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Gut Altenhagen
links im Hintergrund das Herrenhaus von 1717,
rechts im Vordergrund das Pfortenhaus von 1712 mit rundbogiger Durchfahrt und Schießscharten.

Im Jahre 2017 wird das sogenannte „Herrenhaus“ auf dem ehemaligen „Gut Altenhagen“ 300 Jahre alt. Es ist damit das viertälteste aus Stein errichtete Gebäude in der Gemeinde Hagen a.T.W.

Hier ein kurzer geschichtlicher Rückblick:

Als der in Altenhagen gelegene Vollerbenhof Eversmann am Ende des 30-jährigen Krieges (1618-1648) in Konkurs geriet und der bisherige Bauer Cord Eversmann seine „meyerstattische Gerechtigkeit“ verlor, musste er seinen Hof binnen 6 Wochen räumen oder“ mit dem Willen des adligen Grundherrn leben“. Cord Eversmann zog notgedrungen in ein Nebengebäude des Hofes, wo er am 4. Februar 1660 eines plötzlichen Todes starb. Seine Witwe nahm sich daraufhin am 13. März 1660 mit einem Gifttrank das Leben.

Im Haupthaus des Hofes wohnte seit 1652 der neue Grundherr und Eigentümer, der adelige Hauptmann Hieronimus von Winsheim mit seiner Familie. Seine Versuche den ehemaligen Bauernhof Eversmann zu einem steuerfreien Adelssitz zu machen, scheiterten, weil die Gemeinde Hagen und die Landesregierung in Osnabrück die Umwandlung eines abgabepflichtigen Hofes in ein abgabefreies „Gut“ nicht akzeptieren wollten.

Der Sohn und Erbe, Franz Wilhelm von Winsheim, ließ daher „auf der Hardt“ (heute Anwesen Hestermeyer, Osnabrücker Straße 46) mehrere Waldgrundstücke roden und errichtete dort eine neue Hofstelle, die nunmehr die öffentlichen Lasten des früheren Hofes Eversamnn tragen sollte. Den neu aufgelegten Hof nannte man zunächst „Eversmann auf der Hardt“ und  später „Hartmeyer“. Durch diesen Trick gelang es Franz-Wilhelm von Winsheim schließlich im Jahre 1698 für die ehemalige Hofstelle Eversmann doch noch eine Steuer- und Abgabenfreiheit sowie das Recht zur „Fortifikation“, also zur Befestigung, zu erhalten. Gemäß dem erteilten Recht zur Befestigung wurde der gesamte Hofbereich zunächst mit einer Steinmauer umgeben und 1712 ein steinernes Pfortenhaus errichtet. Anschließend wurde der Bau eines repräsentativen Wohnhauses aus Stein begonnen. Noch vor Fertigstellung dieses „Herrenhauses“ verstarb Franz Wilhelm von Winsheim kinderlos am 29. Januar 1714. Seine Witwe Katharina Sophia von Böselager (* um 1660, † 12.10.1726 in Altenhagen) ließ den Bau des Herrenhauses 1717 vollenden und versah ihn – trotz des zuvor erfolgten Todes ihres Ehemannes – mit einer wappenverzierten Portalinschrift, die beide Eheleute als Bauherren ausweist.


Eingangsportal des Gutes Altenhagen (Foto 1985)

Die Grundmauern des Herrenhauses sind ca. 1,50 Meter dick und ca. 4 Meter tief. Dies war erforderlich, weil das Herrenhaus zunächst mit einem für Adelssitze typischen Wassergraben nebst Zugbrücke umgeben war. Der Wassergraben wurde erst in den 1820er Jahren nach und nach zugeschüttet, zumal auch die Zugbrücke inzwischen marode war und eine kostspielige Reparatur erforderlich gewesen wäre. Auf dem Dachboden des Herrenhauses lag noch vor einigen Jahren das hölzerne Spillenrad für die einstmals vorhandene Zugbrücke.

Ausschnitt aus der Vermessungskarte von J.W. Du Plat 1986 (rot umrandet der Bezirk des Gutes Altenhagen)

Blick durch das Pfortenhaus auf die Eingangstür des Herrenhauses

Nördlich gegenüber dem „Gut Altenhagen“ lag ein Platz, der früher „auf dem Tigge“ bzw. „der Thiekamp“ genannt wurde (Thie = Versammlungsplatz).
Ein altes Register des Gutes Altenhagen berichtet: Bis etwa zum Jahre 1800 kam „dreimal im Sommer eine Prozession von Hagen daher und hielt auf diesem Platze unter den beiden vor dem Thore (=Pfortenhaus) stehenden Linden eine Station“. Die Hagener Bauern behaupteten, dieser Platz sei kein Privatgrundstück, sondern Gemeindegrund. Vielleicht war hier früher der Standort der ersten Hagener Kirche, bevor sie im Hochmittelalter von
(Alten-)Hagen nach Beckerode verlegt wurde?

Weil die Prozessionsteilnehmer in alter Zeit von den adligen Bewohnern des „Gutes Altenhagen“ an der Station mit Speise und Trank verpflegt wurden, nannte man das Herrenhaus im Volksmund bald auch „uppe Küörken“ (=auf der Küche). Alex Franksmann, der letzte Pächter des Gutes Altenhagen, hat heute noch den Beinamen „Küörkenwerth“. Nach einer Renovierung des Herrenhauses und des Pfortenhauses in den Jahren 1992-1995 wird das Herrenhaus von Verwandtschaft der Familie Ostman von der Leye bewohnt. Zu weiteren Einzelheiten zur Entstehung und Geschichte des Gutes Altenhagen siehe Ortschronik Hagen a.T.W., Seiten 424-434.

Rainer Rottmann
Heimatverein Hagen a.T.W.

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