Kirschwanderweg 2

Von Gelb bis Schwarz:
Das Farbspiel der Kirschsorten in Hagen
Länge der Wanderung: ca. 4,5 km
Dauer der Wanderung: ca. 100 Minuten

 

Liebe Gäste!

Herzlich willkommen in Kirschenhagen! Wir haben für Sie einen Rundwan¬derweg vorbereitet, auf dem Sie einen Einblick in die biologische Vielfalt der Süßkirschen Hagens erhalten werden. Diese Wanderung ist besonders schön zur zeit der Kirschreife (etwa Juni/Juli). Zunächst finden Sie hier die Wegführung und einige Sorteninformationen in Textform. Am Ende dieser Beschreibung finden Sie auch eine Karte.
Eine Bitte: Sollte Ihnen auf dem Weg etwas auffallen, das in dieser Beschreibung geändert oder berücksichtigt werden sollte (dass z.B. ein Hinweisschild fehlt) – bitte notieren Sie dies und geben diesen Hinweis im Rathaus ab. Vielen Dank dafür!
Ausgangspunkt des Rundgangs ist der Platz zwischen Rathaus und Ehema¬liger Kirche. Dieses Gebäude wird seit vielen Jahren nicht mehr als Kirche genutzt. Es dient heute als Konzert- und Ausstellungssaal.
Gehen Sie rechts an der Ehemaligen Kirche vorbei und folgen Sie am Fuß der Treppe der Straße Am Kirchplatz nach rechts. Vor dem Hotel Kriege passieren Sie den Hagener Trommler. Diese Bronzestatue erinnert an die Marktausrufer, die früher in Hagen den Be-ginn des Viehmarktes bekannt gaben. Der Ferkelmarkt ist bis heute Bestandteil der Hage-ner Herbstkirmes.
Nun geht es weiter entlang der Iburger Straße auf der linken Straßenseite bis zum Dorf-brunnen. Folgen Sie ab hier der nach links abzweigenden Straße Am Dorfbrunnen. Auf der rechten Straßenseite stehen auf einer Wiese viele Wildkirschbäume. Am Sportbeklei-dungsgeschäft biegen Sie nach rechts in die Alte Straße ein, der Sie nun über einen Hügel folgen. Nach einigen hundert Metern gehen Sie nach links weiter in die Straße Im Brook, der Sie nun ortsauswärts folgen. Nach wenigen Metern sehen Sie am linken Straßenrand einen alten Baumriesen. Es handelt sich um eine Grolls Schwarze. Ihre schwarzroten Früchte sind sehr aromatisch, jedoch wenig platzfest. Kurz vor der Brücke über den Poggenbach stehen links am Fußweg zur Siedlung sechs Kirschbäume der Sorte Van, einer in der Reife dunkelroten Knorpelkirsche, einer Neuzüchtung aus den 60er Jahren.
Folgen Sie nun weiter der Straße Im Brook über den Poggenbach vorbei an vielen hüb-schen Anwesen. Bald gelangen Sie zu einem Wald. Nach einer scharfen Linkskurve überqueren Sie den Poggenbach ein weiteres Mal und beginnen nun mit dem Anstieg zum Ellenberg. Geradeaus bergan steht am rechten Straßenrand der Brückenstraße ein Kirschbaum einer seltenen Sorte: Es handelt sich um Dönissens Gelbe Knorpelkirsche, die in Brandenburg entstanden ist und seit 1825 verbreitet wurde. Diese Kirsche ist im reifen Zustand blass gelb. Die Früchte sind platzanfällig und druckempfindlich, werden wegen ihrer Fruchtfarbe jedoch nur selten von Vögeln geplündert. Etwas weiter bergan findet sich am rechten Straßenrand direkt an einem Haus eine Große Prinzessin. Die auffallend orangeroten Früchte dieser Sorte sind sehr wohlschmeckend, jedoch platzanfällig und druckempfindlich. Sie müssen nach der Ernte rasch verarbeitet werden.
Einige Schritte weiter steht im Garten links der Straße eine Hedelfinger. Diese aus Ba-den-Württemberg stammende Sorte gehört heute zu den in Deutschland am weitesten verbreiteten Süßkirschensorten. Sie ist in den Sortimenten der meisten Baumschulen anzutreffen und wird von Gartenbe¬sitzern gerne gepflanzt. Von dieser dunkelroten, aromatischen und saftigen Tafelkirsche gibt es eine früh- und eine spätreifende Variante.
Biegen Sie an der nächsten Wegkreuzung nach rechts in den Wiesentalweg ab. Der nächste Kirschbaum am rechten Straßenrand ist eine Lucienkirsche. Diese Sorte wurde um 1800 bei Bremen entdeckt und von dort verbreitet, später jedoch vergessen. Sie galt bis vor kurzem in Deutschland als verschollen, denn sie war in keinem Reisermuttergarten oder Obstbauinstitut mehr erhältlich, Obstexperten konnten keine Standorte mehr nennen. In Hagen ist diese robuste Sorte jedoch noch häufig anzutreffen. In vollreifem Zustand sind ihre platzfesten, gelb-rötlichen Früchte sehr aromatisch.
