangte Hagen Bedeutung für das Osnabrücker Land und darüber hinaus. In diesen Jahren verfügte der Ort über die erste und einzige Eisenhütte im gesamten Königreich Hannover, zu dem die Gemeinde gehörte. Die Straße „Am Hüttenplatz“ in unmittelbarer Nähe zum Freibad erinnert daran.
Der Osnabrücker Kaufmann Karl Förster war der landesweit der erste Pionier in Sachen Eisengewinnung. Er besaß nicht nur Kenntnisse vom Eisenhandel, er wusste auch aus seiner Zeit als Leiter einer Eisenhütte, worauf es ankam: eine möglichst Wasser reiche Gegend sowie eine vorteilhafte Lage zu den Rohstoffen Eisenerz und Kohle. Mit sicherem Gespür und großer Risikobereitschaft hatte er sich bei seiner Suche für die Bauerschaft Beckerode entschieden- nichtahnend, welche Schwierigkeiten auf ihn warteten. Nach und nach kaufte er sich von den umliegenden Landwirten ein gut 8000 Quadratmeter großes Gelände, auf dem er schließlich 1839 den ersten Hochofen anblasen ließ.
Bei der Verwirklichung seines Vorhabens hatte er vor allem den erbitterten Widerstand der nächsten Anwohner zu überwinden, die sich um die Qualität ihrer Leinen beim Bleichen sorgten. Die heimischen Töpfer und Ziegelbrenner dagegen fürchteten eine Verteuerung der Fuhrdienste und des Brennholzes. Das „Königliche Amt Iburg“ gab Förster trotzdem die Erlaubnis für den Bau der Eisenhütte. In ihrer Begründung wies die Behörde darauf hin, dass der Osnabrücker über die nötigen Fähigkeiten und Erfahrungen verfügte.
Förster und seine drei Teilhaber hatten aber auch noch andere Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Erdarbeiten, Verlegung der Wasserleitungen sowie Errichtung des Hauptgebäudes nebst Hochofen gestalteten sich äußerst kompliziert und verzögerten die Inbetriebnahme der Eisenhütte erheblich. Auch die Versorgung mit Rohstoffen blieb ein fortwährendes Problem. Überall in Hagen und Umgebung wurde fieberhaft nach Vorkommen gesucht. Im Hüggel und in Natrup Hagen, im Hasberger Roten Berg und im Heidhorn konnten Förster und Co schließlich Schürfrechte und Bergbaukonzessionen erwerben.
Um 1840 war man endlich so weit, dass das Gebläse einer Dampfmaschine den Hochofen auf die erforderlichen Temperaturen brachte. In dieser Zeit waren „täglich cirka 59 Arbeiter und cirka 100 Fuhrleute  und Tagelöhner“ aus Hagen mit der Eisengewinnung beschäftigt, wie es in der Hagener Ortschronik heißt. Hinzu kam das Fachpersonal wie Eisengießer, Formermeister, Maschinenschlosser, Sprengmeister und Bergleute. Sie wurden überwiegend aus anderen Hüttenwerken „im Ausland“ abgeworben.
Der Erfolg konnte sich bereits nach kurzer Zeit sehen lassen: Wurden zunächst nur Räder und Pflugscharen für Landwirte und Gewerbetreibende produziert, kamen nach und nach Aufträge aus dem gesamten Königreich. Die „Wasserkunst-Administration in Hannover orderte zum Beispiel „272081 Pfund Rohre“ und bezahlte die Lieferung mit „9487 Talern und 30 Mariengroschen“. Ab November 1847 wurden in Hagen die Gasleitungsrohre für die Bahnhöfe in Bremen und Hannover hergestellt.
Das Aus für den Hagener Standort kam, als die stetig steigende Nachfrage eine Vergrößerung der Anlage erforderlich gemacht hätte, was das Gelände aber nicht hergab. Die letzten Besitzer verkauften schließlich 1856 die Beckeroder Eisenhütte nebst Bergbaurechten für 350000 Reichsmark an die neu gegründete „Georgs-Marien-Bergwerks und Hüttenverein Aktiengesellschaft“, die ein neues Eisenhüttenwerk in Malbergen errichten ließ, das bis heute produziert.
Der Betrieb in Beckerode wurde dadurch unrentabel, der Absatz stockte. Hinzu kam, dass Anlagen wie das Walzwerk in die Jahre gekommen und abgenutzt waren. Die Auswirkungen bekamen die Hagener mit Wucht zu spüren: Nicht nur von Bau und Betrieb der Eisenhütte hatten die Einheimischen profitiert. Auch die Löhne für Fuhrdienste beim Erz- und Kohlentransport  fielen nun weg.
Allein Hagens Gemeindevorsteher und Pastor sahen den Niedergang dieses Industriezweiges mit einem lachenden und einem weinendem Auge. Hatten sie doch wiederholt während der Blütezeit des Werkes Auseinandersetzungen zwischen (evangelischen) Hüttenfacharbeitern, die zumeist aus dem Harz kamen, und (katholischen) Einheimischen schlichten müssen. Überliefert ist die Beschwerdeeingabe des Hagener Pfarrers bei der Regierung: Seitdem die „Hütte hier ist, suchen die Arbeiter die Gemeinde stets aufzuwiegeln“.
Den größten Nutzen aus der Stilllegung hat trotz alledem die gesamte Gemeinde bis auf den heutigen Tag: Der alte Fabrikteich wurde bereits 1931 in Eigenarbeit zum Freibad umgestaltet, das nach mehreren Modernisierungsmaßnahmen seine Form bis heute bewahrt hat.

