Bericht der NOZ

Heimatverein Hagen pflanzt zehn Kirschbäume

Auf Einladung von Tobias Gretzmann (rechts) pflanzten die Aktiven des Heimatvereins zehn Kirschbäume alter Sorten vor malerischer Kulisse. Foto: Petra Ropers

Für den Erhalt der alten Kulturlandschaft trotzten die Aktiven des Heimatvereins Hagen am Samstag dem kühlen Grau des Herbstes: Auf dem Hof Gretzmann in Sudenfeld griffen sie bei der diesjährigen Pflanzaktion zu Schaufel und Spaten.

Obstbäume blühten an sanften Hängen. Gartenrotschwanz und Steinkauz brüteten in ihren dichten Kronen und hohlen Astlöchern. Und die leuchtenden Früchte verführten nicht nur die Kinder dazu, sich die saftigen Leckereien direkt von der Hand in den Mund schmecken zu lassen: Über Jahrhunderte prägten Streuobstwiesen maßgeblich die Hagener Landschaft. Obstbäume gehörten zu jedem Hof und Kotten dazu - und das nachweislich bereits im 16. Jahrhundert.

  • Der Konkurrenz der Supermärkte gewichen

„Streuobstwiesen waren ein wichtiger Nebenerwerb“, erklärt Rainer Rottmann, der sich intensiv mit ihrer Geschichte befasste. Das Obst wurde für den Eigenverbrauch verarbeitet oder auf Wochenmärkten bis Osnabrück und Münster verkauft. Doch das unbehandelt gewachsene und mühsam von Hand geerntete Obst der Wiesen hielt der Konkurrenz in den Supermärkten nicht stand. Die Streuobstwiesen verschwanden mehr und mehr aus dem Landschaftsbild. In Hagen sind sie aber heute wieder ein lebendiger Bestandteil der Kulturlandschaft.

Zu verdanken ist das nicht zuletzt dem Engagement des Heimatvereins. Seit 25 Jahren sorgt der Verein mit Geld, Kompetenz und Arbeitskraft dafür, dass der Bestand an Obstbäumen im besten Wortsinne wächst, blüht und gedeiht. Finanzielle Unterstützung kommt dazu vom Landkreis Osnabrück, dessen Naturschutzstiftung den Einsatz des Heimatvereins im vergangenen Jahr mit einer Auszeichnung würdigte. ( Weiterlesen: Heimatverein ergänzt Streuobstwiesen )

  • Ausschließlich alte Sorten gepflanzt

Zehn Kirschbäume alter Sorten fanden dabei am Samstag ihren Platz am Rande einer weitläufigen Rinderweide des Hofes Gretzmann. „Wir wollten nicht nur aus der Natur nehmen, sondern auch etwas Neues pflanzen“, begründete Tobias Gretzmann seinen Entschluss, Fläche für die Pflanzaktion zur Verfügung zu stellen. Fachkundig gestützt und vor Verbiss geschützt, sollen die Bäume schon bald die ersten Kirschen tragen.

Dabei gilt der Einsatz des Heimatvereins nicht allein einer alten, traditionsreichen Kulturlandschaft. Er setzt sich bei der Auswahl der zu pflanzenden Bäume auch bewusst für den Erhalt alter, längst vergessener Sorten ein. Allein die Kirsche ist im Gemeindegebiet mittlerweile mit weit über 300 verschiedenen Sorten vertreten. Über die Bereicherung des Landschaftsbildes freuen sich unterdessen nicht nur die Wanderer, die an den blühenden Inseln vorbeikommen.

  • Nächste Pflanzaktion im November 2017

„Die Streuobstwiesen dienen auch dem Erhalt der Artenvielfalt“, betonte Rainer Rottmann. Sein Engagement will der Heimatverein deshalb im kommenden Jahr fortsetzen. Wer geeignete Flächen für die nächste Anpflanzung zur Verfügung stellen möchte, der kann sich an Vorstandsmitglied Markus Hestermeyer unter Telefon 05401/97744 wenden.

Ein Artikel von Petra Ropers