Görsmannstraße

Ein geschichtsträchtiger Name

Die Straße, die nach ihm benannt wurde, ging Pfarrer Gustav Görsmann 26 Jahre lang fast jeden Wochentag von der Kirche, wo sie beginnt, bis zur 400 Meter entfernten Schule zum Religionsunterricht. Die Gellenbecker halten ihn aus zwei Gründen bis heute in hohen Ehren: Gustav Görsmann war der erste Geistliche in der Niedermark. Er lebte zudem seinen Glauben bis zum Tod durch die Nationalsozialisten

Es war ein Zusammentreffen der besonderen Art: Als Gellenbecks Kirche St. Marien 1915 feierlich durch Bischof Wilhelm Berning eingeweiht wurde, führte er gleichzeitig Gustav Görsmann als ersten Pastor der neuen Kirchengemeinde ein. Damals war der gebürtige Osnabrücker 42 Jahre alt. Im selben Jahr hat er sich bereits mit dem Weg zur Schule vertraut gemacht.

Dies war allerdings eine der leichteren Aufgaben, die ihn fortan in der jungen Gemeinde erwarteten. Bis 1915 war die Niedermark von den Hagener Geistlichen betreut worden. Jetzt lag die Verantwortung allein auf seinen Schultern. Gottesdienste vorbereiten und halten, Kranke besuchen, Trauungen und Beerdigungen, Gründung und Betreuung kirchlicher Vereine, da war der Gang auf der lange Zeit „Allee“ genannten Straße zur Schule wahrscheinlich die reine Erholung.

Hinzu kam, dass das Gotteshaus innen noch reichlich kahl und nüchtern wirkte: Es fehlten große Teile der Innenausstattung. Hier brachte Pastor Görsmann seine Ideen ein und ging anschließend mit gutem Beispiel voran: Das Gewölbe beim Nordeingang gestaltete er selbst mit Farbtopf und Pinsel. Johannes Brand vom Hagener Heimatverein nennt in seiner Biografie weitere Details: „Auch auf die Gestaltung von Hochaltar, Kanzel, Kreuzweg und die Verglasung der Fenster nahm er erheblichen Einfluss.“

Den Nationalsozialisten war er von Anfang an ein Dorn im Auge, ein Störenfried, der aufrecht seinen Weg ging und auch dann seine Meinung sagte, wenn er damit anecken konnte. Bespitzelt wurde er von Anfang an, so dass es nur eine Frage der Zeit war, wann es zur Konfrontation mit den Vertretern des Regimes kommen würde. Sein vorurteilsfreier Umgang mit den französischen Kriegsgefangenen wurde ihm schließlich zum Verhängnis. Wo immer er sie traf, unterhielt er sich in ihrer Muttersprache mit ihnen. Kein Wunder, dass dieses Verhalten Wachpersonal und örtlichen Parteigrößen missfiel. Das Fass zum Überlaufen brachte schließlich ein Gottesdienst, den er mit den Kriegsgefangenen hielt, bevor dieser überhaupt genehmigt war.

Vier Wochen Gefängnis lautete der Schuldspruch. Fortan blieb er im Focus der Behörden, argwöhnisch wurde nicht nur jede seiner Predigten verfolgt, auch sein Umgang mit seinen Gemeindemitgliedern stand auf dem Prüfstand. 1942 wurde er erneut verhaftet und als Gefahr für die Allgemeinheit in „Schutzhaft“ genommen. Zunächst wurde Pfarrer Görsmann bei Aufräumarbeiten auf Trümmergrundstücken in Osnabrück eingesetzt, bis er schließlich im selben Jahr ins Konzentrationslager Dachau verschleppt wurde. Hier starb er nach einjähriger Leidenszeit an Unterernährung. Johannes Brand: „Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde die Urne mit seiner Asche auf dem Gellenbecker Friedhof beigesetzt.“

Werner Barthel

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