Werner Barthel

Das Hagener Lied


Zum Hagener Brauchtum gehört auch das Hagener Lied. So wird es immer am Kirmesmontag zur Eröffnung des Ferkelmarktes gesungen oder aber auch bei vielen Veranstaltungen des Heimatvereins. Hier sei kurz an seine Entstehung erinnert. Der Osnabrücker Kaplan Mathias Seling (1792-1860) war berühmt für sein soziales Engagement in Osnabrück und für seinen Feldzug gegen Alkoholmissbrauch im ganzen Osnabrücker Land. Dabei kam er auch nach Hagen und predigte dort sehr erfolgreich gegen den Alkohol und begründete zusammen mit Pastor Pöppelmann einen,"Mäßigkeitsverein". Der bekannte Gelegenheitsdichter Seling schrieb auch ein Lied über Hagen, darin fand darin dieser Kampf in den Strophen 5 und 6 seinen Niederschlag.

Für ein Hagener Heimatlied wurden offensichtlich gerade diese Strophen für wenig geeignet gehalten, da sie nach 100 Jahren nicht mehr verständlich waren, was zusätzlich auch für die 7. Strophe galt. Uns so versuchte Hermann Herkenhoff unter Beibehaltung von möglichst viel Seling-Text eine Neudichtung. Der aus Hagen stammende Berliner Generalmusikdirektor und Komponist Hans Heinrich Dransmann (1894-1964) schrieb dann eine eingängige Melodie im Dreivierteltakt, die das Lied schnell zu einem Hagener Lokalhit werden ließ. Die heute gesungene Fassung enthält üblicherweise die 1. und 2. Strophe von Seling und die 7. Strophe von Herkenhoff, bei Veranstaltungen des Heimatvereins aber immer auch dessen Strophe 4.

Auch in anderen Liedern wurden die Heimat Hagen und seine Schönheit besungen:
So dichtete und komponierte der langjährige Dirigent des Männerchores Hagen, Manfred Golbeck, das Lied ,,Du, mein Hagener Land" und die ,,Hagener Jungs" sangen erfolgreich ihr,,Hagen meine Liebe". Aber gesungen wird nach immer am liebsten,"Wo ist ein Dorf wie Hagen".

Das Hagener Lied

in der Fassung von Hermann Herkenhoff (1899-1990)

1. Wo ist ein Dorf wie Hagen
So wunderlieb und schön?
Ringsum von Ferne ragen
Empor der Berge Höh'n.

2. Hier Tal, dort Feld und Wiese,
Hier Kirsch-, dort Apfelwald,
Gleich einem Paradiese,
Der Unschuld Aufenthalt.

3. Auch blühet hier im Tale
Auf schönem Hügelraum
den Sterblichen zum Mahle
Der rechte Lebensbaum.

4. Dem Schöpfer Lob zu singen,
Durch alle Zeiten hin,
Steht in des Dorfes Mitte
Die Kirche Sankt Martin.

5. lm Tempel hehr und prächtig
lst Gott, Hen Sabaoth,
Voll Lieb' und wundermächtig,
Er selbst ihr Lebensbrot.

6. Und wo ich auch mag weilen
im fernen, fernen Land,
Doch lieb ich's Dörfchen Hagen,
Mein Vaterhaus dort stand.

7. Wo ist ein Dorf wie Hagen,
So wunderlieb und schön,
lch liebe deine Menschen,
Die Täler und die Höh'n

Heimatlied

Originaltext von
Mathias Seling (1792-1860)


1. Wo ist ein Dorf wie Hagen,
So wunderlieb und schön,
Ringsum von Ferne ragen
empor der Berge Höhn.

2. Hier Tal, dort Feld und Wiese
Hier Kirsch dort Apfelwald.
Gleich einem Paradiese
Der Unschuld Aufenthalt.

3. Auch blühet hier im Tale
Auf schönem Hügelraum
Den Sterblichen zum Mahle
Der rechte Lebensbaum.

4. lm Tempel hehr und prächtig
lst Gott, Herr Sabaoth
Voll Lieb so wundermächtig
Er selbst ihr Lebensbrod.

5. Es scharten sich die Braven
Als Brüder treu vereint,
Um Hagen zu entsklaven
Von solchem bösen Feind.

6. Nun Hagen ist befreiet.
Es bleibt ein Paradies
Wo alles wohl gedeihet
Was wahrhaft gut und süß.

7. lhm blüht der Baum des Lebens,
Der alle Wünsche stillt
Und auch nach Maß des Strebens
Noch ewig dort erfüllt.

8. Wo ist ein DOrf wie Hagen,
So wunderlieb und schön

Ringsum von Ferne ragen
Empor der Berge Höhn.

Geschichte der Gemeinde Hagen a.T.W.

