Das Töpferhandwerk in der Gemeinde Hagen a.T.W. weist eine schon über fünf Jahrhunderte alte Tradition auf. Im 16./17. Jahrhundert, aber auch im 19. Jahrhundert, war Hagen sogar eines der regional bedeutendsten Töpferzentren im nordwestdeutschen Raum.

Die letzte und einzig noch bestehende der Hagener Töpfereien, die Töpferei Niehenke, feierte 2015 ihr 120jähriges Betriebsjubiläum – ein Anlass, die Geschichte der Töpferei hier kurz darzustellen.

Die Töpferei Niehenke ist aus der Töpferei Berkemeyer hervorgegangen. Der in der Großenheide in Hagen gelege­ne Markkötter Berkemeyer hatte, wie einige andere in  Hagen auch, die von den Fran­zosen während der Napoleonischen Besat­zungszeit (1806 - 1813) verfügte Gewer­befreiheit dazu genutzt, auf seinem Hof eine Töpferei einzurichten. 1818 gibt Caspar Heinrich Berke­meyer an, er brenne pro Jahr 4 Öfen a 250 Wurf, also jährlich 1000 Wurf, was durchschnittlich ca. 5000 Stück Irdenware entspricht. 1832 beschäftigte Berkemeyer „3 Knechte und 1 Kostgänger", die wohl als lohnab­hängige Töpfergehilfen oder Gesellen angesehen werden dürfen.

Die Töpferwerkstatt entwickelte sich also gut und war in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts eine der größten Töpfereien in Hagen.                                                                          T

Die Töpferei Niehenke ist aus der Töpferei Berkemeyer hervorgegangen. Der in der Großenheide in Hagen gelege­ne Markkötter Berkemeyer hatte, wie einige andere in Hagen auch, die von den Fran­zosen während der Napoleonischen Besat­zungszeit (1806 - 1813) verfügte Gewer­befreiheit dazu genutzt, auf seinem Hof eine Töpferei einzurichten. 1818 gibt Caspar Heinrich Berke­meyer an, er brenne pro Jahr 4 Öfen a 250 Wurf, also jährlich 1000 Wurf, was durchschnittlich ca. 5000 Stück Irdenware entspricht. 1832 beschäftigte Berkemeyer „3 Knechte und 1 Kostgänger", die wohl als lohnab­hängige Töpfergehilfen oder Gesellen angesehen werden dürfen. Die Töpferwerkstatt entwickelte sich also gut und war in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts eine der größten Töpfereien in Hagen.

1875 war indes ein Schicksalsjahr für die Töpferei Berkemeyer. Innerhalb kurzer Zeit starben der „Seniorchef" Caspar Heinrich Berkemeyer (*1799, +1875) und sein Sohn und Erbe Johann Hermann Rudolf Ber­kemeyer (* 1836, +1875) an Typhus. Ob und wie lange der Töpfereibetrieb auf dem Hof danach noch fortgeführt worden ist, war bislang unbekannt.

Sicher war nur, dass die noch stehende Werkstatt 1895 durch den aus Hagen gebürtigen Töpfer Bernhard Niehen­ke (*1874, +1917) übernommen worden ist. Bernhard Niehenke galt daher bislang als “Firmengründer” der Töpferei Niehenke. Hier geben nun genealogische Daten weitere Erkenntnisse, denn der 1874 in Gellenbeck geborene Bernhard Niehenke entstammt nachweisbar einer alten Töpferfamilie, die in der Jahrhunderte alten Hagener Töpfer- und Zieglertradition wurzelt. Hierzu im Einzelnen:

Hermann Niehenke (1754 in Mentrup, +1827 in Sudenfeld), der Urgroßvater des Bernhard Niehenke, heiratete 1787 Maria Grimmelsmann, eine Nichte des Ziegeleibetreibers Grimmelsmann in Sudenfeld. Hermann Niehenke arbeitete in dessen Ziegelei. Der Sohn Eberhard Heinrich Niehenke (*1799 in Sudenfeld, + in Ankum) heiratete 1829 Catharina Maria Konersmann aus Beckerode. Diese beiden wohnten zunächst in einem Kotten des Bauern Otte in Natrup-Hagen, wo Eberhard als Töpfergeselle arbeitete. Um 1840 zog Eberhard Niehenke, also der Großvater des “Firmengründers” Bernhard Niehenke, von Hagen nach Ankum, um dort als selbständiger Töpfer zu arbeiten.

Am 21.5.1842 wurde dem Ehepaaer Eberhard und Catharine Maria Niehenke in Ankum ein Sohn namens Hermann Heinrich Niehenke geboren, (*1842 in Ankum, + in Gellenbeck). Dieser heiratete, als “Töpfermeister” bezeichnet, am 30.8.1871 in Hagen (!) Anna Maria Hehemann (*1848 in Natrup, +1889 in Gellenbeck). Der berufliche und persönliche Kontakt der Familie Niehenke von Ankum nach Hagen war also nie abgebrochen. Dem Ehepaar wurde am 28.5.1874 in Gellenbeck der Sohn Bernhard Niehenke (*1874, +1917 in Rußland) geboren – der später als “Firmengründer” angesehen wurde.

