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Bei den Bauarbeiten zur Anlegung des Rathausvorplatzes wurde nördlich, parallel zur heutigen Kirchhofsmauer noch der Rest einer weiteren, scheinbar weitaus älteren Kirchhofsmauer aus Bruchstein entdeckt. Dieses ältere Mauerwerk wurde zu Beginn der Baumaßnahmen entfernt, um u. a. Platz für die Restaurierung der heute noch stehenden Kirchhofsmauer zu schaffen.

Ca. 15 Meter westlich dieser alten Mauerreste, also in Richtung Rathaus gesehen, stieß man bei Baggerarbeiten zur Anlegung einer Regenwasserzisterne auf ein in Ost-West-Richtung verlaufendes, ca. 1,20 Meter tiefes und 0,90 Meter breites Fundament der älteren Mauer. Nachdem dieses alte Fundament beseitigt war, wurden in ca. 1,80 Meter Tiefe Reste eines weiteren, massiven Mauerwerkes vorgefunden. Dieses scheinbar horizontal verlaufende, ca. 0,40 Meter starke Mauerwerk lag direkt südlich des alten Mauerfundamentes, hatte aber keinerlei Kontakt zu diesem (vgl. Fotos).

Der Bereich unmittelbar über dem horizontal liegenden Mauerwerk war mit Mutterboden, Dachziegelbruch, Knochen und Sargresten verfüllt. Darüber lag eine ca. 5 cm dicke helle Laufschicht und darüber ca. 50 cm aufgefüllter Mutterboden (vgl. Fotos).

Doch welche Funktion könnte ein derartig tief im Boden gelegenes Mauerwerk dereinst gehabt haben?

Aufgrund der DuPlat‘schen Karte von 1787 und der historischen Aktenlage geht der Autor davon aus, dass es sich bei den tief gelegenen Mauerresten um Relikte des seit dem Mittelalter bis zum Jahre 1791 auf dem Kirchhof zu Hagen stehenden „Beinhauses“ gehandelt hat (vgl. Auszug aus der DuPlat‘schen Karte 1787).

Das Dorf Hagen Anno 1787 (DuPlat’sche Karte).

Ein „Beinhaus“ (lateinisch „Ossuarium“, von „os“ = Knochen) war ein überdachter Raum, der zur Aufbewahrung von menschlichen Gebeinen bestimmt war. Ein Zuwachs in der europäischen Bevölkerung machte die Anlegung von Beinhäusern im 11. und 12. Jahrhundert erforderlich. Als Friedhöfe dienten zu jener Zeit die um die jeweilige Kirche gelegenen und mit einer Mauer umzogenen Kirchhöfe.

Durch zunehmende Bevölkerung ergab sich das Problem, dass man bei Neubestattungen immer öfter auf unverweste Leichenteile, also Knochen aus früheren Bestattungen stieß. Da nach altem Volksglauben nur derjenige das ewige Leben erlangen konnte, der bis zum Jüngsten Tag in oder auf geweihter Erde ruhte, wurden die exhumierten Knochen der Vorverstorbenen entweder in einer Krypta unter dem Altar einer Kirche oder aber gesondert in einem auf dem Kirch-/Friedhof errichteten „Beinhaus“ deponiert. Solche mittelalterlichen Beinhäuser waren zumeist zweigeschossig, bestehend aus einem oberirdischen (Kapellen-) Raum und einem gruftartig, mehrere Meter in den Boden eingetieften und in der Regel gewölbten Untergeschoss. In dem oberirdischen Raum war oftmals eine Pietà aufgestellt. Vielleicht stand auch die heute in der St. Martinus-Kirche befindliche Pietà ursprünglich im Hagener Beinhaus.

Ein (Ge-) „Beinhaus“ wird im Kirchspiel Hagen erstmals 1625 erwähnt: „ Das Beinhaus neuwes aufgezimmert, gekostet 2 Thaler, 2 Schilling, Pfannen auf das Beinhaus…“.

Gleichwohl heißt es bei der Hagener Kirchenvisitation vom 05.09.1651, also kurz nach dem 30-jährigen Krieg: „Die Mauern des Friedhofes sind gänzlich zerstört und lassen dem Vieh den Weg [zu den Gräbern] offen. Das baufällige Beinhaus ist nicht gut gedeckt … das Beinhaus ist gut zu decken …“.

1653 ließ die Kirchspielsgemeinde „das Beinhaus reparieren und hatte dazu 40 Nägel schlagen lassen“. Bei einer Kirchenvisitation des Jahres 1762 wird erwähnt, der Kirchhof sei rundherum mit einer Mauer versehen und das „Ossuarium“ (Beinhaus) sei an diese Mauer angelehnt, außerdem werde das Beinhaus als Begräbnisstelle für jene Kinder genutzt, die kurz nach der Geburt ohne Taufe verstarben. Das Beinhaus diente aber auch anderen öffentlichen Belangen. Im Jahre 1787, dem Jahr der Anfertigung der DuPlat‘schen Karte heißt es nämlich, die im Dorf Hagen vorhandene „Feuersprütze“ werde in einem besonderen Gebäude an der Kirchhofsmauer, dem Beinhaus, aufbewahrt.

Laut Kirchenrechnungen kam es 1791 zur „Niederreißung des Beinhauses“. Bei dieser Gelegenheit dürfte es auch zur Verfüllung des kellerartigen Raumes mit Erde, Ziegelbruch, Knochen und Sargresten gekommen sein. Das unter dieser Verfüllung befindliche, waagerecht verlaufende Mauerwerk könnte die eingestürzte Gewölbedecke der unterirdischen Gruft des Beinhauses gewesen sein.

Vor dem noch erhaltenen Beinhaus in der Gemeinde Naters/ Schweiz steht der Spruch „Was ihr seid, das waren wir, was wir sind, das werdet ihr“.

Rainer Rottmann

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