Rainer Rottmann
Hagen a.T.W. ist 34,49 qkm groß, liegt im Mittel 110 m über NN, hat rd. 14.000 Einwohner und liegt im  Landkreis Osnabrück und im Bundesland Niedersachsen.

Unsere Gemeinde wird 1097 erstmals urkundlich erwähnt. Funde aus der Steinzeit sowie Grabhügel und Urnen aus der Bronzezeit belegen jedoch, dass in Hagen schon seit Jahrtausenden Menschen siedeln.  

Im 9., spätestens Anfang des 10. Jahrhunderts wurde in Hagen eine erste Kirche erbaut. Schutzpatron der Kirche in Hagen ist seit altersher der heilige Martinus (erste Erwähnung des St.-Martinus-Patroziniums 1341).



Die schon bestehenden sechs Bauerschaften Altenhagen, Beckerode, Mentrup, Gellenbeck, Sudenfeld und Natrup wurden dieser Kirche als Pfarrbezirk zugeordnet und bildeten so über Jahrhunderte das „Kirchspiel Hagen“, welches mit der heutigen politischen Gemeinde Hagen a.T.W. flächenmäßig identisch ist. Das sechslappige Eichenblatt im Wappen der Gemeinde Hagen a.T.W. erinnert an diese sechs Ursprungsgemeinden. Das halb zu sehende Rad auf der rechten Seite des Wappens weist auf die alte Zugehörigkeit Hagens zum Osnabrücker Land hin.

Anstelle einer alten, vermutlich romanischen Kirche erfolgte 1492-1523 ein Neubau der St.-Martinus-Kirche im spätgotischen Stil. Der mächtige, aus Sandsteinquadern errichtete Turm dieser Kirche ist nicht nur das älteste Gebäude, sondern auch das Wahrzeichen Hagens. Im Umkreis dieser, in der Bauerschaft Beckerode gelegenen Kirche, siedelten sich seit dem Mittelalter Handwerker, Kaufleute und Gastwirte an. 1664 wurde nahe der Kirche auch die erste Hagener Schule gebaut und so entstand nach und nach um die Kirche herum das Dorf Hagen, welchem bis heute die Funktion eines wirtschaftlichen, kulturellen und administrativen Zentrums für die ganze Gemeinde zukommt.

Beim ersten großen Brand von Hagen brannte 1723 nahezu das ganze Dorf inklusive Pfarrhaus und Schule nieder. Zeugen des Wiederaufbaus sind die repräsentativen Fachwerkgiebel des alten Pfarrhauses (August 1723) und des Hauses Dorfstraße Nr.5 (April 1725). Der zweite Brand legte 1892 die Häuser südlich der Dorfstraße in Schutt und Asche.

Bis Ende des 19. Jahrhunderts lebten die Menschen in Hagen überwiegend von der Landwirtschaft. Daneben gab es natürlich Handwerker und Kaufleute für den örtlichen Bedarf. In der Wirtschaftsgeschichte Hagens hat in den vergangenen Jahrhunderten vor allem das Töpferhandwerk eine wichtige Rolle gespielt und Hagen weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt gemacht.

Mit der 1836 erfolgten Gründung einer Eisenhütte in der Bauerschaft Beckerode – der ersten im Osnabrücker Land – begann auch in Hagen das Industriezeitalter. Auch wenn das Hüttenwerk bereits 1856 von Beckerode ins benachbarte Malbergen verlegt und nun Georgsmarienhütte genannt wird, behielt dieser expandierende Industriebetrieb prägenden Einfluss auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung Hagens.

Um der ständig wachsenden Bevölkerung gerecht zu werden, erfolgte 1912-1915 eine seit langem geplante Teilung der Kirchengemeinde St. Martinus und die Gründung einer zweiten  katholischen Kirchengemeinde, die im wesentlichen die Ortsteile Gellenbeck, Sudenfeld und Natrup umfasst, mit Bau einer eigenen Pfarrkirche St. Marien in der Nähe einer dort bereits seit 1809/1883 bestehenden Schule.

Die fortschreitende Industrialisierung Hagens wurde durch den Ersten und Zweiten Weltkrieg nur vorübergehend unterbrochen. Seit den 1950er/1960er Jahren setzte in Hagen dann nicht nur eine starke Bautätigkeit ein, es wurde auch eine Vielzahl mittelständischer Unternehmen gegründet.


Wappen der Gemeinde Hagen a.T.W.


Alle sechs Gemeindeteile waren ab etwa Mitte des 19. Jahrhunderts bis Ende der 1960er Jahre politisch selbstständige Gemeinden. Wachsende Anforderungen an kommunale Infrastruktur und Daseinsvorsorge veranlassten die Gemeinden Altenhagen, Mentrup und Hagen-Beckerode sich 1968 zur Gemeinde Hagen zusammenzuschließen. Nachdem sich 1969 die Gemeinden Gellenbeck, Sudenfeld und Natrup zur Gemeinde Niedermark zusammengeschlossen hatten, wurden beide Gemeinden 1972 zur heutigen Gemeinde Hagen a.T.W. vereinigt.

Rathaus

Seit den 1990er Jahren hat der HVH in allen Ortsteilen Tafeln mit einem historischen Überblick aufgestellt. Die Texte werden im Folgenden wiedergegeben.

