500 Jahre Hagener Töpferhandwerk

Die Region Osnabrück gehört zu den traditionsreichen Töpferlandschaften in Deutschland. Nachweislich haben hier schon im Mittelalter kleine Werkstätten für den örtlichen Bedarf produziert. In der Wirtschaftsgeschichte der Gemeinde Hagen a.T.W. spielt das Töpferhandwerk eine wichtige Rolle. Im Laufe der vergangenen Jahrhunderte arbeitete eine Vielzahl von Werkstätten auf dem Gebiet der Gemeinde. Erste indirekte Hinweise auf das Töpferhandwerk in Hagen stammen aus Steuerregistern vom Anfang des 16. Jahrhunderts. Vom 16. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts können nicht weniger als 12 Ziegeleien und mindestens 19 Töpfereien nachgewiesen werden. Pötter, Pöttker oder Pottbäcker sind die niederdeutschen Bezeichnungen für den Töpfer. In Hagen lässt sich der Familienname Pötter bis ins späte Mittelalter zurückverfolgen.

Für die Herstellung von Tongefäßen benötigt man neben Wasser- und Holzreichtum einen Ton, der frei von sandigen und kalkigen Beimischungen ist. Der größte Teil des Hagener Goldbachtales besteht aus Ton- und Schiefertonschichten, die sich im Jura gebildet haben. Ihre Färbung reicht von schwarzblau bis gelbbraun.

Schon die Zahl der zeitgleich in Hagen betriebenen Töpferwerkstätten legt nahe, dass nicht nur für die eigene dörfliche Gemeinschaft produziert worden ist, sondern ein wesentlich größerer Abnehmerkreis mit Hagener Irdenware versorgt wurde.

Ab Mitte der 1980er Jahre haben in Hagen an 3 Standorten früherer Töpfereien, die vom Beginn des 16. Jahrhunderts bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts produziert haben,  archäologische Grabungen stattgefunden. Es wurde umfangreiches Abwurfmaterial geborgen und z. T. restauriert.  Die letzte Hagener Töpferei, die Töpferei Hehemann, hat ihren Betrieb am 1.10.1949 bei der Handwerkskammer in Osnabrück abgemeldet. Das Werkstattgebäude wurde 1976 abgetragen und 1982/83 im Westfälischen Freilichtmuseum Detmold wieder aufgebaut.

Im Grenzbereich Hagen/Hasbergen produziert in der vierten Generation die 1895 in Hagen gegründete und im Jahr 1900 an den heutigen Standort verlegte Töpferwerkstatt Niehenke. Der Betrieb stellte zunächst hauptsächlich Blumentöpfe her. Eine Umstellung in der Produktion brachte die Nachkriegszeit. Neben Blumentöpfen wurde bis 1950 preiswertes und unglasiertes Geschirr hergestellt. Der Strukturwandel in der Blumentopfproduktion führte ab 1974 zur Herstellung von Töpfererzeugnissen nach alten Hagener Formen, Dekoren und Mustern.

 

 

 

 

 

 

 

 

 




Im Jahr 1998 hat das Institut für den Wissenschaftlichen Film in Göttingen die Arbeit der Töpferei unter dem Titel „An die Presse stell ich mich nicht!“ filmisch dokumentiert.

Eine Kurzfassung sehen Sie hier:

Wenn die beiden Generationen vor der Werkstattgründung 1895 mitgerechnet werden, haben sechs Töpfergenerationen der Familie Niehenke von ihrem Handwerk leben können. Eine solch lange Generationsfolge ist im Töpferhandwerk äußerst selten.

Internet: www.niehenke.eu

In den 1980er Jahren hat die Gemeinde Hagen a.T.W., in Zusammenarbeit mit dem Heimatverein Hagen a.T.W. und dem Volkskundler Dr. E. H. Segschneider, im Obergeschoss des im Ortskern gelegenen alten Pfarrhofes von 1723 ein Töpfereimuseum eingerichtet.


Ausgestellt wird das restaurierte Grabungsmaterial von den Werkstätten Alte Tiemann (Beginn des 16. bis Ende 17. Jh.), Metzger (3. Drittel 18. Jh., frühes 19. Jh.) und Diekmann/Haunhorst (19. Jh.). Zu sehen sind ferner  erhalten gebliebene Töpfererzeugnisse der Werkstätten Niedernostheide, Hehemann und Niehenke.  In Form von Schrifttafeln werden den Besuchern Informationen über die Geschichte des Hagener Töpferhandwerks gegeben.

Einen weiteren Akzent bildet die Produktion der Werkstätten Ahaus in Osnabrück-Hellern (1864 – 1964) und Tüting in Ankum. Neben den genannten Töpferproduktionen aus der Region Osnabrück ist auch Konkurrenzware aus Niederschlesien (Zentrum Bunzlau), dem Raum Marburg und Ochtrup vertreten. Steinzeug aus heimischer Produktion und aus entfernteren Produktionsorten ist der Irdenware als eigene keramische Gruppe an die Seite gestellt.

Wir laden zu einem Besuch herzlich ein.

Kontakt: Gemeinde Hagen a.T.W., Rathaus, 49170 Hagen a.T.W., Tel. 0541 97744.

Internet:   www.hagen-atw.de

Literatur:

Ernst Helmut Segschneider „DAS ALTE TÖPFERHANDWERK IM OSNABRÜCKER LAND“

mit besonderer Berücksichtigung der Gemeinde Hagen am Teutoburger Wald und einem Wörterbuch der Hagener Töpfersprache,1983, 375 Seiten.

Ernst Helmut Segschneider „Die Töpferei (Hehemann)“

Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Westfälisches Freilichtmuseum Detmold, 1985, 48 Seiten.

Hermann Gerdsen „Alte Tiemann“ Eine Töpferei des 16. und 17. Jahrhunderts in Hagen am Teutoburger Wald, Landkreis Osnabrück, mit einem Beitrag von Rainer Rottmann über Töpfereien des 16. und 17. Jahrhunderts in Hagen a.T.W., 1991, 311 Seiten.

„DER POTTBÄCKER AM HÜGGEL“ FESTSCHRIFT ZUM 100-JÄHRIGEN BESTEHEN DER TÖPFEREI NIEHENKE. Von Dr. Ernst Helmut Segschneider, 1995.

Ernst Helmut Segschneider
„Drei Töpferwerkstätten der Region Osnabrück (Töpferei Hehemann in Hagen a.T.W. – Gellenbeck, Werkstatt Ahaus in Osnabrück-Hellern, Töpferei Niehenke in Hasbergen) und ihr Fortleben nach dem Zweiten Weltkrieg: Tradition, Traditionalismus und neue Wege“
In „Auf tönernen Füßen – Töpferhandwerk in Westfalen-Lippe im Industriezeitalter“
Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Westfälisches Museumsamt, Münster 2002

Ernst Helmut Segschneider
„Das Osnabrücker Geschirr des 19. und frühen 20. Jahrhunderts –
Spitzenerzeugnisse und ihre Identitätsmerkmale“
Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde 2007
Osnabrücker Mitteilungen 2010