Aufgrund der obigen Personaldaten ist indes davon auszugehen, dass bereits dessen Vater, der “Töpfermeister” Hermann Heinrich Niehenke, spätestens mit seiner Heirat 1871 nach Hagen zurückgekehrt ist und als Töpfer in der Töpferei Berkemeyer gearbeitet hat. Dies würde auch erklären, warum sein Sohn Bernhard Niehenke (*1874) 1895 im Alter von nur 21 Jahren den ehemaligen Töpfereibetrieb der Familie Berkemeyer übernommen hat. Dieser Töpfereibetrieb war also seit dem Tod der Familie Berkemeyer im Jahre 1875 bis zur Betriebsübernahme durch Bernhard Niehenke im Jahre 1895 nicht 20 Jahre lang verwaist gewesen, sondern war in diesen zwei Jahrzehnten schon durch Hermann Heinrich Niehenke weiter betrieben worden.

Wegen besserer Verkehrsanbindung und günstigerer Lage zu den Tonvorkommen verlegte Bernhard Niehenke den Betrieb im Jahre 1900 von der Großenheide an die Grenze zu Hasbergen in den Ortsteil Natrup-Hagen, wo er neu baute. Während das jetzige Wohnhaus der Familie auf Hasberger Gebiet liegt, befindet sich die Töpferwerkstatt zum Teil noch auf Hagener Gebiet.

Mit der Verlegung des Betriebes erfolgte – bedingt durch die oben erwähnten Absatzschwierigkeiten von Irdenwaren – auch eine Weichenstellung in Richtung Spezialisierung, nämlich hin zur mechanischen Massenprolduktion von tönernen Blumenöpfen. Für die Technisierung des Betriebes nutzte man zunächst einen am Grundstück vorbeifließenden Bach, der über ein Was­serrad die Mechanik trieb.

Der Firmengründer Bernhard Niehenke fiel im 1. Weltkrieg und hat den Aufschwung des Betriebes nicht miterlebt. Unter Leitung seines Sohnes Hermann Niehenke senior (* 1897, +1966) und dessen Sohnes Her­mann Niehenke junior (* 1926, +2001) entwickelte sich der Betrieb zur wohl größten Blumentopffabrik des Osnabrücker Landes. Alther­gebrachtes irdenes Töpfergeschirr wurde nur noch kurzzeitig während und kurz nach dem 2. Weltkrieg und danach nur noch aus besonderen Anlässen oder auf Bestel­lung gefertigt. Es war abzusehen, dass sich die Töpferscheibe irgendwann einmal gar nicht mehr drehen würde.

Eine unter dem Titel „Irdenware des Osna­brücker Landes" im Kulturgeschichtlichen Museum in Osnabrück gezeigte volkskund­liche Ausstellung rief in weiten Teilen der Bevölkerung nicht nur das Bewusstsein an die alte Töpfertradition zurück, sondern führte - wenn auch aus überwiegend nostalgischen Gründen - wieder zu einer verstärkten Nachfrage nach traditionellem Töpfergeschirr. Hermann Niehenke junior entschloss sich daher, die Produktion von Irdenware wieder aufzunehmen, und zwar unter Verwendung alter Formen und Far­ben. Diese traditionsbewusste Variante des „Hagener Geschirrs" fand so guten Absatz, dass die Produktion von Blumentöpfen mehr und mehr eingeschränkt werden konnte und heute nur noch Irdenware hergestellt wird - u. a. Teller, Schüsseln, „Näpkes", Tabaks­töpfe und auch wieder die „Hagener Nach­tigall", ein Tonvogel, wie er bereits in der Töpferei Metzger vor über 200 Jahren her­gestellt worden ist. Um die Vermarktung der Töpfererzeugnisse hat sich Inge Niehenke, Ehefrau von Hermann Niehenke jun., große Verdienste erworben.

Wenn man die aufwendige und anspre­chende Art der Herstellung berücksichtigt, kann man mit Recht sagen, dass hier auf hohem Niveau noch ein Kunst-Handwerk aus­geübt wird, dessen Renaissance in den 1950er und 1960er Jahren kaum für denkbar gehalten worden wäre. Der Betrieb wird von dem Töpfermeister Bernd Niehenke (* 1958) fortgeführt, und zwar in bewusster Anlehnung an die über fünf Jahrhunderte alte Tradition Hagener Töpfer. Von Eberhard Niehenke (*1799) bis zu Bernd Niehenke (*1958) sind es in der Familie mittlerweile sechs Generationen in Folge, die als Töpfer ihren Unterhalt verdient haben.

Im Töpfereimuseum im Obergeschoss des Alten Pfarrhauses sind Töpfereiprodukte von verschiedenen Töpfereien aus fünf Jahrhunderten zu besichtigen.

                                                                                                         Rainer Rottmann

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