Ortsteil Altenhagen

Altenhagen ist eine der sechs ehemaligen Bauerschaften des Kirchspiels Hagen, welche heute die politische Gemeinde Hagen a.T.W. bilden.
Der Namensteil „Hagen“ ist von „Hag“ = Hecke abzuleiten und bezeichnet eine durch Hecken geschützte Siedlung (vgl. Heggestraße).
Funde aus der Jungsteinzeit belegen eine frühe Anwesenheit von Menschen. Für die vorrömische Eisenzeit ist eine Siedlung im Altenhagener Esch nachgewiesen und ein ausgedehntes Urnengräberfeld rund um den ehemaligen „Meerpohl“ belegt eine dichte Besiedlung in den Jahrhunderten vor Christi Geburt.
um 500 n. Chr.    existiert in (Alten-) Hagen eine bäuerliche Ursiedlung, aus der später die acht Bauernhöfe Eversmann, Wilxmann, Dransmann, Plogmann, Baumann, Frommeyer und (Nie-) Henke hervorgehen. Diese acht Höfe lagen früher alle dicht beieinander östlich der heutigen Heggestraße. Erst nach der Christianisierung um 800 n. Chr. erfolgt die Gründung des Hofes Kruse (von „cruce“ = Kreuz).
um 850/860    wird in (Alten-) Hagen die erste Hagener Kirche errichtet. Der Sage nach soll sie im „Meerpohl“, einem ehemaligen Teich an der Wilopstraße, versunken sein. Nach der Verlegung der Kirche in die Bauerschaft Beckerode entsteht dort im Mittelalter das Kirchdorf Hagen. Die Bauerschaft „Hagen“ bezeichnete man fortan als „Altenhagen“.
1337    erste urkundliche Erwähnung der Bauerschaft Altenhagen („burscopia Oldenhagen“).
1341    sowie 1400 und 1412 hat der Altenhagener Bauer Niehenke das Amt des Markenrichters der Hagener Obermark inne.
1601    leben in Altenhagen 57 steuerpflichtige Einwohner im Alter von über 12 Jahren.
1618-1648    Im Dreißigjährigen Krieg wird auch in Altenhagen mehrfach geplündert; Bauer Eversmann gerät in finanziellen Ruin.
1652    übernimmt der Adlige Hieronymus von Winsheim den Hof Eversmann und gründet dort das „Gut Altenhagen“, auf dem 1712 das steinerne „Pfortenhaus“ und 1717 das „Herrenhaus“ erbaut werden.
1844-1895    werden im Ellenberg in Altenhagen in mehreren Stollen Eisenerze abgebaut; zunächst für die 1836 gegründete „Beckeroder Eisenhütte“, ab 1858 dann für die in Malbergen gegründete „Georgs-Marien-Hütte“.
ab 1920    erfolgt eine verstärkte Bebauung der westlichen, direkt an das Dorf Hagen angrenzenden Teile von Altenhagen.
1932    gründen Einwohner aus Altenhagen die „Wassergenossenschaft Wasserleitung Altenhagen“, die heute als „Wasserbeschaffungsverband Altenhagen“ ca. 1800 Haushalte in der Hagener Obermark mit Trinkwasser versorgt.

Ortsteil Beckerode

Beckerode ist eine der sechs Bauernschaften, die ab etwa 850 n. Chr. das Kirchspiel Hagen bildeten.
1082/
1096     Erste Erwähnung als „Bikirothon“; 1186 als „Beckerode“; der Name bedeutet „Rodung am Bach“ und weist auf frühmittelalterliche Landgewinnung hin. In Beckerode gab es zwei ursprüngliche Siedlungskerne - der eine am Nordrand des Borgberges mit den Bauernhöfen Frommeyer, Kasselmann, Krützmann und Wibbelsmann, der andere nördlich vom Goldbach im heutigen Ortskern mit den ehemaligen Höfen Grotthus, Glashus, Gibbenhof, Püning und dem späteren Pfarrhof. Nördlich dieser Siedlung liegt der Hof Schulte to Brinke.
um 1200     Nach Verlegung der St. Martinus-Kirche von Alten-Hagen nach Beckerode entsteht ab dem Mittelalter in Beckerode das (Kirch-)Dorf Hagen - heute das Ortszentrum.
1492
1523     Neubau der Kirche in spätgotischem Stil - der Kirchturm ist noch heute das Wahrzeichen der Gemeinde.
1592     Erwähnung des "Hoenenhövel" (Hünenhügel) auf Kasselmanns Esch - dieser um 1880 leider zerstörte große Grabhügel mit Urnenfunden belegt eine Besiedlung Beckerodes schon während der Bronzezeit.
1601     In Beckerode und dem Dorf Hagen leben etwa 200 Einwohner.
1615     Der Landesherr gestattete am Montag nach der Kirmes in Beckerode einen Viehmarkt, den traditionellen "Hagener Ferkelmarkt".
1618 - 1648     Im Dreißigjährigen Krieg wird Beckerode von allen sechs Hagener Bauernschaften am schlimmsten durch Mord, Brand und Plünderung betroffen.
1664     Bau der ersten Kirchspielschule in Hagen-Beckerode.
1722     Erwähnung eines Schandpfahls ("Diebespfahl mit Halseisen") nahe der heutigen Gastwirtschaft "Blüsen", Am Borgberg
1723     Erster Großer Brand von Hagen.
1836 - 1839     Gründung der Beckeroder Eisenhütte - Beginn der Industriealisierung des Osnabrücker Landes.
1892     Zweiter großer Brand von Hagen - 18 Gebäude verbrennen.
1931 - 1932     Aus dem ehemaligen Fabrikteich der Beckeroder Eisenhütte errichten arbeitslose junge Männer das Hagener Freibad.