Gehen Sie nun einige Meter zurück und biegen Sie in die Straße Am Ellenberg ab. Ent-lang dieser Straße bieten sich dem Wanderer zahlreiche Aussichten, die man in Nord-deutschland kaum erwartet. Folgen Sie nun der Straße zunächst nach links, dann nach rechts. Hinter der scharfen Rechtskurve steht am Hang rechts der Straße eine stattliche Schöne aus Marienhöhe. Die schwarzroten Früchte dieser Sorte gehören zu den wohl-schmeckendsten Kirschen Mitteleuropas. Folgen Sie nun der Straße durch das Wäldchen und genießen sie anschließend den Blick über Hagen. Hinter dem ersten Haus auf der linken Straßenseite steht eine Hedelfinger und hinter der Garage eine Schneiders Späte Knorpelkirsche. Letztere wurde nach dem Eigentümer des Grundstücks be¬nannt, auf dem sie erstmals um 1860 in Brandenburg entdeckt wurde. Ihre Früchte werden erst in vollreifem Zustand dunkelrot, das Fruchtfleisch ist ungewöhnlich hell, der Saft kaum färbend. Die Kirschen dieser Sorte haben einen exzellenten Geschmack, sind jedoch sehr platzanfällig.
Weiter der Straße folgend passieren Sie nach dem Haus Nr. 24 rechts zwei große am Waldrand stehende Kirschbäume: eine Weiße Spanische mit auffallend gelb-hellroten Früchten, eine mittelspät reifende rotbunte Große Prinzessin. Schräg gegenüber dieses Baumes steht am linken Straßenrand zwischen den Grundstücken Nr. 26 und 28 Büttners Rote Knorpelkirsche. Auch diese Sorte ist im reifen Zustand gelblich-rötlich gefärbt, wobei die roten Farbanteile überwiegen. Die Sorte ist seit 1795 bekannt und gilt als wohlschmeckende Tafelkirsche. Der nächste Baum auf der linken Straßenseite nach dem Grundstück Nr. 28 ist eine Flamentiner, eine hell-rotbunte Herzkirsche, die in Hagen unter dem Namen „Leggeske“ bekannt ist..
In der bald folgenden lang gezogenen Rechtskurve biegen Sie nach links in einen Feld-weg ab und gehen am Bauernhof vorbei. Sie gelangen in Kürze wieder auf die Brücken-straße, der Sie nun nach links folgen. Hier auf der Wiese links der Straße stehen ein wei-terer Baum von Büttners Roter Knorpelkirsche, eine Wildkirsche und eine Große Schwarze Knorpel¬kirsche. Nach dem Passieren der Blumengroßhandlung Otten ist rechts am Wegrand zwischen den Grundstücken Nr. 4 und 7 eine Sauerkirsche der Sorte Ludwigs Frühe zu sehen, kurz danach eine weitere Hedelfinger. Im Kreuzungsbereich zum Haskamp steht rechts ein Baum der Sorte Späte Spanische, auch Late Spanske genannt. Ihre Früchte sind dunkelrot, in der Vollreife schwarz. Sie sind aromatisch mit leichtem Bitterton und für den Frischverzehr, sehr gut vor allem für Obstbrand und andere Verarbeitungszwecke geeignet. Hier stand bis vor wenigen Jahren noch eine stattlicher Schöne aus Marienhöhe. Leider wurde sie durch einen Blitzeinschlag gefällt.
Folgen Sie nun dem Haskamp bis zur Alten Straße, die Sie in Höhe der Blumenhandlung überqueren. Gehen Sie an diesem Geschäft links vorbei und biegen Sie dann nach rechts in die Jahnstraße ab. Folgen Sie dieser Straße bis zur Dorfstraße. Hier sehen Sie die Außenmauer der Ehemaligen Kirche wieder. Sie haben den Ausgangspunkt der Wanderung erreicht.

Die Kirschgemeinde Hagen a.T.W. wünscht Ihnen einen angenehmen Aufenthalt in Hagen. Viele Restaurants und Cafés laden zum Verweilen ein. Das Bürgerbüro im Rathaus hält eine Auswahl teils sortenreiner Hagener Kirschprodukte für Sie bereit – solange der Vorrat reicht! Guten Appetit und sehr zum Wohle!


© Gemeinde Hagen am Teutoburger Wald (2014)
Text: Dr. Edgar Klinger, Dr. Anja Oetmann-Mennen
Bereitstellung der Sorteninformationen: Hans-Joachim Bannier und Dr. Annette Braun-Lüllemann