Kirschwanderweg 1

Lucien, Hedelfinger und Grolls Schwarze:
Ein Streifzug zu den Kirschen Hagens (ca. 4 km)

Dauer der Wanderung: ca. 90 Minuten

Die Strecke kann auch von Rollstuhlfahrern mit Begleitpersonen bewältigt werden.

 

Liebe Gäste!

Herzlich willkommen in Kirschenhagen! Wir haben für Sie einen Rundwan¬derweg vorbereitet, auf dem Sie einen Einblick in die biologische Vielfalt der Süßkirschen Hagens erhalten werden. Zunächst finden Sie hier die Wegführung und einige Sorteninformationen in Textform. Am Ende dieser Beschreibung finden Sie auch eine Karte.
Eine Bitte: Sollte Ihnen auf dem Weg etwas auffallen, das in dieser Beschreibung geändert oder berücksichtigt werden sollte (dass z.B. ein Hinweisschild fehlt) – bitte notieren Sie dies und geben diesen Hinweis im Rathaus ab. Vielen Dank dafür!
Ausgangspunkt des Rundgangs ist die Ehemalige Kirche gleich neben dem Rathaus. Dieses Gebäude wird seit vielen Jahren nicht mehr als Kirche genutzt. Es dient heute als Konzert- und Ausstellungssaal.
Gehen Sie von der Ehemaligen Kirche einige Meter treppab auf die neue Kirche St. Martinus zu, überqueren Sie die Martinistraße und folgen Sie dem Straßenverlauf einige Meter nach links. Biegen Sie dann rechts ab. Sie passieren das Alte Pfarrhaus und den Kindergarten. Im Park biegen Sie in den ersten Weg nach links ab, bei der nächsten Möglichkeit dann nach rechts. In Höhe der Brücke über den Teich biegen Sie nach links ab und folgen dem Fußweg in die Siedlung. Überqueren Sie den Brooksweg und gehen Sie die Weidenstraße entlang bis zum Brinkweg. Nun biegen Sie rechts ab in den Beckeroder Platz. Hier am Eingang des Freibads stehen einige Kirschbäume. Folgen Sie der Straße Beckeroder Platz bis zum Neuen Kamp, dann links ab in Richtung Süden weiterwandern! Ab Hausnummer 18 begleiten Sie große Wildkirschen auf Ihrem Weg in südlicher Richtung.
An der Wegkreuzung hinter dem Hof Krützmann mit seinem alten Baumbe¬stand gehen Sie nach links in die Straße Am Borgberg. Folgen Sie dieser Straße am Pferdehof Beckerode vorbei zum Gasthaus Blüsen. Überqueren Sie die Straßenkreuzung geradeaus. Auf der Wiese hinter dem Gasthaus stehen zwei Kirschbäume. Der größte Baum auf dieser Wiese, etwas weiter südlich vom Haus stehend, gehört zu einer Sorte, die für Hagen typisch ist: Es ist eine Lucienkirsche. Diese Sorte wurde um 1800 bei Bremen entdeckt und von dort verbreitet, später jedoch vergessen. Sie galt bis vor kurzem in Deutschland als ver¬schollen, denn sie war in keinem Reisermuttergarten oder Obstbauinstitut mehr erhältlich, Obstexperten konnten keine Standorte mehr nennen. In Ha¬gen ist diese robuste Sorte jedoch noch häufig anzutreffen. In vollreifem Zustand sind ihre platzfesten, gelb-rötlichen Früchte sehr aromatisch.
Folgen Sie nun dem Hauptweg bergan. Sie laufen direkt auf eine große Streuobstwiese mit rund 20 Kirschbäumen zu, die jedoch leider nicht mehr alle in einem guten Zustand sind. Anders als in vielen anderen deutschen Kirschanbaugebieten gibt es in Hagen keine Kirschbaumplanta¬gen, in denen auf geringer Fläche zahlreiche Bäume in dichtem Abstand stehen. Hier wurden Kirschbäume immer in Streulagen angepflanzt. Und es wurden zumeist Bäume mit starkwüchsigen Veredelungsunterlagen ange¬pflanzt, sog. Hochstammbäume. Das ist auf dieser Wiese deutlich zu erken¬nen. Man erkennt aber auch das Problem – viele alte Kirschbäume sind abgestorben oder sind in keinem guten Zustand mehr. Nachpflanzungen sind dringend nötig!
Biegen Sie am Waldrand nach links in das Pättken ab, dem Sie einige Meter bergab durch das Wäldchen bis zum nächsten Weg folgen. Hier bie¬gen Sie rechts ab und gehen am Waldrand entlang. Genießen Sie den schö¬nen Blick über Hagen. Nach dem Passieren zweier hübscher Landhäuser und des Hofes Rottmann gelangen Sie zu einer schönen Streuobstwiese links des Weges. Zunächst gehen Sie an einer Große Schwarze Knorpelkirsche vorbei (dahinter näher am Haus steht eine zweite). Diese in Deutschland weit verbreitete Sorte ist seit ca. 1540 bekannt. Ihre tiefroten Früchte schmecken frisch ebenso wie als Kom¬pott. Rechts davon steht direkt am Weg ein stattlicher Baum der Sorte Teickners Schwarze Herzkirsche. Diese