Ortsteil Mentrup

Mentrup ist eine der sechs ehemaligen Bauerschaften des Kirchspiel Hagen, welche heute die politische Gemeinde Hagen a.T.W. bilden.

Der Name leitet sich vom Vornamen "Menke" (=Kurzform von Meinhard) ab und bedeutet "Dorf des Menke".

Steinbeile aus der Jungsteinzeit und Urnen aus der vorrömischen Eisenzeit (um 500 v. Chr.) belegen eine frühe Besiedlung Mentrups.
1180     Erste urkundliche Erwähnung als "Meginthorp", 1186/1200 als "Meincthorpe" bzw. "Menctorpe".
1187     Erwähnung der am Borgberg gelegenen "Kollage", dem Jagdgut des Osnabrücker Domkapitels.
1240 - 1366     wird der östliche Teil der Bauerschaft Mentrup noch gesondert als "Ostdorpe" bezeichnet.
1341     existiert schon die "Nyemolen", die Wassermühle an der heutigen Bergstraße.
1601     leben in Mentrup 121 steuerpflichtige Einwohner im Alter von über 12 Jahren.
1618 - 1648     Im Dreißigjährigen Krieg wird auch in Mentup mehrfach schwer geplündert; einige Bewohner sterben an der Pest.
Um 1700     gibt es in Mentrup 29 Bauernhöfe.
1740 - 1866     fördern hohe Einfuhrzölle den Schmuggel über die nahe Grenze zum Königreich Preußen; der Name "Schmuggelpättken" erinnert an diese Zeit.
1839 - 1863     betreibt die Beckeroder Eisenhütte am Heidhornberg einen Steinbruch, dessen Sandsteine zum Bau von Hochöfen zeitweise sogar bis in das Ruhrgebiet geliefert werden.
1901     legen der Hagener J. Reuter und der Holländer Nuyken am Goldbach Fischteiche und Forellenzuchten an, die der ehemaligen "Speikenstraude" den heutigen Straßennamen Forellental geben.
1902     erfolgt der Bau einer eigenen Mentruper Schule, die 1973 wieder geschlossen wird.

Große Heide

Die südlich des Hüggels gelegene "Große Heide" gehört seit alters her zu dem um 850 v.Chr. gegründeten Kirchspiel Hagen. Als Teil der offenen Feldmark diente sie Hagener Bauern zunächst jahrhundertelang zum Holzeinschlag, zur Plaggengewinnung und zur Viehweide, so daß um 1500 anstelle ursprünglicher Bewaldung fast nur noch Heidekraut den kargen Boden bedeckte - daher auch der Name "Große Heide".
Um 1530     Erste Besiedlung durch die fünf Markkotten Riesenbeck, Räuver, Schröder, Vogelpohl und "Hinrik upr Noestheiden". Um 1580 entstehen vier weitere Markkotten, namentlich Berkemeyer, Kulgemeyer, Niemeyer und Pohlmeyer (heute Gastwirtschaft "Zur Hüggelschlucht" alias "Pottbäcker").
1600     Erste gesonderte Erwähnung dieser neun Hofstellen als "Grotenheider Markkotten". Die benachbarten und ebenfalls schon im 16. Jahrhundert "bey der großen Heyde" gegründeten Markkotten Breiwe, Engelmeyer, Hehemann und Meyerhenke gehören zur Bauerschaft Gellenbeck, ihre Bewohner fühlen sich jedoch der "Großen Heide" zugehörig.
Ab 1618     wird bis Mitte des 19. Jahrhunderts der Begriff "Bauerschaft Große Heide" gebräuchlich. Die Große Heide wird so neben Altenhagen, Mentrup, Beckerode, Gellenbeck Sudenfeld und Natrup zeitweise zur siebten Hagener Bauerschaft.
1618 - 1648     Im Dreißigjährigen Krieg verarmen auch die Bewohner der Großen Heide. 1630 heißt es: "Diß sein alles arme Dienstkotten".
1658     wohnen in der Großen Heide 60 Personen. Die geringe Größe der Hofstellen zwingt die Bewohner schon früh zu handwerklicher Nebentätigkeit.
1818     arbeiten in der Großen Heide vier der zeitweise neun Hagener Töpfereien. Sie beliefern die gesamte Region mit Irdenware. Ein Zweig der Familie Niehenke alias "Pottbäcker" betreibt in sechster Generation noch heute das Hagener Töpferhandwerk.
Um 1850     erfolgt eine kommunale Zuordnung der Bauerschaft Große Heide zur Gemeinde Altenhagen, also zur Hagener Obermark.
Um 1950     gestaltete Karl Niehenke aus Ton die Figurengruppe der Hüggelzwerge (Snöiksgen") und des sagenhaften "Schmied am Hüggel". Die Sage basiert auf dem seit dem Mittelalter nachweisbaren Silber- und Eisenerzbergbau.

