Kirschwanderweg 3

Der Kronenweg:
Vom Wuchs als Sortenmerkmal
der Hagener Kirschsorten
Länge der Wanderung: ca. 10,5 km
Dauer der Wanderung: ca. 4 Stunden

Liebe Gäste!

Herzlich willkommen in Kirschenhagen! Wir haben für Sie einen Rundwanderweg vorberei¬tet, auf dem Sie einen Einblick in die biologische Vielfalt der Süßkirschen Hagens erhalten werden. Zunächst finden Sie hier die Wegführung und einige Sorteninformationen in Textform. Am Ende dieser Beschreibung finden Sie auch eine Karte.
Eine Bitte: Sollte Ihnen auf dem Weg etwas auffallen, das in dieser Beschreibung geän-dert oder berücksichtigt werden sollte (dass z.B. ein Hinweisschild fehlt) – bitte notieren Sie dies und geben diesen Hinweis im Rathaus ab. Vielen Dank dafür!
Diese Wanderung führt Sie in einen der schönsten Ortsteile Hagens, nach Mentrup. Hier wer-den Sie kennen lernen, welche Kirschsorten für unsere Gemeinde typisch waren und sind. Und Sie werden einen Blick dafür entwickeln, dass Kirschbäume verschiedener Sorten unter-schiedliche Wuchsformen zeigen. Neben Frucht- und Steinmerkmalen sowie Blüh- und Rei-fezeitpunkten ist die Wuchsform ein wichtiges Merkmal für die Sortenbestimmung bei Kir-schen durch geschulte Fachleute.
Der Rundgang beginnt an der ehemaligen Kirche. Sie verlassen den Platz vor der Kirche in westlicher Richtung und gehen am Rathaus vorbei die Stufen hinab in Richtung der neuen Kirche. Überqueren Sie die Martinistraße, folgen Sie dieser Straße einige Meter nach links bis zur nächsten Straßeneinmündung. Hier biegen Sie nach rechts ab und folgen der kleinen Allee am Alten Pfarrhaus vorbei. Kurz danach sehen Sie auf der linken Seite das Martinusheim, eine Jugendfreizeiteinrichtung der katholischen Kirchengemeinde. Gehen Sie auf den Eingang des Martinusheims zu, dann links am Gebäude vorbei. Auf dem kleinen Fußweg zwi¬schen dem Heim und dem Parkplatz des Alten Pfarrhauses gelangen Sie in eine kleine Park¬anlage, die Sie geradeaus durchqueren. Bald stoßen Sie auf den Brooksweg, dem Sie weiter geradeaus folgen. Nun geht es weiter entlang der Iburger Straße bis zum Schuhhaus Plog¬mann. Hier biegen Sie halbrechts ab und folgen der Bergstraße. Nach ca. 100 Metern zweigt links die Straße An der Dallmühle ab – und parallel dazu links daneben ein Fußweg, dem Sie nun bis zu einem Teich folgen. Dieser Teich wird vom Dillbach und dem Poggenbach ge¬speist und dient auch als Regenrückhaltebecken. Gehen Sie links am Teich entlang bis Sie nach einer Brücke zu einer Weggabelung kommen, an der Sie wiederum links weitergehen und den Teich verlassen. Nach wenigen Metern überqueren Sie die Iburger Straße und gehen auf dem Fuß- und Radweg in Richtung Bad Iburg. Sie gehen am Dillbach entlang und können nach wenigen hundert Me¬tern eine erste Rast am „Dillbacheck“ machen, wo eine Wassertretstelle im Bachlauf einge¬richtet worden ist. Der Dillbach wurde hier mit Steinplatten befestigt und kann bei Bedarf mittels einer Edelstahlplatte an der Brücke aufgestaut werden. So wird der Dillbach zur Wassertretstelle. Direkt gegenüber der Ruhebank steht hier, durch die anderen hohen Bäume ein wenig bedrängt, eine Wildkirsche.
Der weitere Weg steigt etwas an und trifft wieder auf die Iburger Straße. An der nächsten Stra-ßenkreuzung überqueren Sie die Iburger Straße und folgen nach rechts der Straße Zum Erika-See. Von der Hügelkuppe eröffnet sich eine bezaubernde Aussicht auf die Gemarkung Mentrup und, bei gutem Wetter, nach Westen bis nach Ibbenbüren. Folgen Sie dem Straßenverlauf nach links. Bald passieren Sie den Hof Haunhorst, wo Sportpferde gehalten und ausgebildet werden. Rechts von den Stallungen stehen in einer Pferdeweise meh¬rere Kirschbäume.