robuste, aus dem Harz stam¬mende Sorte mit ihren schwarzroten Früchten gilt unter Experten als sehr wertvoll und ist insbesondere in Ostdeutschland häufig anzutreffen. Es folgt eine Schneiders Späte Korpelkirsche. Sie geht auf einen Zufallssämling aus dem branden-burgischen Guben zurück, die ab etwa 1865 in ganz Deutschland verbreitet wurde und bis heute in Baumschulen angeboten wird. Sie ist meist von starkem Wuchs mit steilen Leitästen und einer Neigung zu Zwillingsstämmen. Ihre wohlschmeckenden, leicht würzigen Früchte sind frisch ebenso wie konserviert ein großer Genuss. Schneiders Späte Knorpelkirsche, eine auf einen Zufallssämling aus dem brandenburgischen Guben zurückzuverfolgende Sorte, die ab etwa 1865 in ganz Deutschland verbreitet wurde und bis heute in Baumschulen angeboten wird. Sie ist meist von starkem Wuchs mit steilen Leitästen und einer Neigung zu Zwillingsstämmen. Ihre wohlschmeckenden, leicht würzigen Früchte sind frisch ebenso wie konserviert ein großer Genuss. Der nächste Baum ist Schubacks Früher Herzkirsche, deren Früchte leicht mit der Teickners verwechselt werden können. Diese aus dem Alten Land stammende Sorte ist ebenfalls weit verbreitet, wird jedoch von Baumschulen nur noch selten angeboten. In Hagen gehörte sie einst zu den Hauptsorten. Ihre Blüten gelten als besonders schön, ihre wohlschmecken¬den Früchte haben einen zarten Bitterton und sind aufgrund ihrer frühen Reife i.d.R. madenfrei. Es folgt eine Große Prinzessin. Ihre Früchte reifen mittelfrüh, sind gelborange mit einem roten Bäckchen und eignen sich hervorragend zum Einkochen und für Marmelade.
Folgen Sie nun dem Weg bis zur nächsten Wegkreuzung. Bevor Sie nun links bergab nach Hagen zurück gehen, können Sie die Bergstraße ein Stück bergauf bis zur nächsten Kreuzung gehen. Dort steht rechts eine Flamentiner am Weg. Die Sorte ist wahrscheinlich in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts in Nordfrankreich entstanden. In Hagen a.T.W. ist sie unter dem Lokalnamen "Leggeske" bekannt. Auf den Fahner’schen Höhen bei Gotha sollen um 1900 über 20.000 Bäume der Sorte gestanden haben. Dennoch galt sie als verschollen, bis sie in Hagen a.T.W. wieder entdeckt wurde.
Gehen Sie nun die Bergstraße wieder hinunter bis zum Wanderparkplatz. Hier steht ein noch junger Wildkirschbaum. Die Wildkirsche ist die Ausgangsform unserer Kulturkirsche und prinzipiell auch essbar. Da die Früchte aber sehr klein sind, haben sie im Verhältnis zum Stein nur wenig Fruchtfleisch. Sie schmecken aber meist sehr aro-matisch. .
Nach dem Überqueren der Straße Am Borgberg findet sich rechts am Weg noch eine Große Schwarze Knorpelkirsche. Hier stand bis vor Kurzem ein Baum der Sorte Grolls Schwarze. Sie gilt als wenig krankheitsanfällig, ihre schwarzroten Früchte sind von exzellentem Geschmack. In Hagen stehen von dieser Sorte nur noch wenige Bäume, und Neuanpflanzungen sind dringend nötig, um den Erhalt dieser hochwertigen, doch fast vergessenen Sorte zu sichern.
Gehen Sie nun die Bergstraße weiter bergab über die Goldbachbrücke an der Dallmühle vorbei bis zur Iburger Straße. Folgen Sie dem Straßenverlauf am Schuhhaus Plogmann vorbei zum Dorfbrunnen und weiter bis zum Hagener Trommler vor dem Hotel Kriege. Von hier sind es nur noch wenige Meter bis zum Ausgangspunkt des Rundgangs.

Die Kirschgemeinde Hagen a.T.W. wünscht Ihnen einen angenehmen Aufenthalt in Hagen. Viele Restaurants und Cafés laden zum Verweilen ein. Das Bürgerbüro im Rathaus hält eine Auswahl teils sortenreiner Hagener Kirschprodukte für Sie bereit – nur solange der Vorrat reicht! Guten Appetit und sehr zum Wohle!

Die Kirschgemeinde Hagen a.T.W. wünscht Ihnen einen angenehmen Aufenthalt in Hagen. Viele Restaurants und Cafés laden zum Verweilen ein. Das Bürgerbüro im Rathaus hält eine Auswahl teils sortenreiner Hagener Kirschprodukte für Sie bereit – nur solange der Vorrat reicht! Guten Appetit und sehr zum Wohle!


© Gemeinde Hagen am Teutoburger Wald (2014)
Text: Dr. Edgar Klinger, Dr. Anja Oetmann-Mennen
Bereitstellung der Sorteninformationen: Hans-Joachim Bannier und Dr. Annette Braun-Lüllemann

Karte zum Kirsch-Wanderweg 1:
Kartengrundlage: www.geoportal.de