Ortsteil Gellenbeck

Gellenbeck ist eine der sechs ehemaligen Bauerschaften des Kirchspiels Hagen, welche heute die politische Gemeinde Hagen bilden.
Der Name Gellenbeck kommt vom niederdeutschen "giäle Becke" (=gelber Bach) und bezieht sich auf den heutigen Goldbach.

Funde aus der Steinzeit sowie ein großer bronzezeitlicher Grabhügel im Engelbusch (um ca. 1500 v.Chr.) und das 1996 archäologisch untersuchte "Gellenbecker Gräber- feld" aus der vorrömischen Eisenzeit (um 700/500 v.Chr.) belegen eine Besiedlung Gellenbecks schon in vorgeschichtlicher Zeit. Ein 1996 auf dem ehemaligen Meyerhof zu Spellbrink entdeckter hölzener Kastenbrunnen (datiert um 671 n.Chr.) ist Beweis für eine bäuerliche Besiedlung Gellenbecks in der Zeit vor der Christianisierung der hiesigen Bevölkerung (um 780/800 n.Chr.).
1150     Erste urkundliche Erwähnung von Bauernhöfe in "Gelenbike".
um 1186     Namentliche Erwähnung der Höfe "Franco de Gelenbeke" und "Meyer zu Spilebrinke".
1273     schenken die Eheleute Gerhard und Agnes Meyer zu Gellenbeck dem Kloster Iburg eine Rente aus ihrer Wassermühle ("molendino suo Gelenbeke") - erste Erwähnung der Gellenbecker Wassermühle.
Ab dem Mittelalter     gibt es in der relativ kleinen Bauerschaft Gellenbeck drei Meyerhöfe (Meyer zu Spellbrink, Meyer zu Gellenbeck, Meyer to Bergte) – eine Besonderheit im Osnabrücker Land.
1492     Domherr Lambert von Snetlage schenkt der Kirche St. Martinus in Hagen den in Gellenbeck gelegenen Hof "Borchardink" (=heute Borgelt) zwecks Finanzierung des Kirchenbaues.
1525 - 1592     stellen die Grafen von Tecklenburg terretoriale Gebietsansprüche auf die Niedermärker Bauernschaften Gellenbeck, Sudenfeld und Natrup. Nach blutigen Fehden verbleibt die Niedermark bei Osnabrück, weil sie "seit alters her" zum Kirchspiel St. Martinus in Hagen gehört.
1600     wird auf dem Meyerhof zu Spellbrink eine erste Ziegelei angelegt, die bis etwa 1860 existiert. Vom 17. - 20. Jahrhundert lassen sich in Gellenbeck vier Ziegeleien und sieben Töpfereien nachweisen, die das Osnabrücker Land mit Dachziegeln und Irdenware versorgen; der ab 1511 erwähnte Hofname "Pötter" lässt eine weitaus ältere Töpfertradition vermuten.
1601     leben in Gellnbeck 118 steuerpflichtige Einwohner über 12 Jahre.
1618-48    Dreißigjähriger Krieg - auch in Gellenbeck wird mehrfach geplündert.
1809     erfolgt der Bau der ersten Niedermärker Schule in Sudenfeld gegenüber
von Bauer Westenberg.
1884     Verlegung der NIedermärker Schule von Sudenfeld nach Gellenbeck
in das ehemalige Gutsgebäude des Meyerhofes zu Spellbrink.
1912     erfolgt die Abpfarrung der Niedermark (Bauerschaften Gellenbeck,
Sudenfeld und Natrup) vom Kirchspiel St. Martinus und die Gründung
der Pfarrei Mariä Himmelfahrt in Gellenbeck.
1915     Einweihung der neuen Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt.

Ortsteil Sudenfeld

Sudenfeld - ehemalige Bauerschaft und jetzt südwestlicher Ortsteil der Gemeinde Hagen a.T.W.
um 1180     Erste urkundliche Erwähnung von zwei Höfen in "Sudenvelde". Der Name bedeutet "südliches Feld" und bezieht sich auf seine Lage im Goldbachtal.
1284     Grenzstreit mit der Lengericher Bauerschaft Schollbruch. Erwähnt werden die Höfe "de Mekelingdorpe" und "de Suthenvelde".
1601     In Sudenfeld wohnen etwa 90 Menschen auf den zwölf Höfen Gretzmann, Sudenfeld, Berelsmann, Meyer zu Mecklendorf, Grimmelsmann, Westenberg, Kriege, Tepe, Striedelmeyer, Fromme, Hestermeyer und Igelbrink.
1752     Bau einer Windmühle auf einer Kuppe des Höneberges. Die Bauern Sudenfeld, Grimmelsmann und Meyer zu Mecklendorf betreiben Ziegeleien.
1809     Bau einer ersten Schule für die Niedermark, schräg gegenüber von Bauer Westenberg an der heutigen Sudenfelder Str.  Als diese Schule 1884 nach Gellenbeck verlegt wurde, wurde auch in Sudenfeld eine Schule  gebaut. Diese wurde 1977 geschlossen und wird gegenwärtig z. T. als Sängerheim des MGV Sudenfeld genutzt.