Am Ende der Straße biegen Sie nach links ab und folgen der Straße Am Knippel. Schon bald sehen Sie am rechten Straßenrand vier Kirschbäume, nämlich zunächst zwei Lucienkirschen und danach zwei Schubacks Frühe Schwarze. Die Lucienkirsche lässt sich bis in die Zeit um 1800 zurückverfolgen, als sie vom Rentmeister Uellner auf dem Gut Alt-Lüneburg nahe Bremen aufgefunden und in andere Regionen verbreitet wurde. In Hagen ist die Lucienkirsche die mit Abstand häufigste Süßkirschensorte. In Deutschland wurde diese Sorte bis vor einigen Jahren in Sortenlisten offiziell als verschollen geführt. Lucienkirschen sind von starkem Wuchs und erweisen sich meist bis ins hohe Alter als wenig anfällig gegenüber Krankheiten und Schädlingsbefall. Die Bäume bilden im Alter breitkugelige Kronen aus, die Leitäste wachsen teils steil, teils schräg. Typisch sind die im Alter außen herabhängenden und fächerartig verzweigten Fruchtäste sowie eine Veredelungsstelle mit sehr ausgeprägtem Wulst. Diese Veredelungswülste werden Ihnen noch an vielen Lucienkirschen auf dieser Wanderung begegnen.
Die Sorte Schubacks Frühe Schwarze stammt aus dem Alten Land bei und war früher in Norddeutschland weit verbreitet; auch in Hagen gehörte sie früher zu den Hauptsorten. Der hier anzutreffende Baum zeigt typische Wuchsmerkmale der Sorte: Es fehlt eine durchgehende Stammmitte, die Leittriebe verzweigen sich V-förmig. Der Baum ist von aufrech-tem Wuchs, die fruchttragenden Äste hängen nicht herunter. Bäume dieser Sorte neigen im Alter zum Verkahlen der Baumspitze – das ist auch bei diesem Exemplar gut zu erkennen. Lei-der macht der eher frühe Reifezeitpunkt die Kirschen dieser Sorte zum beliebten Futter von Tauben, Drosseln und anderen Süßschnäblern.
An der folgenden Wegkreuzung steht links ein stattlicher Baum der Sorte Hedelfinger. Über-queren Sie nun die Wegekreuzung und folgen Sie der Straße Am Knippel geradeaus wei¬ter bis zum Schoppenbrink. Rechts sehen Sie entlang dieses Weges eine sehr schöne Streu-obstwiese, auf der unter anderem Lucienkirschen, Hedelfinger und Große Schwarze Knor-pelkirschen (GSK) wachsen. Die Hedelfinger stammt aus Baden-Württemberg und gehört heute zu den in Deutschland am weitesten verbreiteten Süßkirschensorten. Sie ist in den Sortimenten der meisten Baumschulen anzutreffen und wird von Gartenbesitzern gerne gepflanzt. Von dieser dunkelroten, aromatischen und saftigen Tafelkirsche gibt es eine früh- und eine spätreifende Variante. Auch die GSK ist in Deutschland weit verbreitet und schon seit ca. 1540 bekannt. Ihre tiefroten Früchte schmecken frisch ebenso wie als Kompott.
An der Straße Zum Schoppenbrink biegen Sie nach links ab und gelan¬gen nach wenigen Metern zum Mentruper Wetterstein, der Ihnen zuverlässig Auskunft über die Wetterlage gibt. In der nächsten Linkskurve zweigt rechts ein unbefestigter Weg ab, dem Sie nun durch den Wald folgen. Bald gelangen Sie an zwei hübschen Gärten vorbei und über den Dillbach an die Straße Zum Dillbach, der Sie einige Meter nach rechts folgen. An der nächsten Weggablung gehen Sie links weiter und passieren bald das Landhotel Buller, das für seine gute Küche weit über die Grenzen Hagens hinaus bekannt ist. Folgen Sie weiter dem Fuß- und Radweg nach Bad Iburg, der Sie bald zu einem Grundstück zwischen der etwas oberhalb verlaufenden Landstraße und Ihrem Weg bringt. Dem Fußweg folgend erreichen Sie bald den Amtsweg. Hier geht es nach rechts weiter bis zur nächsten Kreuzung. Hier biegen Sie ab in die Straße Am Heidhorn. Auf der linken Straßen¬seite ist die Streuobstwiese der Familie Heitmeyer zu sehen, auf der mehrere Kirschbäume Ihnen nun schon bekannter Sorten stehen. Entlang des Weges sehen Sie zunächst eine Große Schwarze Knorpelkirsche, danach eine Hedelfinger, wieder ein Große Schwarze Knorpel, es folgt eine Schubacks Frühe Herzkirsche, danach drei Große Schwarze Knorpelkirschen und zuletzt eine Große Prinzessin. Letztere stammt  aus dem 18. Jahrhundert und ist von starkem Wuchs. Steile Leitäste formen meist hochgebaute Kronen. Im Hagener Raum neigen viele Bäume dieser Sorte zum Verkahlen. Die geringe Platzfestigkeit ihrer wohlschmeckenden Früchte hat dazu geführt, dass die Große Prinzessin in nur noch wenigen Gärten zu finden ist, dort aber wegen des Geschmacks der Kirschen geschätzt wird.