Ortsteil Natrup

Natrup-Hagen ist eine der sechs Bauerschaften des Kirchspiels Hagen, welche heute die politische Gemeinde Hagen a.T.W. bilden. Der Name Natrup bedeutet "Nord-Dorf" - nördlich vom Goldbach und vom Meyerhof zum Spellbrink gelegen.
Funde aus der Jungsteinzeit und der Bronzezeit belegen eine frühe Besiedlung.
Um 500 n.Chr. existiert an der Quelle des Hagenbaches in Natrup bereits eine bäuerliche Ursiedlung mit den späteren Höfen Wellmann, Wacker, Elixmann, Konersmann und Tiemann.
Um 1186     Erste urkundliche Erwähnung von Höfen in Natrup, namentlich "Conradus de Nortorpe" (Konersmann), "Hermanus Eylekinc" (Elixmann), „Woltsetinc in Nortorpe" (Tiemann) und Osterhaus.
1343     ist der Meyer zu Natrup (Unter-) Holzgraf der Natruper Mark, der späteren Niedermark ("de scultere van nortorpe, den sworenen holrgreve der marke to nortorpe"). Der vermutlich um 800 n.Chr. gegründete Meyerhof sicherte die Furt über den Goldbach und somit die wichtige Landstraße zwischen Münster und Osnabrück.
1525-1592     stellen die Grafen von Tecklenburg terretoriale Gebietsansprüche auf die Niedermärker Bauerschaften Gellenbeck, Sudenfeld und Natrup. Nach blutigen Grenzfehden verbleibt die Niedermark bei Osnabrück, weil sie "seit alters her" zum Kirchspiel St. Martinus in Hagen gehört.
1601     leben in der Bauerschaft Natrup 101 steuerpflichtige Personen im Alter von über 12 Jahren.
1618-1648     Im Dreißigjährigen Krieg wird auch in Natrup schwer geplündert.
1652     Nach dem Westfälischen Frieden wird das Kirchspiel Hagen wieder den Katholiken zugesprochen, nur die Bewohner von drei Natruper Höfen entlang der Grenze zu Leeden bleiben reformiert.
1703     Bau der ersten Natruper Ziegelei auf dem Hof Witte; noch heute werden in Natrup-Hagen Dachpfannen und Klinker produziert.
1722-1726     Vorübergehende Wiederaufnahme des schon im Mittelalter betriebenen Silberbergbaues im Silberberg.
1736     Bau der "Natruper Mühle"; später gibt es in Natrup zeitweise fünf Wassermühlen.
1870-1871
1889     Bau der Eisenbahnlinie Münster-Osnabrück und Anlegung einer ersten „Haltestation" in Natrup-Hagen.
1912     wird Natrup-Hagen vom Kirchspiel St. Martinus in Hagen abgepfarrt und zusammen mit Gellenbeck und Sudenfeld der neu gegründeten Kirchengemeinde "Mariä Himmelfahrt“ in Gellenbeck zugeteilt.

Z e i t t a f e l

um   852    mutmaßliche Gründung der St. Martinus-Kirche
um 1088    Erste urkundliche Erwähnung der Hagener Bauerschaft Beckerode („Bikirothon)
1097          Erste urkundliche Erwähnung Hagens („parochia Hagen“) um  1186   Erste Erwähnung der Kirche in Hagen
1273           Erwähnung der Wassermühle auf dem Hof Meyer zu Gellenbeck
1341           Erste Erwähnung des St. Martinuspatroziniums
1492           Beginn des Neubaus der St. Martinus-Kirche
1523           Fertigstellung des Turmes der St. Martinus-Kirche. Erweiterungen der Kirche in den Jahren 1717 + 1748 + 1815+ 1836/37 + 1839/42
1575           Nach Blitzschlag brennt die Kirchturmspitze aus, die Glocken schmelzen
1603           Erste Erwähnung der später weit bekannten Hagener Kirschen
1607           Erste schriftliche Erwähnung der Hagener Kirmes
1615           Genehmigung zur Abhaltung eines Vieh- und Krammarktes (Montag nach Michaelis)
1623           Schwere Plünderung durch Soldaten des Christian von Braunschweig
1650           Hagen wird im sog. „Volmarschen Durchschlag“ den Katholiken zugesprochen
1664           Bau einer ersten Kirchspielsschule im Dorf Hagen
1723           Erster großer Brand im Dorf Hagen
1723           Wiederaufbau des Pfarrhauses (heute Altes Pfarrhaus) nach dem großen Brand
1809           Bau der ersten Schule in der Niedermark an der Sudenfelder Str., Verlegung zum Hof Meier zu Spellbink 1883
1827           Bau der Mädchenschule an der heutigen Jahnstr.
1836           Gründung der Beckeroder Eisenhütte
1846           Einrichtung einer evangelischen Schule in Natrup-Hagen
1856           Verkauf der Beckeroder Eisenhütte; in den Folgejahren Verlegung nach Malbergen
1868-69     Neubau der Knabenschule (heute Rathaus)
1872           Bau des Bahnhofes Natrup-Hagen
1882-83     Ankauf des ehemaligen Meierhofes zu Spellbrink und Umnutzung in eine Schule
1883           Errichtung einer „Sparkassennebenstelle“ in Hagen
1884           Anlegung eines neuen Friedhofes an der heutigen Natruper Str.
1884           Bau der Sudenfelder Schule, Aufhebung 1977
1887           Neubau einer evangelischen Schule in Natrup-Hagen
1892          Zweiter Hagener Dorfbrand
1894          Gründung der „Spar- und Darlehnskasse“, heute Volksbank
1902          Bau der Mentruper Schule, Aufhebung 1973
1904          Eröffnung des Bahnhofs Natrup-Hagen
1906          Gründung der Ordensniederlassung der Thuiner Schwestern für die ambul. Krankenpflege
1909          Gründung des „Elektrizitäts-Werks Hagen“
1910-11    Neubau der Volksschule St. Martin
1912-15    Die Niedermark wird von Hagen abgepfarrt
1915          Einweihung der Gellenbecker Kirche „Mariae Himmelfahrt“
1916          Fertigstellung des Gellenbecker Friedhofs
1925-26    Bau des St. Anna-Stiftes in Hagen-Beckerode
1931-32    Bau des Freibades anstelle eines alten Stauteiches der ehem. Beckeroder Eisenhütte
1933          Gründung des Wasserbeschaffungsverbandes Altenhagen
1947          Beginn der Bauarbeiten zur Anlegung der Sportanlage „Im Stern“
1951          Bau des Sparkassengebäudes mit Gemeindeverwaltung an der heutigen Natruper Str.
1955          Einweihung des Schulgebäudes an der Straße Zum Jägerberg
1957          Einweihung des Gustav-Görsmann-Heimes
1961-63    Umbau- und Erweiterung der Volksschule St. Martin
1963          Einweihung des Schulgebäudes Natrup-Hagen
1963          Bau des Wasserwerkes Niedermark
1963-73    Erweiterung und Umbau der Schule in Gellenbeck
1964-65    Bau des Feuerwehrgerätehauses Hagen
1965          Hagen und Niedermark werden 2 selbstständige Samtgemeinden
1965          Gründung des Heimatvereins Hagen a.T.W.
1966          Einweihung des Jugendheimes St. Martinus
1966          Bau der Friedhofskapelle auf dem Martinusfriedhof
1968          Die Gemeinden Altenhagen, Hagen und Mentrup schließen sich zur Gemeinde Hagen a.T.W. zusammen
1968           Beginn der Bauarbeiten für das Schulzentrum
1969           Einweihung des Fransziskuskindergartens, ursprünglich Kindergarten St. Marien
1969           Errichtung der Realschule
1969           Einweihung des Martinusheimes und des Kindergartens St. Martinus
1971           Die Gemeinden Gellenbeck, Natrup-Hagen und Sudenfeld vereinigen sich zur Gemeinde Niedermark
1971           Errichtung einer Volkshochschule als Außenstelle der KVHS e.V.
1972           Zusammenschluss der Gemeinden Hagen a.T.W. und Niedermark zur Gemeinde Hagen a.T.W.
1972           Gründung der Jugendmusikschule
1973           Einweihung der neuen Kirche St. Martinus
1973           Einweihung der Sporthalle im Sportzentrum
1974           Gründung der Ev. luth. Melanchthon-Kirchengemeinde
1973           Bau des Feuerwehrgerätehauses Niedermark
1975           Eröffnung des Hallenbades
1975           Einweihung des Rathauses
1977           Einweihung des Ev.-Luth. Kirchen- und Gemeindezentrums
1978           Übergabe der Ehem. Kirche als Kulturzentrum
1979           Bau der Kläranlage am Ziegeleiweg
1980          Übernahme des Alten Pfarrhauses durch die politische Gemeinde zum Zwecke der Unterbringung der Öffentl. Hauptbücherei, des Töpfereimuseums und von emeinschaftsräumen
1982           Gründung der Sozialstation Hagen a.T.W. - Hasbergen
1984           Einweihung des Waldfriedhofes
1985-97     Durchführung der Ortskernsanierung
1986-87     Grundsteinlegung zum Bau der gr. Sporthalle Niedermark
1987-89     Renovierung der Gellenbecker Mühle
1991           Einweihung des Bürgerhauses Natrup-Hagen
1992           Einweihung des Melanchthonhauses (Kindergarten, Kirche, Gemeinderäume)
1994           Einweihung des St. Christopherus-Kindergartens
1995           Umbau und Erweiterung des Rathauses
1995           Einweihung des Kindergartens St. Marien
1996-99      Erweiterung der Grundschule St. Martin und Bau der Sporthalle
1997           Jubiläumsjahr „900 Jahre Hagen a.T.W.“
1998           Wiedererrichtung der Sudenfelder Grützemühle bei der Gellenbecker Wassermühle
1999           Einweihung der Friedhofskapelle Gellenbeck
1999           Errichtung des Backhauses beim Alten Pfarrhaus
2010           Umbau und Erweiterung des Kindergartens St. Martinus
2010-11      Umbau des Fachwerkhauses auf dem Waldfriedhof in eine Friedhofskapelle
2013           Neubau eines Feuerwehrgerätehauses für die Ortswehr Hagen
2015           Neugestaltung des Rathausvorplatzes

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