Vor dem übernächsten Haus (Am Heidhorn 7) auf der linken Straßenseite stehen zwei Kirsch-bäume der selten geworde¬nen Sorte Weiße Spanische. Der Wuchs dieser Sorte ist durch schräge Leitäste und sich relativ dicht verzweigende Fruchtäste gekennzeichnet, die Belau-bung ist eher locker. Seit dem 18. Jahrhundert wurde diese Sorte ausgehend von der Region um Halberstadt in ganz Deutschland verbreitet. Da ihre blassgelben, nur sonnenseitig geröte-ten aromatischen Früchte sehr druckempfindlich sind, hat ihre Bedeutung im Obstanbau stark abgenommen. Rechts daneben steht noch eine Schöne aus Marienhöhe. Diese ursprünglich aus Thüringen stammende Sorte entwickelt an guten Standorten riesige, landschaftsprägende Bäume mit hochkugeligen Kronen. Auffallend ist häufig eine stark dominierende Stammmitte, von der die Hauptseitenäste teils schräg, teils waagerecht abgehen und im Außenbereich der Krone nach unten hängen. Die Kronen dieser Kirschbäume ähneln in ihrer Form Birnbäumen. Die kleinen Früchte sind platzfest und sehr wohlschmeckend, doch aufgrund der Baumgröße oft nur schwer zu ernten.
Etwa 150 Meter bergan geht links ein Weg ab. Direkt an diesem Weg stehen weitere zwei Bäume der Sorte Schöne aus Marienhöhe. Auch kurz darauf, der Weg macht hier einen klei-nen Schlenker nach rechts um ein Gehöft, sehen Sie rechts zwei Bäume dieser Sorte. Weiter geht es entlang der Straße Am Heidhorn bergauf bis zum Waldrand, dann folgen Sie dem Weg nach rechts. Von hier aus kann man bei guter Fernsicht bis weit ins Tecklenburger Land sehen.
Hinter einem Wäldchen steht links ein Baum der Sorte Flamentiner. In Hagen a.T.W. ist sie unter dem Lokalnamen "Leggeske" bekannt. Sie war einst in ganz Deutschland sowie auch in angrenzenden Ländern verbreitet, galt in jüngster zeit aber als verschollen und wurde in Hagen a.T.W. wieder gefunden. Die Flamentiner ist starkwüchsig, ihre Leitäste stehen steil. Die Krone wächst trichterförmig und locker verzweigt. Ein Stück weiter des Wegs stehen rechts zwei Bäume der Sorte Teickners Schwarze Herzkirsche. Sie fällt durch ihren meist schlanken Wuchs auf. An den steilen Leitästen sind die Seitenäste sortentypisch fast waagerecht angeordnet. Die Veredelungsstelle ist bei beiden Sorten unauffällig, die Rinden beider Edelsorten sind auffallend glatt. Gegenüber auf der linken Seite steht noch eine Schöne aus Marienhöhe.
Der weitere Weg führt Sie wieder zur Straße „Zum Schoppenbrink“. Hier geht es nach links weiter. Der nächste Kirschbaum am rechten Wegrand ist eine Elton¬kirsche, eine 1806 in Eng-land durch Kreuzung entstandene Sorte, die in Deutschland nur noch selten anzutreffen ist. Auffallend ist ein trichterförmiger Kronen¬bau mit steilen Leitästen. Bei älteren Bäumen neigt die Spitze zum Verkahlen. Die Blattstiele sind bei dieser Sorte auffallend bis ins Blatt hinein gerötet. In vollreifem Zustand sind die Früchte dieser Sorte sehr wohlschmeckend.
Folgen Sie geradeaus der Straße Zum Schoppenbrink. Auf der linken Seite sehen Sie einen Hagener Hof mit typischer Kirschbaumwiese. Am Weg stehen eine Teickners Schwarze Herzkirsche und eine Schubacks Frühe Herzkirsche. Im Hintergrund wachsen einige alte, imposante Lucienkir¬schen.
An der Hofzufahrt vorbei folgen Sie weiter der Straße, die nun durch einen Hohlweg in eine kleine Schlucht führt. Dieser idyllische Wegabschnitt ist sogar vielen Hagenern unbe¬kannt. Im Wald, etwa in Höhe des kleinen Bachlaufs, den Sie nun überqueren, verläuft die Gemeinde-grenze zu Lienen, die hier zugleich die Landesgrenze zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen ist. Bald steigt die Straße wieder an, Sie verlassen die Schlucht wieder und sehen die ersten Häuser der Lienener Bauernschaft Holperdorp. Auch hier standen einst hunderte von Kirschbäumen. Im Garten des Grundstücks Nr. 30 (links der Straße) und entlang der Zufahrt zum Grundstück Nr. 28 mit dem schönen Fachwerkspeicher (rechts der Straße) finden sich auch heute noch viele stattliche Kirschbäume. Folgen Sie der geteerten Straße bis zur nächsten Kreuzung, an der die Zufahrt zu den Grundstücken Nr. 28 und 29 ausgewiesen ist. Hier biegen Sie rechts ab, und beim nächsten Wegekreuz geht es wieder nach rechts. Bald passieren Sie den Gemüsegarten des Grundstücks Nr. 29. Nahe der Hofeinfahrt steht links am Weg eine große Lucienkirsche mit typischer Baumkrone und dem charakteristischen Verede-lungswulst. Folgen Sie nun dem Weg am Waldrand entlang. Bald erreichen Sie wieder das Gemeindegebiet Hagens. Am Ende des Wegs gehen Sie nach rechts und erreichen in Höhe eines kürzlich erbauten Scheunengebäudes den Abzweig zur Kollage. Hier folgen Sie dem Weg nach links.
Am Waldrand passieren Sie einige Fischteiche des Forellenzuchtbetriebs Kasselmann. Nun geht es rechts weiter durch den Wald zur Kollage. An der nächsten Kreuzung folgen Sie dem Wegweiser zum Schullandheim nach links. Kurz darauf biegen Sie in den ersten Waldweg links ein. Durchqueren Sie das Waldstück. Sie erreichen den Hof Wüller und gehen an zwei rechts des Weges stehenden stattlichen Lucienkirschen vorbei. Auf dem hinteren Teil der Obstwiese steht auch noch eine Tilgeners Rote Herzkirsche. Sie wurde um 1800 im brandenburgischen Guben, damals Zentrum der deutschen Kirschzüchtung, von einem Herrn Tilgener aus Samen gezogen. Der Wuchs dieser Sorte ist stark,  die Leitäste schräg aufwärts gerichtet, zum Außenbereich der Krone hin z. T. abkippend und hängend.
Am Waldrand geht es nach rechts. Nach Durchqueren des Waldes vor einer Weihnachtsbaumplantage biegen Sie nach rechts in einen unbefestigten Weg ab und folgen ihm am Waldrand entlang. Bald öffnet sich der Blick über Mentrup und Hagen. Auf dem Feldweg bergab stehen links drei Kirschbäume der Sorte Lucienkirsche (helle Früchte, Veredelungswulst) und mehrere Hedelfinger (dunkle Früchte). In der Kirschblüte ist diese Stelle ein beliebtes Fotomotiv, obwohl die Bäume leider nicht mehr alle in gutem Zustand sind. Am Ende des Feldweges treffen Sie auf den Wanderparkplatz an der Bergstraße. Hier geht es nun nach rechts in Richtung Orts¬mitte. Weiter geht es nun in Richtung Ortsmitte vorbei an der Dallmühle am Goldbach bis zur Ibur¬ger Straße. Folgen Sie dieser Straße bis zum Hotel Kriege. Hier, unterhalb der Ehemaligen Kirche, endet diese Wanderung.
Die Kirschgemeinde Hagen a.T.W. wünscht Ihnen einen angenehmen Aufenthalt in Ha-gen. Viele Restaurants und Cafés laden zum Verweilen ein. Das Bürgerbüro im Rathaus hält eine Auswahl teils sortenreiner Hagener Kirschprodukte für Sie bereit – solange der Vorrat reicht! Guten Appetit und sehr zum Wohle!


© Gemeinde Hagen am Teutoburger Wald (2014)
Text: Dr. Edgar Klinger, Dr. Anja Oetmann-Mennen
Bereitstellung der Sorteninformationen: Hans-Joachim Bannier und Dr. Annette Braun-Lüllemann